"Was ihr hier gerade tut, grenzt an Entführung, das ist euch bewusst, oder?", sagte ich und stolperte hinter den beiden Mädchen her. "Halt die Klappe und lauf einfach weiter gerade aus." Ich dachte nicht im geringsten daran, die Klappe zu halten. "Könntet ihr mir vielleicht sagen, wohin wir gehen?" "Nein." Seufzend stolperte ich weiter zwischen Ayla und Marie her, ohne zu wissen wohin es geht. Ihr Name war mir wieder eingefallen, als ich sie vor mir am Waschbecken stehen hatte. "Was wollt ihr überhaupt von mir?", fragte ich erneut und versuchte mit den beiden beim laufen mitzuhalten. "Was ist so schwer daran, ein 'Halt die Klappe' zu verstehen?" zischte Marie. "Das hat doch überhaupt keinen Sinn", murmelte ich Kopfschüttelnd. Seitdem die beiden mich auf dem Klo erwischt hatten, schliffen sie mich mit sich herum, und erst als Maries Handy anfing zu klingeln blieben wir stehen. Ich starrte gelangweilt auf den kleinen See und war froh, meinem Bein eine kleine Pause zu gönnen, denn auf meine Schiene, schienen die beiden bei ihrem Tempo keine Rücksicht zunehmen. Ich setzte mich auf die veraltete Bank von der man direkt auf das Wasser schauen konnte... und dann traf mich ein seltsam vertrautes Gefühl mitten in die Brust. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich schon einmal hier gewesen. Nein, ich war schon einmal hier gewesen. "Wir gehen weiter" rief Ayla und ich schaute über die Schulter zurück zu den beiden. "Komme schon", murmelte ich und befahl meinen Beinen weiter zu gehen und aufzustehen. "Wir sind gleich da." Marie stolzierte eisig mit Ihren hohen Schuhen durch den matschigen Boden. Sehr elegant. Wir gingen noch ein wenig durch den Wald und blieben dann einpaar Meter vor einem riesigen Haus stehen. "Und jetzt kommt der Teil, in dem ihr mich in das Haus zerrt, foltert und umbringt?" Ganz plötzlich wurde mir Kalt. Ich schlang die Arme um meinen Oberkörper und schluckte. "Nein du Trottel, jetzt kommt der Teil in dem wir dich mit reinnehmen und auf deine Freunde warten,"erklärte Ayla und schloss genervt die Haustür auf. "Sie haben angerufen, nachdem wir dich bei den Toiletten entdeckt hatten und wollten wissen, ob wir dich irgendwo gesehen haben. Sie mussten wohl sehr verzweifelt gewesen sein, wenn sie selbst mich um Hilfe beten." "Wieso habt ihr das nicht gleich gesagt?" begann ich, doch Marie unterbrach mich mit einem harten Stoß gegen den Rücken. Psychopathisches Miststück, dachte ich wütend und langsam verging mir der ganze spaß an der Sache so ziemlich. Ayla betrat leise das Haus, machte die Lichter im Flur an. Schnell folgte ich ihr. Ich wollte nicht allein mit Marie bleiben. "Ich war echt lange nicht mehr hier", flüsterte Ayla und strich mit ihren Fingern die Wand entlang, bis sie vor einem eingerahmten Bild stehen blieb, das an der Wand hing. Sie berührte es zaghaft und zog sofort wieder ihre Hand zurück. So als hätte sie sich daran verbrannt. "Alles okay?", fragte ich und sie nickte, ohne ihren Blick von dem Bild abzuwenden. Marie währenddessen, zog hinter mir ihre Schuhe aus und fluchte. "Das waren die neuen Louboutins! Alles voller Matsch!" Heilige Scheiße, dachte ich. Sie war wirklich ein psychopathisches Miststück. Ich zog ebenfalls meine Schuhe aus und ging weiter in das Haus. "Wohnst du hier?" fragte ich Ayla neugierig und schaute mich um. "Nicht wirklich. Es ist nur ein Ferienhaus." Ich nickte beeindruckt. "Ferienhaus also." Marie und donnerte lautstark die Treppe hoch. "Ich suche mir neue Schuhe!" rief sie zu uns herunter. Ayla schaute mich entschuldigend an, "Sie kann manchmal ein bisschen..." Sie versuchte das passende Wort für sie zu finden. "Fies sein?" beendete ich ihren Satz und Ayla zuckte nur mit den Schultern. "Also," fragte ich dann zögernd: "Zu was soll das alles nun führen? Wieso bin ich hier?" Ayla überlegte eine ganze Weile bevor sie sagte: "Ich habe an einem Punkt meine Chance verpasst dinge zu klären, und wieder gerade zu biegen, verstehst du? Ich dachte..., wenn ich dich mit den anderen zusammenbringe, dann würden sie mir vielleicht zuhören, verstehst du?" Ich hob die Brauen. "Und da dachtest du, mich hierherzuführen wäre der beste Weg, die anderen dazu zu bringen mit dir zu reden?" Sie zuckte mit den Schultern. "Wenn sie herkommen, haben sie keine andere Wahl." Ich nickte skeptisch, um nicht all zu offensichtlich zu zeigen, wie seltsam ich ihren Plan fand, bis das knurrende Geräusch meines Magens das Schweigen brach und Ayla anfing zu lachen. "Hast du Hunger?" fragte sie und ich nickte. Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, lief sie durch den Flur und ich folgte ihr, so schnell ich konnte. "Willkommen in der Küche, wen du was essbares findest, kannst du es gerne haben. Achte bloß auf das Mindesthaltbarkeitsdatum." "Wie großzügig" murmelte ich amüsiert darüber und schaute mich um. Mein Bauch fing erneut an zu knurren, als ich die Schränke durchforstete. Die oberen Schränke waren alle Leer. In den Meisten befand sich einfach nur teures Besteck und Geschirr. Der Kühlschrank war ebenfalls leer. Ich bückte mich und versuchte es bei den unteren Schränken. Kurz bevor ich die Hoffnung aufgegeben hatte öffnete ich den letzten Schrank, auf dem ein kleiner gelber Bananensticker klebte. In diesem Schrank befanden sich Fertiggerichte, Wasserflaschen, Teebeutel, Chips und Kekse. Ich schnappte mir das Wasser und die Teebeutel. Dann suchte ich den Wasserkocher, machte mir einen Tee und öffnete die Kekse. Mit der dampfenden Tasse in der Hand und einem vollen Mund, verließ ich die Küche. Von Ayla war keine Spur und Marie konnte und wollte ich sowieso nicht finden. Also schlenderte ich durch das Haus und machte halte vor dem Bild, das Ayla so fasziniert betrachtet hatte. Es war ein Foto auf dem eine kleine Familie abgebildet war. Ein streng dreinblickender, großer Mann, in einem schwarzen Anzug, der nicht besonders freundlich wirkte. Neben ihm stand die Frau die ich bei dem Fest auf der Bühne gesehen hatte. Sie war eine hübsche Frau, mit faszinierenden grünen Augen. Sie lächelte, doch das Lächeln erreichte nicht ihre Augen. Neben der Frau stand ein kleines schwarzhaariges Mädchen. Sie hatte ein lockeres grünes Kleidchen an und hielt in ihrer Hand einen Teddybären. Sie war die einzige, die auf diesem Bild einigermaßen glücklich aussah. "Und, was Interessantes entdeckt?" Ich fuhr herum und der Tee kippte mir auf das Kleid. Fluchend hüpfte ich auf und ab. "Heißheißheiß!" "Man sollte in fremden Häusern nicht rumschnüffeln" Ayla schüttelte mahnend den Kopf. "Sagte die Entführerin!" rief ich aufgebracht und berührte den Fleck, der sich auf dem weißen Stoff gebildet hatte. "Ich geh dir was neues zum anziehen holen, wenn du willst", sagte sie. Ich nickte und machte es mir im Wohnzimmer bequem, bis sie wieder zurückkam. Auf dem Sofa öffnete ich mühevoll den Reisverschluss auf dem Rücken und riss mir das Kleid wortwörtlich vom Leib.Es war nass und fühlte sich ekelhaft klebrig auf der Haut an. "Du bist echt ein kleines Miststück, hm?" Ich schaute über die Schulter und sah Marie im Türrahmen stehen. "Wie bitte?" fragte ich geziert und hob eine Augenbraue. "Wen willst du hier eigentlich beeindrucken? Du siehst scheiße aus. An deiner Stelle würde ich das Kleid wieder anziehen. Bevor das hier richtig Peinlich für dich wird." Ich schaute an mir herunter und runzelte die Stirn. "Also ich finde, sie sieht heiß aus." Als ich diese Stimme hörte, schoss mein Kopf sofort in die höhe und mir wurde heiß. Noah stand neben Marie und musterte mich grinsend. Sie starrte mich wütend an und ballte die Rechte Hand zu einer Faust. Jemand schubste Noah zur Seite und fast der ganze Rest der Clique betrat das Wohnzimmer. Sie alle waren komplett durchnässt. "Whoaa diggah," rief Wally aufgedreht als er mich sah "Was zur Hölle hab ich verpasst?" Noah gab ihm einen Seitenhieb und Wally verzog schmerzerfüllt das Gesicht. "Wieso hast du nichts an?" fragte Leyna und warf sich neben mich auf das Sofa. Sie machte alles nass, doch das war ihr egal. "Hab mir Tee auf das Kleid gekippt" "Was!?", rief sie "Du meinst mein Kleid? Das, dass ich dir geschenkt habe?" "Genau das" sagte ich entschuldigend und Leyna hob warnend ihren Zeigefinger. "Ich bring dich um, wen wir zuhause sind!" Ich nahm mir eins der zierkissen und hielt es mir vor den Körper, als ich bemerkte, das auch Josh und Dylan den Raum betraten. Gefolgt von Said, Antony, Eric, Jake.. und Demi. "Ich hab nur Sachen aus der letzten Saison", hörte ich Aylas rettende Stimme sagen. "Ich hoffe das stört dich nicht." Sie betrat das Wohnzimmer mit einem Stapel Klamotten in der Hand, der ihr die Sicht versperrte. Als sie dann die Menschenmenge im Raum bemerkte gab sie ein leises: "Oh" von sich. "Ayla!" zischte ich und sie fing sich. Schnell kam sie auf mich zugelaufen. "Bitte alle Umdrehen!" rief sie und ich wurde rot. "Was?!" sagte Wally, gefolgt von einem neuen schmerzerfülltem "Uff" "Da gibt es doch eh nichts zu sehen" erwiderte Marie und ich wurde noch roter. "Halt die Schnauze" Leyna warf einen vernichtenden Blick in ihre Richtung. Marie machte einen Schmollmund und wandte ihren Blick ab. "Ist doch nur die Wahrheit." "Könntet ihr aufhören über mich zu reden und euch einfach umdrehen, bitte?" "Schon erledigt", antwortete Josh. Ayla warf mir ein Bündel von Kleidern auf den Schoß und ich griff mir einfach das erstbeste. Das Kissen warf ich zur Seite und zog mir den Fetzen über den Kopf. "Ich glaube ich bekommen keine Luft" sagte ich nach Luftschnappend. Heilige Kake war das eng. "So ist das nun mal, wen man sich Klamotten von einer Hure leiht" flüsterte Leyna laut. So laut das es jeder hören konnte. "Ich schätze wir können uns wieder umdrehen?" bemerkte Said und ich bejahte. Ich nahm mir noch ein T-shirt vom Stapel und zog es mir über das viel zu enge Kleid. "Also, wo sind wir hier eigentlich?" fragte Dylan. Er sah mich fragend an und ich lächelte entschuldigend. "Keine Ahnung" antwortete ich und schaute in Aylas Richtung. Das war das erste mal, das ich sie verlegen dreinblicken sah. "Na ja.." begann sie, stockte jedoch als alle Blicke auf ihr ruhten. "Sie wollte einfach mit euch reden und weil ich so verloren war, und niemanden finden konnte, sind wir hergekommen. Immerhin hat es ja angefangen zu stürmen", sagte ich auf gut Glück, denn sie alle Tropfen tatsächlich bis ins Unermessliche den Boden voll. Ayla nickte eilig und zustimmend, dann kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Wie auch immer", sagte Leyna "ich geh mir was neues anziehen." Sie stand auf und lief auf die Tür zu. Ich runzelte die Stirn. "Hier liegen doch trockene Sachen.." "Ich geh hoch und such etwas, das mal mir gehört hat", erwiderte sie "etwas das nicht billig aussieht, nichts für ungut Claire" Sie verließ mit erhobenen Kopf das Wohnzimmer. "Okay" sagte Demi langgedehnt. Sie kam auf mich zu und suchte sich etwas von den Sachen die auf meinem Schoß lagen. "Ich geh mich auch umziehen, mir ist kalt." Sie verließ beinahe fluchtartig das Zimmer. "Ich hab keinen Bock mehr," zischte Marie "Ich verpiss mich, das wird mir hier zu hässlich." Sie sah mich dabei an. "Es regnet da draußen ziemlich stark" rief Dylan ihr hinterher, aber sie hatte das Zimmer bereits verlassen. Er zuckte mit den Schultern und setzte sich auf den Platz, auf dem Leyna zuvor gesessen hatte. "Also, Leute" Antony seufzte. "Ich hab ja echt Kohldampf..." "Ich zeig dir wo du was findest", Ayla stand sofort auf und flüchtete dankbar aus dem Zimmer. "Bevor es hier richtig ungemütlich wird und alle heulen und klärende Gespräche führen, will ich erstmal bisschen chillen." Wally warf sich rücklings auf einen der vielen Sessel. "Ich geh aufs Klo" Said verließ das Zimmer. Jake und Noah beobachteten still das Geschehen, während Wally den Fernseher anstellte. Er zappte von einem, zum nächsten Sender, bis er gespannt bei den Nachrichten stehen blieb. Es ging eine weile um irgendwelche langweiligen Sachen, dann kam ein Bericht über ein in Brand gesetztes Internat, ganz in der Nähe.
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Lost in a Perfect Nightmare
AcakWisst ihr wie es ist die Neue zu sein? Ganz von vorne Anzufangen und sein Altes Leben hinter sich zu lassen? Claire tut es, denn sie ist diejenigen, die ihr altes Leben hinter sich lassen muss, um neu anzufangen. Und eine Wahl hatte sie nicht .
