,,[..] Er hatte gestern einen Autounfall..''
Nach dieser erschütternden Nachricht raste ich in mein Zimmer und zog mir irgendetwas drüber. Jeans und Shirt. In diesem Moment waren mir unsere Streitereien völlig egal. Auf einmal erschienen diese nicht wichtig gar bedeutungslos. Was zählte..war er.
Ich packte meine Handtasche mit dem nötigsten und erblickte auf der Uhr schon die vergangen 15 Minuten. Die Tränen konnte ich schwer unterdrücken, die Schnappatmung ebenfalls. Es schmerzte. Tief in mir drin. Es schmerzte höllisch.
Chaotisch schlüpfte ich in meine Sneaker und schloss die Tür hinter mir zu. Ich war mir nicht einmal mehr sicher, richtig abgeschlossen zu haben. Aber es war mir gerade gleichgültig. Als ich die Treppen runter eilte und die Eingangstür öffnete, stand vor mir schon wie erwartet Esma. Sie kam auf mich zu umarmte mich fest. Gott sei dank besaß sie ihren kleinen Opel, welcher uns nun schnellstmöglich zu ihm bringen sollte.
,,Wo genau in Karlsruhe?", fragte Esma und reichte mir den Navi.
,,Er wird uns irgendwo auf einem Rastplatz abfangen.", antwortete ich schnell und fuhr mir müde über die Schläfen. Esma wechselte die Spur und blickte mich kurz an.
,,Wer ist er?"
Ich atmete leise aus. Sie würde mich hassen. Verachten. Und vielleicht umbringen. Ich war eine grässliche Freundin.
,,Ziya.", sprach ich noch leiser aus und verschränkte nervös meine Arme.
Ihr Blick erstarrte. Man konnte den Schock zu gut aus ihrer Stimme heraus hören. Man konnte erahnen, wer und welche Situationen gerade durch ihre Gedanken strömten.
,,Willst du mich grade verarschen, Defne?", rief sie auf einmal zu laut und ließ mich aufzucken. Ihr eigentlich recht harmlos wirkendes Aussehen schien nun nicht mehr derart zu wirken - Esma war ebenfalls selbstbewusster und stolzer geworden.
,,Er hat mich angerufen. Wie er an meine Nummer heran kam weiß ich nicht. Aber er hat mich informiert."
Flehend sah ich sie an. Sie nuschelte etwas leise daher und fuhr zur Autobahn. Gleichzeitig schlug sie mit ihren zarten, kleinen Händen aufs Lenkrad und seufzte.
,,Esma. Wenn es für dich schlimm ist dann fahre mich einfach zum Bahnhof. Ich will dir nichts zu muten."
Sie schüttelte den Kopf. Ihre verzweifelte Fassade schwand auf einmal. Sie blickte starr voraus und sprach halb zu mir gedreht.
,,Nein. Keine Sorge. Ich schaffe das. Ich habe mich für nichts zu schämen. Für nichts."
Ich lächelte leicht. Meine Augen blickten zu Seite und wanderten zu den anderen Autos. In meinen Kopf erschien er. Eine bedrückende Enge entfachte sich in meinem Brustkorb und ließ mich mehrere male lauter aufatmen. Langsam kurbelte ich das Fenster runter um bessere Luft einatmen zu können.
,,Du wirst ihn immer lieben. Er hat sich in deinem Herzen so verankert. So oft du auch versuchst, deinem Schicksal den Rücken zuzukehren, entsteht was neues. Du liebst ihn Defne."
Ich blickte zu ihr. Mein Rachen schien ausgetrocknet. Dann floh ich ihrem Blick. Ich schloss für einen kurzen Moment meine Augenlider.
Nein. Es war nicht mehr diese Gefühl. Es war nicht mehr das, was es schien zu sein. Nein. Es war unmöglich nach allem.
,,Ich will einfach wissen ob es ihm gut geht. Mehr nicht."
Ich starrte starr voraus. Mein Herz schlug unwohle Rhythmen. Zugegeben ich wusste selber nicht mehr was ich so richtig fühlte. Am liebsten nichts.
DU LIEST GERADE
Schicksalsschlag
Teen Fiction» Ich werde versuchen ihn so zu erziehen, wie Du es gemacht hättest. Das verspreche ich dir. « Wie nennt man es, wenn die verschollene Vergangenheit plötzlich ein Verhängnis für die eigene Zukunft wird? Man nennt es Kampf. Gegen die Feinde, die Li...
