33. Teil

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,,Defne?'', schallte es plötzlich hinter uns.

Geschockt drückte ich mich von Caners Brust weg und blickte in die großen Augen von Aylin. Meine Lippen pochten immer noch verräterisch von unserem Kuss. Während ich ihrem eindrücklichen Blick die Flucht ansagte, versuchte ich peinlich berührt meine wilden Haarsträhnen hinter mein Ohr zu legen.

,,Du bist die Neue von ihm?", fragte sie und kam näher. Ihr Atem war hörbar lauter geworden. Und diesen Moment wollte ich den ganzen Abend lang vermeiden. Ich spürte wie sich mein Magen verdrehte. Hilflos sah ich zu Caner, der keinerlei Anschein machte mit Unangenehmheit zu kämpfen.

,,Ja richtig. Sie ist meine Freundin.", entgegnete Caner rücksichtslos und steckte seine Hände in seine Hosentaschen.

,,Was?", rief sie lauter und wütender. Ihre Lippen bebten, während ihre fein, nachgemalten Brauen runter gingen. Ich schluckte schwer und spürte wie mich Angstschweiß durchzog. Ich fühlte mich so, als ob ich jemanden betrogen hätte. Aylin betrogen hätte. Das klackende Geräusch ihrer High-Heels näherte sich mir an. Sie stand direkt vor mir. Ich konnte ihr starkes, übertriebenes Parfüm riechen.

,,Wie konntest du nur? Wie konntest du ihn mir ausspannen?", rief sie nun in einer unangenehmen Stimmstärke.

,,Ich habe ihn dir nicht ausgespannt.", sprach ich deutlich leiser als sie es tat und blickte in das kühle Braun ihrer geweiteten Augen.

,,Ach nein? Was hast du dann? Dich schnell unter ihn gelegt bevor er Interesse an mir zeigte?", spuckte sie beinahe angewidert aus. Ihr Blick war giftig und angreifend. Mein Puls fing an unangenehm zu rasen, während ich meine Hände zu Fäusten ballte. In Caners Anwesenheit waren mir ihre Wörter noch hundert mal unangenehmer.

,,Rede keinen Schwachsinn!", rief ich nun etwas lauter und sah verständnislos in ihre Augen. In wenigen Sekunden erhob sie ihre Hand und zielte dem Anschein nach auf meine Wange. Doch weit kam sie nicht, den Caner stellte sich beschützend vor mich und hielt ihren erhobenen Arm fest.

,,Wage es nicht. Ich kenne dich lang genug und habe nie Interesse an dir gezeigt, auch nicht bevor ich Defne kennen lernte. Akzeptier es endlich."
Er hielt inne und blickte kurz zu mir, ehe er wieder in das geschockte Gesicht von Aylin sah. ,,Danke Gott, dass du die Schwester von meinem Kumpel bist, sonst hätte ich jetzt noch ganz andere Wörter ausgesprochen."

Caner packte sich meine Hand und zog mich erneut durch die tanzende Menge zu unseren Sitzplätzen.

,,Nimm deine Sachen und wir verschwinden von hier.", hauchte er mir ins Ohr. Ich nickte nicht einmal, befolgte lediglich seine Anweisung. Die Runde sah verwirrt zu unseren umschlossenen Händen. Davor hatte ich versucht meine Hand zu befreien, doch Caner ließ es nicht zu.

,,Alles klar bei euch?", fragte mein Cousin und kratze sich verwirrt am Hinterkopf.
,,Bei uns ist alles gut. Aber schau mal nach Aylin. Sie ist bei den Toiletten und kommt anscheinend mit der Tatsache, dass Defne und ich zusammen sind, nicht so gut klar.", entgegnete Caner halbherzig und packte sich seine Jacke. Ich tat es ihm gleich und spürte die schweren Blicke auf meinem Rücken. Caner legte seine warme Hand um meine Hüfte und nickte in die Runde rein. Wortlos drehte er sich zu mir um und schenkte mir ein Lächeln. Ein erleichterndes Lächeln. Als wir dabei waren, das Lokal zu verlassen, näherte er sich erneut meinem Ohr an.

,,Ich habe Antonios Blick genossen. Jetzt weiß er, dass er dich nicht einmal mehr aus der weite betrachten darf."

Ich verdrehte meine Augen und musste - so absurd es in dieser Situation auch war - leise lachen.

SchicksalsschlagWo Geschichten leben. Entdecke jetzt