𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻
Cam hat die ganze Fahrt über kein einziges Wort gesagt. Seine Hände haben jegliche Bräune verloren, so sehr umklammert er das Lenkrad. Nicht mal der Song von Eminem, der gerade im Radio läuft, und von dem ich nun weiß, dass es einer von Cams Lieblingssongs ist, kann seine Stimmung heben. Genauso ist auch die steile Falte, die sich zwischen Cams dunkle Brauen gräbt, die ganze Fahrt über Teil von Cams angespannter Mimik.
Als wir vor dem schicken Reihenhaus mit der hellen Fassade und dem weißen Lattenzaun halten, stellt Cam den Motor aus, bleibt allerdings an Ort und Stelle sitzen, so starr wie eine Mamorstatue.
Ich schnalle mich ab, drehe mich zu ihm und lege meine Hand auf seine eiskalte. »Hey.«
Cams Augen verweilen weiterhin geradeaus. Okay, das wird wohl eine härtere Nuss.
Ich umfasse sein Gesicht mit meinen Händen und drehe es zu mir. In seinen Augen tobt ein noch größerer Sturm als sonst. Mein Daumen streicht über das Muttermal an seinem Mundwinkel. »Wir müssen da nicht rein. Das weißt du, oder?«
Cameron schließt die Augen und schüttelt leicht den Kopf. »Wir müssen. Es ist Audens Geburtstag.«
Audens 13. Geburtstag, um genau zu sein. Draußen an der grau gestrichenen Tür hängen drei hellblaue Ballons und durch die Fenster kann man immer mal wieder Leute vorbei huschen sehen. Das, was ich von Cams Familiengeschichte weiß, ist nicht sehr viel, doch was ich weiß, ist das dort drin der Mann wohnt, der Gianna betrogen und den jüngeren Cameron verlassen hat. Für eine andere Familie. Der Mann, der nie mit Cams Leistungen und Handlungen zufrieden war. Und nun muss Cam dort rein und ein Lächeln für seinen kleinen Bruder aufsetzen, der von dem selben Mann, der Cam keine Aufmerksamkeit schenkt, eine riesige Geburtstagsparty geschmissen bekommt.
»Auden wird das bestimmt verstehen.« Auch wenn ich weiß, dass ein 13-Jähriger sicher nicht verstehen wird, warum sein Bruder nicht zu seinem Geburtstag kommen kann. Doch ich kann einfach nicht ertragen, Cam leiden zu sehen.
»Es würde Auden das Herz brechen«, krächzt Cam beinahe, als ihm die Stimme versagt. Mir bricht es gerade das Herz.
»Cam...«
Mit einem Mal schlägt er die Augen auf und schüttelt meine Hände ab. »Schon gut. Ich kriege das hin. Er wird mich sowieso nicht beachten, und ich werde mich revanchieren.« Hastig schnallt er sich ab, öffnet die Tür und steigt aus dem Wagen. Ich verziehe das Gesicht bei seinem aufgesetzten Ton, folge dann aber seinem Bespiel und springe aus dem Auto.
Ich sehe die Überwindung, die es Cam kostet, die Klingel zu betätigen. Nach wenigen Sekunden wird die Tür aufgemacht und eine dünne, hochgewachsene Blondine in einem elegantem, beigen Kostüm steht vor uns. Ihr perfekt geschminktes Gesicht kriegt Falten, als ein überraschter Ausdruck ihre dünn gezupften Augenbrauen in die Höhe treibt. »Oh, Cameron. Wie ... wie schön, dass du da bist. Auden hat schon die ganze Zeit-«
»Cam!« Audens aufgeregte Stimme übertönt das laute Gerede der anderen Gäste im Inneren. Erst hört man schnelle Schritte und dann rauscht auch schon Auden an der Frau vorbei und liegt in Cams Armen.
»Hey Großer.« Cam klopft ihm lachend auf den Rücken und wirft ihn hin und her. »Alles Gute zum Geburtstag.«
»Jetzt ist es wirklich ein guter Geburtstag«, meine ich, Auden murmeln zu hören, und mir zergeht beinahe das Herz bei der Zuneigung, die Auden für Cam verspürt. Allerdings wird der liebreizende Moment zwischen den Brüdern je unterbrochen, als sich die blonde Frau im Türrahmen räuspert. »Auden, deine anderen Gäste warten.«
Audens Mundwinkel sitzen einen Tacken tiefer, als er sich von Cam löst. Dann bemerkt er mich. Er reißt seine graublauen Augen auf und eine leichte Röte ziert seine Wangen. »H-hi Morgan.«
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The Pact
Teen FictionHorror. Der absolute Horror. Das ist es für Morgan, als sie plötzlich nicht nur von ihrem jahrelangen Freund fallengelassen wird, sondern auch noch von ihrer gesamten Clique hintergangen. Alleine muss sie sich nun dem täglichen Schulalltag und dem a...
