Claire
In den folgenden Tagen hatte sich eine seltsame Atmosphäre über die Wg gelegt. Leyna verbrachte viel Zeit mit Said und war kaum zu Hause, und Eric der gereizter war als sonst, sprach kaum ein Wort, wenn er dann mal da war. Er verschwand öfter mit Noah und kam meistens früh am Morgen und mit dunklen Ringen unter den Augen zurück. Ich traute mich kaum, ihn anzusprechen, wenn ich ihm im Flur über den Weg lief. Und Josh,... Josh kam überhaupt nicht nach Hause. Ich hatte keine Ahnung wo er war und was er trieb, und wenn ich Noah fragte, was vorgefallen war, zuckte er bloß mit den Schultern. Ich vermutete, das er wütend auf mich war, weil ich sein Auto kaputt gemacht hatte, doch er gab mir nicht einmal die Chance mich dafür zu entschuldigen. Ohne wirklich leise zu sein ging ich in die Küche, machte mir ein Nutella Toast und setzte mich raus auf die Wiese, es war sowieso niemand zu Hause. Es war dunkel, und einzig allein der Mond spendete in dieser Nacht Licht. Es waren keine Sterne am Himmel zu finden. Die Ruhe der Nacht war besänftigend und nur das rascheln der Blätter und mein Atem waren zu hören. Lange Zeit lag ich auf dem Rasen und dachte an nichts, bis ein lautes Knacken die Stille durchbrach. Ich setze mich auf und kniff die Augen zusammen. Wer war da? Eine beängstigende Stille trat ein und ich dachte schon, ich hätte mir das Knacken eingebildet, da hörte ich es erneut. Es klang nach Schritten die sich näherten. Ich stand auf und versuchte keinen Laut von mir zu geben. Ich atmete tief aus aus und ging wieder zurück zum Haus. Dort setzte ich mich auf das Sofa und wartete. -aber es kam niemand. Ich schlucke schwer und langsam bekam ich wirklich Angst. Vielleicht war das ja nur ein Fuchs. Ich versuchte mich zu beruhigen, aber es funktionierte nicht. Ich traute mich nicht einmal aufzustehen. Es war, als wären meine Beine am Boden festgefroren. Wie erstarrt saß ich da. Mein Atem beschleunigte sich unaufhörlich. Meine Haare klebten mir an der Stirn, ich schwitze voller Panik.
Was ist wen sie wieder kommen?
Ich muss mich verstecken.. damit sie mir nichts antun können..
Mir schwirrten zu viele Gedanken im Kopf und ich begann zu zittern. Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und zuckte zusammen. Als ich aufsprang stieß ich mir mein Knie an dem Tisch an. "Beruhig dich Claire! Ich bin's nur." Ich zischte, als ich den Schmerz im Beim spürte. "Noah?"; fragte ich leise. "Ja, was ist denn passiert?" Mit einem besorgten Unterton stellte er sich vor mich. "Nichts." Ich hielt mir eine Hand auf mein Knie. "Sieht aber nicht nach nichts aus." Er setzte sich auf das Sofa und streckte seinen Arm aus, um sich das Knie anzusehen. Lange Zeit sagte niemand etwas. Es war nicht diese seltsame Stille, die manchmal eintrat, wenn man mit jemand Fremden sprach und nicht mehr wusste was man sagen sollte. Es war eine angenehme Stille. "Es scheint alles Okay zu sein. Vielleicht bekommst du einen blauen Fleck." Ich schluckte schwer, als er seine Hand zurücknahm. "Wieso streitet ihr euch so oft? Du und Josh." Noah sah mit kalten Augen zu mir auf, blieb jedoch sitzen. "Das geht dich nichts an." "Okay", sagte ich und setzte mich neben ihn. "Er hat mir ein wenig von Leyna und Said erzählt, als wir vor dem Präsidium gewartet haben, aber ich bin eingeschlafen, bevor es spannend werden konnte." Ich atmete tief aus und schob mir das schwitzige Haar hinter das Ohr. "Glaubst du er ist sauer wegen seinem Auto?" "Nein", erwiderte Noah. "Das glaube ich nicht." "Nein?" wiederholte ich. "Aber wieso lässt er sich dann nicht mehr blicken?" "Glaub mir, das hat nichts mit dir zu tun, Claire." Wir schwiegen beide und hingen unseren Gedanken nach, während es draußen immer heller wurde.
Noah
Schlafen gehen konnte ich ohne meine Tabletten nicht. Ich war stärker als diese kleinen, harmlos wirkenden Tabletten. Diese harmlos wirkenden Tabletten die so viel Macht über den Menschlichen Körper hatten. So viel Macht über mich hatten. Zu wenig davon ließ mich in einer Halbschlaf-ähnlichen Alptraum-Trance versinken. Zu viel davon ließ mich schlafen und nie mehr aufwachen. Vielleicht sollte ich spazieren gehen und mir somit die Zeit zu vertreiben. Auf dem Weg herunter sah ich Claire, die auf dem Sofa saß. Sie sah schrecklich aus. Die Art schrecklich die einem wirklich sorgen bereitete. Sie zitterte, ihr Atem ging unnormal schnell und ihre Augen waren vor Angst fest zusammengekniffen.
Dieser Anblick..., er erinnerte mich an den Tag, an dem Josh und ich Claire in diesem Haus im Wald gefunden hatten. Besser gesagt, als ich sie gefunden hatte. Josh war an dem Tag des Marathons mir zugeteilt worden, trotzdem liefen wir weit voneinander getrennt. Erst als er sein Handy nicht mehr finden konnte, bat er mich um Hilfe, doch auch das Handy suchten wir getrennt. Und das war der Moment, in dem ich das Haus fand. Das Haus und Claire. Claire dachte bis Heute, es wäre Josh gewesen, und das war auch gut so. Wenn ich daran dachte, wie sie das eine mal, als ich nach ihr sehen wollte, im Krankenhaushemd im Flur herumgegeistert war um zu fliehen musste ich schmunzeln. Ich vermutete, das sie selbst diese Erinnerung mit Josh verband. Er erzählte mir, sie könne sich an nichts mehr erinnern. Nicht an die Entführung, nicht an sich selbst und auch nicht an ihre Vergangenheit. Ich wusste, das es nie einen Autounfall gegeben hatte, doch das sie das glaubte, erleichterte mir den Umgang mit ihr. Sie musste sich mir gegenüber nicht schuldig fühlen. Sie konnte sie selbst sein. Sie tat zwar, als wäre sie stark genug, um damit klarzukommen, aber das war sie nicht. Allein konnte Sie das nicht durchstehen. Ihre Panikattacke bei der Party, oder die, die ich gerade mitansehen musste... Besorgt ging ich auf Claire zu und berührte Sie sanft an der Schulter.
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Lost in a Perfect Nightmare
AcakWisst ihr wie es ist die Neue zu sein? Ganz von vorne Anzufangen und sein Altes Leben hinter sich zu lassen? Claire tut es, denn sie ist diejenigen, die ihr altes Leben hinter sich lassen muss, um neu anzufangen. Und eine Wahl hatte sie nicht .
