Kapitel 12 - Gespräche

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Yoongi brauchte wenige Sekunden, um zu realisieren, was ich getan hatte. Ein roter Fleck bildete sich auf seinen Wangen. Auch die anderen sahen ungläubig auf das Szenario. „Man beleidigt niemanden.", sagte ich, machte auf den Absatz kehrt und verließ den Raum. Er hatte übertrieben. Er hatte es eindeutig übertrieben und dennoch fühlte ich mich schlecht, ihm eine geklatscht zu haben. Das war falsch von mir. Ich war nicht besser als er.

Gedankenverloren zog ich meinen Häschen-Schlafi an, putzte meine Zähne im Gäste Bad und verschwand direkt in meinem Zimmer, das im Laufe der Zeit immer vertrauter geworden war. Während meiner Ausbildung hatte ich mit dutzend anderen in einem Raum schlafen müssen, eng an eng in dreistöckigen Betten. Ich war froh, endlich Privatsphäre zu haben und trotzdem fühlte ich mich einsam. Wenn man alleine war und nichts zu tun hatte, dachte man nach. Und ich hasste es nachzudenken. Darüber nachzudenken, dass ich einen Stock im Arsch hatte, was für eine trottelige Person ich war, dass ich kaum vorankam, was den Auftrag anbelangte und auch darüber zu grübeln, dass ich Yoongi grade eine geklatscht hatte. Ich hatte ihm ehrlich eine geklatscht.

Normalerweise war es mir immer egal gewesen, was andere von mir hielten, aber seit ich bei den Jungs wohnte, hatte ich mich irgendwie verändert. Ich wusste nicht inwiefern oder wieso, aber es war Tatsache. Ich fühlte mich einerseits besser. Aber andererseits auch verletzlicher. Vielleicht, weil es nun Leute gab, die mir wichtig waren? Ich schüttelte wild den Kopf. Das konnte ich einfach nicht wahrhaben. Die einzige Person die mir wichtig sein sollte, war ich selbst. Und trotzdem wollte ich nicht, dass Yoongi mich dafür hasste, ihn grade geschlagen zu haben. Ich hatte ihn verdammt nochmal geschlagen. Es war so absurd, es auch nur zu denken.

Doch ich mache einen Entschluss. Mit einem Satz sprang von meinem Bett auf. Ich musste mich einfach entschuldigen gehen. Doch sobald ich meine Zimmertür aufriss, entdeckte ich Jungkook. Er stand direkt vor meiner Nase, die Faust in die Höhe haltend. Wahrscheinlich wollte er gerade anklopfen.

„Oh, hey.", lachte er verlegen. Er warf einen Blick auf meine Kleidung und verstummte vor Verwirrung. „Hey.", murmelte ich und fühlte mich grade an meine ersten Tage im Dorm zurück versetzt. „Komm rein."

Zögernd folgte er mir in das Zimmer und stand verloren im Raum herum. „Du darfst dich ruhig setzen.", wies ich ihn an, ließ mich wieder auf das Bett nieder und bedeutete ihm neben mir Platz zu nehmen. „Du kannst dir bestimmt denken, wieso ich gekommen bin, hm?" Er setzte sich neben mich, hielt aber reichlich Abstand. Ich nickte. „Es war dumm von mir. Das war nicht sonderlich seriös. Ich muss mich entschuldigen." Niedergeschlagen lehnte ich mich zurück und legte den Kopf in den Nacken.

Jungkook musterte mich von der Seite. „Ich wollte mich eigentlich bei dir für Yoongis Verhalten entschuldigen.", schmunzelte er. Überrascht erwiderte ich seinen Blick. „Du bist nicht hier, weil ich ihn gerade geschlagen habe?" „Ich glaube nicht nur ich hätte das an deiner Stelle ebenso getan." Sein Schmunzeln wurde zu einem amüsierten Grinsen und sofort atmete ich erleichtert aus. Zumindest er war nicht böse auf mich. Ich hatte ihn eigentlich als ziemlich zurückhaltend empfunden, aber er schien in meiner Nähe langsam aufzutauen. Aus irgendeinem Grund freute ich mich darüber.

„Ich muss mich trotzdem bei Yoongi entschuldigen.", sagte ich schließlich. „Auf jeden Fall solltet ihr diese Diskussion aus der Welt schaffen.", stimmte er zu. „Das würde alles leichter machen und vielleicht wird Suga dann auch einsehen, dass du nicht inkompetent bist." Ich zog empört meine Augenbrauen zusammen. „Was soll das denn jetzt heißen?" Doch Jungkook lachte nur. „Das war ein Scherz. Keine Sorge. Du sollst aber wissen, dass Suga es nicht so meint, er ist nur ein wenig reizbar und-"

Ein Klopfen an der Tür unterbrach unser Gespräch. Ich sah fragend zu Jungkook, aber er zuckte nur ahnungslos mit den Schultern. „Herein?" Die Tür ging auf und Yoongi stand im Türrahmen. Ihn hier zu sehen, überraschte mich deutlich mehr als das Gespräch gerade eben. „Stör ich?", erkundigte sich der Neuankömmling. Jk und ich schüttelten gleichzeitig mit dem Kopf und sofort stand er auf, zwinkerte mir unauffällig zu und quetschte sich an Yoongi vorbei aus der Tür.

„Willst du rein kommen?", fragte ich ein wenig verunsichert und deutete auf den Platz auf meinem Bett, wo vor wenigen Sekunden noch Jungkook gesessen hatte. Er kam meinem Angebot nach und ließ sich neben mir auf die weiche Matratze sinken, warf einen Blick auf meine Kleidung und verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen. „Was trägst du denn da?" augenverdrehend winkte ich ab. „Meinen Schlafanzug. Sieht man doch." „Dass das ein Schlafanzug ist, sehe ich selbst, aber wie alt bist du nochmal? 20? Ich weiß ja, dass du nicht sonderlich viel Geschmack hast, aber das-" „Bist du nur hier, um mich weiter zu beleidigen?", schnitt ich ihm das Wort ab. Der Kerl hatte Nerven.

„Aber wenn du nicht den ersten Schritt machen willst, dann eben ich." Ich sah ihm direkt in diese dunklen, tiefen Augen und versuchte sicher zu klingen, auch wenn mir die Situation unangenehm war. „Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe." Sein Blick war unbezahlbar. Er schien wirklich überrascht zu sein, dass ich mich bei ihm entschuldigte. „Hat es dir die Sprache verschlagen?", neckte ich ihn und konnte ein überlegenes Grinsen nicht unterdrücken. So oft wie er sich blöde Sprüche mir gegenüber nicht verkneifen konnte, hatte er es nicht anders verdient.

„Mir tut es auch leid.", entschuldigte sich Yoongi schließlich. „Ich werde dir noch eine Chance geben." Ich lachte auf. „Das ist aber gnädig von dir!" „Ich wusste gar nicht, dass du sarkastisch sein kannst." „Ich wusste gar nicht, dass du freundlich sein kannst.", äffte ich ihn nach, aber er grinste nur weiterhin blöd. „Vielleicht bist du gar nicht so merkwürdig, wie ich immer dachte.", murmelte Suga, mehr zu sich selbst als zu mir. „Ich bin nicht merkwürdig.", verneinte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Mein Gegenüber zog eine Augenbraue hoch. „Sicher?" „Ja, sicher." Nun fing auch ich an zu grinsen, glücklich, dass die Situation mit einem Mal nicht weiter angespannt war.

„Und zwischen uns ist jetzt alles wieder gut?", fragte ich vorsichtig. Yoongi schenkte mir ein Lächeln und ich hatte ihn noch nie davor ehrlicher lächeln gesehen. „Ja, alles gut."


BTS - Personal BodyguardGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt