Kapitel 44 - Die letzte Drohung

2K 122 27
                                        

„Was hat er gesagt?", fragte er, als er mein Entsetzen bemerkte.

"Ich glaube Selina hat euren Manager entführt."

Als ich die anderen ins Wohnzimmer rief und ihnen davon erzählte, dass meine Chefin ihren Manager entführt haben musste, reagierten sie weit mehr entsetzt als Yoongi. Er hatte bloß mit den Schultern gezuckt und meinte beinahe beiläufig, dass wir ihn halt retten müssten.

Stattdessen hatte Hoseok kurz aufgeschrien, Namjoon war das Glas aus der Hand gerutscht und Jins Mund war so weit aufgeklappt, dass sein Unterkiefer beinah die Schlüsselbeine berührten.

Keiner wollte glauben, dass die anfänglich schwammig klingenden Drohungen solche Ausmaße haben würden.

Es war bereits 22 Uhr, doch keinem von uns war nach Schlafen zumute.

„Wenigstens hat niemand uns was angetan.", sagte Jimin, der ein wenig blass um die Nase war. Taehyung schlug ihm gehen die Schulter und sah ihn ermahnend an. „Es ist schlimm, das überhaupt jemanden etwas passiert ist.", stellte er fest und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Allein, dass Viktorias eigene Chefin das Auto sabotiert hat."

„Ich bin froh, dass ihr nun wisst, dass meine Freunde unschuldig sind.", schaltete sich Hoseok ein. „Tut mir nochmal leid, dass ich nichts gesagt habe. Aber irgendwann konnten wir nichts mehr gegen die Beweise machen und selbst Mister Clark hatte alles versucht."

„Es ist okay, Hyung.", sagte Tae Liebevoll zum Älteren. „Jeder macht mal Fehler."

„Zumindest erklärt es einiges, dass Selina dahinter steckt. Woher sie zum Beispiel von Anfang an von den Drohungen wussten zum Beispiel.", erwähnte ich.

Eine Weile sagte keiner etwas. Jeder schien seinen Gedanken nachzuhängen.

„Wollen wir nicht die Polizei verständigen?", erkundigte sich Jungkook plötzlich. „Ich meine, wir wissen nicht, wo sich die beiden nun befinden. Und ich glaube nicht, dass wir es so einfach herausfinden."

„Das wäre vielleicht das beste.", überlegte Namjoon und vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich meine, was ist, wenn ihm irgendetwas passiert."

„Ihm ist schon etwas passiert, Namjoon.", sagte Jin bitter und griff beklommen die Hand des Leaders. Am liebsten würde ich auch Yoongis Hand ergreifen, doch ich hiel mich zurück. „Vielleicht sollten wir wirklich zur Polizei gehen.", fuhr der Älteste fort.

Mir war nicht wohl bei dem Gedanken und doch sah ich es letzte verbleibende Möglichkeit. Auch wenn der Manager es vehement verhindern wollte, damit es nicht an die Presse gelangte. Doch wir hatten keinen einzigen Anhaltspunkt, wo die beiden stecken könnten.

„Wenn sie wirklich eine Affäre hatten, würde Selina ihm nichts antun.", sagte Yoongi und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück.

„Aber was hat sie dann mit ihm vor?", fragte Jungkook unsicher.

„Ich weiß es nicht.", gab ich zu und merkte, wie alle Blicke auf mich gerichtet waren. „Aber ich bezweifle auch, dass sie ihm etwas antun würde."

Hoseok verschränkte missmutig die Arme vor der Brust. „Kannst du nicht ihr Handy orten? Oder das vom Manager?"

Ich zuckte mit den Schultern. „Wenn Selina bisher jegliche zur Verfügung stehende Programme umgehen konnte , wird sie sich nicht so leicht orten lassen.", gab ich zu bedenken. „Wir konnten keine der Nachrichten zurück verfolgen. Sie ist clever genug, um auch jetzt dafür zu Sorgen, dass wir sie nicht finden."

Ein zustimmendes Gemurmel ging durch den Raum. Und dann, wie auf Kommando, begannen alle unsere Telefone gleichzeitig zu klingeln.

Wir wechselten vielsagende Blicke und holten die Handys hervor.

„Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.", stellte Namjoon fest.

Ich tippte nervös auf die Benachrichtigung und stellte überrascht fest, dass sich ein Bild im Anhang befand.

„Sucht mich.", las Jimin das Geschriebene vor.
„Bei mir steht das gleiche.", entgegnete Taehyung. Und auch die anderen hatten dieselbe Nachricht erhalten.

"Öffnet das Bild.", wies ich sie an und tippte ebenfalls auf die angehängte Datei.

Zuerst erkannte ich gar nichts. Hauptsächlich war Dunkelheit zu erkennen, die fast das gesamte Foto einzunehmen schien. Doch in der Mitte sah man eine Person, die durch das Blitzlicht vom finsteren Hintergrund hervorzustechen schien. Getrocknetes Blut war im Gesicht des Managers zu sehen. Gefesselt und offensichtlich bewusstlos saß er zusammengefallen auf dem Stuhl. Sein Kopf war zur Seite gedreht und seine Kleidung, die er vor wenigen Stunden noch getragen hatte, war vollkommen verdreckt.

„Seid ihr sicher, dass Selina ihm nichts antun wird?", fragte Jin verzweifelt und festigte den Griff um Namjoons Hand.

Ich antwortete nicht, sah mir das Bild genauer an. Mit zitternden Fingern stellte ich die Bildschirmhelligkeit hoch und betrachtete den verdreckten, staubigen Fußboden. Ansonsten schien der Ort wie verlassen. Geradezu wie eine Szene aus dem Horrorfilm.

Ich ließ das Handy sinken und sah in die entsetzen Gesichter der Jungs.

„Ich glaube, ich weiß, wo der Manager ist.", sagte ich mit belegter Stimme und spürte wie ein Schauer meinen Rücken hinunter kroch. "In der Fabrik, zu der man mich nach dem Ball hingebracht hat."

„Wir müssen sofort dorthin!", sagte Namjoon und sprang von seinem Stuhl auf, ohne sich von Jins Hand zu lösen.

„Auf gar keinen Fall.", erwiderte ich und sah die Jungs ernst an. „Das wäre viel zu gefährlich."

„Aber immer, wenn wir dich alleine lassen, passiert etwas schlimmes.", hielt Jimin gegen. „Du wirst entführt oder hast einen Autounfall. Ich will gar nicht wissen, was jetzt passieren könnte, wenn deine Chefin wirklich so verrückt ist, wie es scheint."

Widerwillig senkte ich den Blick. Das letzte, was ich wollte, war die Jungs in Gefahr zu bringen.

„Wir gehen alle gemeinsam.", stimmte jedoch auch Taehyung zu. „Schließlich heißen wir nicht umsonst Agent Taetae und Agent J-Hope."

Trotz der Ernsthaftigkeit der Lage, zauberte mir Taehyungs Äußerung ein Lächeln auf die Lippen.

„Ich hab dem nicht zugestimmt.", wand Hobi ein und sah leicht panisch in die Runde. „Ich auch nicht!", beharrte Jin.

Yoongi sah die beiden kopfschüttelnd an. „Wenn einer geht, gehen alle."

„Und du wirst nicht verhindern können, dass wir mitkommen.", stimmte Namjoon zu, der Jin und J-Hopes Widerworte gekonnt ignorierte.

Nachgebend seufzte ich schwer. „Ihr müsst aber versprechen, euch keiner Gefahr auszusetzen."

Jimin schmunzelte amüsiert. „Und wenn schon, dann beschützt du uns doch, oder nicht?"

BTS - Personal BodyguardGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt