𝗖𝗮𝗺𝗲𝗿𝗼𝗻
Ich hatte, nachdem ich einen kurzen Abstecher in der Küche gemacht habe, um meinen Magen wenigstens ein wenig zu füllen, den restlichen Tag durchgeschlafen und konnte mich in der Nacht dann hellwach mit all dem Scheiß von den vergangenen Tagen befassen. Als mein Wecker am Montag dann endlich klingelte, damit ich mich fürs Krafttraining fertig mache, konnte ich gar nicht schnell genug aus dem Bett kommen.
»Du siehst so beschissen aus, wie du dich fühlen solltest.«
Ich hebe das Gewicht für einen weiteren Satz und starre Sawyer dann beim endgültigen Absetzen grimmig an. »Denkst du, deine aufmunternden Worte lassen mich mich besser fühlen?«
Sawyer zuckt die gebräunten Schultern, die wegen seines grauen Achselshirts sichtbar sind. »Ich bin der ewige Fluch deiner Existenz.« Wir tauschen unsere Positionen und nun gebe ich Sawyer Hilfestellung. »Hast du denn bisher« Push »mit Morgan« Push »über gestern« Push »geredet?« Ein letzter Lift, dann sagt er: »Und zwar im nüchternen Zustand.«
Ich kneife mir in den Nasenrücken und lasse mich auf die Bank neben den Kurzhanteln fallen. »Nur flüchtig geschrieben.«
»Das ist kein gutes Zeichen«, kommentiert er und nimmt sich eine Kurzhantel mit zehn Kilo.
Ich schnaufe. »Vielen Dank, das weiß ich selbst.« Ich sehe mich im Kraftraum der Schule um und entdecke Deacon am anderen Ende an der Rudermaschine. Ich ziehe die Stirn in Falten.
»Ist Deacon jetzt auch noch sauer auf dich?«, frage ich, ohne mir bewusst zu sein, dass ich mich damit verraten habe.
Sawyer stößt ein undefinierbares Gurgeln aus, doch so wie er guckt, ist da irgendwas im Busch.
»Was?«
»Ich hab ihn und Eve beim Rummachen im Bad erwischt.«
Hätte ich eine Kurzhantel in der Hand gehabt, wäre sie mir soeben auf den Fuß geknallt. »Was?« Shit. Also lag ich richtig bei meiner Vermutung.
»Ich habe ihn gesucht, damit er mir hilft, dich aus deinem jämmerlichen Zustand zu holen und habe die beiden dann gefunden. Und ich sage dir, es war sicher nicht das erste Mal, dass da was zwischen den beiden passiert ist, so schuldbewusst wie sie geguckt haben.«
Mein Magen verkrampft sich bei Sawyers verletzten Ton. Jede Faser von ihm schreit Verrat. Und er weiß noch nicht einmal, dass ich es ebenfalls vermutet habe. Ich sollte es ihm sagen ... oder? Fuck.
Meine Gedanken schweifen zu Morgan und wie gerne ich sie jetzt anschreiben und um Rat fragen würde wegen der ganzen verzwickten Sache. Aber vor allem, weil sie mir fehlt. Und das, obwohl nur zwei Tage vergangen sind, seit wir uns gesehen haben, aber die Party fühlt sich an, wie eine unsichtbare Kluft, die zwischen uns beiden entstanden ist. Weil ich es verbockt habe.
Ich räuspere mich. »Und hast du schon mit ihm geredet?«
Mein bester Freund schnaubt. »Der Feigling geht mir aus dem Weg.«
»So ein krasser Feigling ist er wohl nicht, wenn er hier in deiner Nähe ist, oder nicht?«
»Nur weil der Coach ihm sonst die Hölle heiß machen würde.«
»Und trotzdem ist er hier.« Ich schaue zu unserem langjährigen Freund. Sein Blick ist auf Sawyer gerichtet, und ich kann die Schuld erkennen, die in ihnen schwimmt, bevor er sich schnell wieder auf seine Trainingseinheit konzentriert, als Sawyer Anstalten macht, den Kopf in seine Richtung zu drehen.
Sawyer lässt die Kurzhantel unwirsch zu Boden fallen. Hätte der Coach das gesehen, hätte er ihm eine Lektion über umsichtiges Verhalten mit schweren Geräten gehalten. Sawyer wringt mit seinen Händen, als er sich neben mich auf die Bank fallen lässt. »Er ist ein Arschloch, dass er sich hinter meinem Rücken mit meiner Schwester einlässt.« Ich kann darauf nichts erwidern, also schweige ich. Wir sitzen für ein paar Minuten nur so da, während Sawyer mit gerunzelter Stirn auf seine Hände starrt. Dann springt er irgendwann auf. »Er sollte deswegen auf mich zukommen. Nicht umgekehrt.« Und damit geht er zu einem anderen Trainingsgerät, das genügend Abstand zwischen ihn und Deacon bringt.
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The Pact
Novela JuvenilHorror. Der absolute Horror. Das ist es für Morgan, als sie plötzlich nicht nur von ihrem jahrelangen Freund fallengelassen wird, sondern auch noch von ihrer gesamten Clique hintergangen. Alleine muss sie sich nun dem täglichen Schulalltag und dem a...
