Kapitel 32 - Alptraum

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Diese Nacht wurde ich von Alpträumen geplagt.

Schattenartige Wesen griffen aus der Dunkelheit nach mir und wollten mich zu ihnen ziehen. Sie waren form- und gesichtslos, besaßen keine Konturen und bloß lange Klauen die mich zerfetzen wollten. In einem Chor aus flüsternden, grauenhaften Stimmen wiederholten sie: "Sechs Wochen... Sechs Wochen....Sechs Wochen."

Ich irrte an ihnen vorbei in der Hoffnung flüchten zu können, doch es brachte nichts. Egal wie viel ich rannte, die Kakophonie drang durchgehend in mein Ohr und die Schatten kamen mir näher. Dann verformten sie sich. Gesichter wurden erkennbar, es waren die Jungs mit schrecklichen Fratzen, die höhnisch über meine Verzweiflung lachten. Meine Chefin mit einem süffisanten Grinsen von einem zum anderen Ohr und spitzen langen Zähnen. Und dann änderte sich der Traum.

Ich stand alleine in einem dunklen Zimmer. Überall Fotos von mir in verschiedenen Situationen. Junas höhnisches Lachen hallte im Hintergrund unaufhörlich wider. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, die Wände rückten näher und wollten mich zerquetschen. Doch dann fiel ich plötzlich in einen bodenlosen Abgrund. Bis ich mich erneut woanders befand.

Diesesmal sah ich mich selbst in einem Foyer, neben mir Monsieur Fromage. Doch er hatte keine Augen. Gegenüber von uns Mr. Clark mit riesigen Hörnern, Timothy mit ekelerregenden Narben überall auf der Haut und dann das Mädchen. Mit den Engelsgleichen Geischtszügen, der feinen, blassen Haut und den dunklen Locken. Sie schien zu leuchten. Viola.

Schweissgebadet schreckte ich mit dem Klingeln meines Weckers auf. Die Erinnerungen an den schauderhaften Traum noch immer Present.

Ich brauchte eine Weile um zu realisieren, das ich mich in meinem Zimmer befand und die ganzen Geschehnisse nicht echt gewesen waren. Benommen schüttelte ich meinen Kopf, um die Erinnerungne los zu werden, doch dann hielt ich Inne.

Viola... Mir fiel es wieder ein. Ich wusste, woher ich Hosoeks feste Freundin kannte. Ich hatte sie damals auf der Pressekonferenz kennen gelernt. Sie, ihren Vater und ihren Bruder. Die Tochter von Mr. Clark.

Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen?

Sofort sprang ich aus meinem Bett auf, aufgeregt über den neuen Hinweis. Den Rest das Alptraums schob ich in die hinterste Ecke meines Kopfes, um ihn zu vergessen.

Ich duschte an diesem Tag besonders kalt im Versuch die restlichen Fragmente des Traumes abzuwaschen. In meinem Kopf echote immer wieder ihr Name: Viola.

Ich musste es umgehend berichten.

-

Die Jungs waren heute überraschender Weise gut drauf. Ins besondere Hosoek. Die gesamte Autofahrt zum Bighit Sitz, riss er ein Witz nach dem anderen und alberte herum, wenn er mal nicht grade über Viola schwärmte. Ich verkniff es mir, sie einzuweihen. Erst würde ich mit meiner Chefin reden und müsste die Geschichte so rüber bringen, dass Hosoek nicht mit ihr zusammen war.

Die Sieben verstreuten sich sobald wir ankamen und arbeiteten individuell für ihre Tour. Ich hingegen lief direkt in den Konferenzraum. Doch er war leer.

Wahrscheinlich hatte sich Selina irgendwo mit ihrem neuen Lover versteckt. Seufzend ließ ich mich am Tisch nieder und starrte Löcher in die Luft. In Gedanken ging ich erneut alle erreichten Erkenntnisse durch.

Immer noch gab es weder Forderungen, noch irgendein Alibi in dem Fall, abgesehen von purer Rache. Timothy war ein Komplize Junas, welche wiederum Jins verrückte Ex-Freundin war, die wegen Stalking in die Psychatrie musste. Sie gab sich als Fan aus, doch ist momentan die Hauptverdächtige im Fall.

Aber was wollte sie damit erreichen?

Wollte sie die Jungs bloß einschüchtern und ihnen Angst machen?

Stand lediglich Rache im Vordergrund?

Und dann war da noch Viola, die wie aus dem Nichts mit Hosoek zusammen kam.

War das ein Teil von Junas Plan, vielleicht um die Jungs zu beobachten?

Alles würde passen. Und dennoch hatte ich meine Zweifel.

„Wieso kann sich der Täter nicht einfach zeigen.", murmelte ich seufzend und fuhr mich durchs Haar.
„Immer muss alles so kompliziert sein."

Und dann waren da noch die Bilder, wie mir einfiel. Juna konnte mich nicht leiden. Und wurde wegen Stalking eingesperrt.

Sie musste die Bilder gemacht haben, oder?

Vielleicht war noch jemand anderes dafür verantwortlich. Timothy's Vater, Mr. Clark. Um irgendwas sollte er sich kümmern, wie ich bei dem Telefonat mitbekommen hatte.

War er also involviert?

Das würde zumindest erklären, wie der Täter jegliche Ortungsmöglichkeiten umgehen und auch jegliche Spyware abwehren konnte.

Aber worüber war Juna am Telefon so erleichtert gewesen?

Vielleicht weil sie gemerkt hatte, dass jemand in ihren Unterlagen rumgeschnüffelt hatte....

Und woher wusste der Täter, dass ich in echt engagiert wurde, um herauszufinden, wer die Drohungen abschickte?

Für die Öffentlichkeit war ich doch nur eine Mitarbeiterin von Bighit.

Und wieso hatte er es auf mich abgesehen?

Wahrscheinlich, weil ich im Weg stand.

Dennoch störte mich etwas am Gesamtbild. Irgendeine Ahnung beschlich mich, die sich jedoch nicht in Wörter formen ließen. Als wäre die Lösung direkt vor meinen Augen, doch konnte ich sie nicht finden.

„Viktoria." Eine ernste Stimme riss mich in die Wirklichkeit. Vor mir stand Selina mit einem überraschend freundlichen Gesichtsausdruck. „Kann ich dir helfen? Ich muss noch viel erledigen heute." Achja, sie koordinierte ja noch weitere Aufträge unserer Agentur.

„Ich muss mit Ihnen reden.", erhob ich mich. „Es ist wichtig." Eine ihrer Augenbrauen wanderte fragend nach oben. „Und was gibts?" Ich seufzte erneut. „Es geht um eine gute Freundin von Jung Hoseok." , begann ich und verschwieg dass es nicht nur eine gute Freundin war. „Ihr Name lautet Viola Clark." Verstehend nickte meine Chefin. „Sie ist die Schwester von Timothy, welcher wiederum ein Komplize von Juna ist."

Hätte man meine Chefin nicht gut genug gekannt, würde man das kleine Zucken ihres Auges übersehen. Doch ich bemerkte es. War sie wütend oder überrascht?

„Interessant.", meinte sie, ohne ihre Stimmlage zu ändern. „Dann ist sie wohl auch involviert." „Die Vermutung hatte ich auch schon." „Stell das Juna-Lim Sook-Thema erstmal beiseite und konzentrier dich auf die Kleine.", verlangte Selina. „Ich will wissen, wie viel sie durch Hoseok in Erfahrung bringen konnte und ob sie wirklich mit drinnen hängt." Mit einem kurzen lächeln machte sie kehrt und verschwand so lautlos wie sie gekommen war.

BTS - Personal BodyguardGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt