Kapitel 38 - Operation Namjin - Part 03

2.1K 123 21
                                        

Trotz meines Unbehagens saß ich wenige Augenblicke später wieder zwischen Jin und Tae auf dem Boden des Wohnzimmers. Während Jin sein Drink offenbar schon geleert hatte, schob ich meinen unauffällig von mir.
Nicht, dass ich noch etwas Dummes anstellte.

„So, Viktoria, du darfst drehen.", deutete Tae fröhlich auf die Flasche. Und ich drehte.

Eine Weile spielten wir und es passierte nichts Spektakuläres; Namjoon sollte ein Rapbattle mit Yoongi machen, Jimin musste Jungkooks Rücken massieren, Jin sollte Yoongi etwas zu essen machen und ich durfte wie beim letzten Mal ein Lied mit meiner allzu lieblichen Stimme trällern. Wobei es mehr wie ein Kreischen klang, als alles andere.

Doch dann war erneut Jimin an der Reihe, nachdem er auf Taes Anweisung detailliert erzählen musste, mit welcher Blume er sich am meisten identifizieren würde, und die Flasche zeigte auf den Ältesten der Jungs.

Augenverdrehend, weil Jin ahnte, was nun kommen würde, stöhnte er auf, verschränkte die Arme vor der Brust und schenkte seinem jüngeren Freund einen entnervten Blick.

Dieser grinste bloß breit als er Jins „Pflicht" hörte.

„Küss Namjoon.", verlangte Jimin und wackelte sofort mit den Augenbrauen.

Mir tat Namjin irgendwo Leid. Aber andererseits bekamen sie nicht selbst hin, den Gefühlen für den jeweils anderen Ausdruck zu verleihen, also mussten sie es wohl oder übel über sich ergehen lassen.

Widerstandslos - wahrscheinlich dank dem Alkohol- robbte Jin zu Namjoon und küsste ihn. Und der Kuss dauerte eindeutig länger als der vorherige.
Es vergingen sogar einige Sekunden, bis sie sich schließlich mit geröteten Wangen voneinander lösten und Jin wieder auf seinen Platz krabbelte.

Dann drehte Jin die Flasche und sie zeigte auf Yoongi.

„Pflicht.", sagte er sofort.

Ich bemerkte Jins Blick und wusste sofort was er plante. Rache.

„Küss Viktoria." Perplex starrte ich zwischen dem grinsenden Jin und dem belustigt drein sehenden Yoongi hin und her. „Wieso kann er nicht Jimin oder Tae küssen?", verlangte ich zu wissen und ignorierte verzweifelt die aufkommende Hitze in meinem Gesicht.

„Weil ich es so will.", erklärte der Älteste und sah abwartend zu mir.

Widerwillig beobachtete ich, wie Yoongi zu mir kam. Ich hatte das Gefühl, das mein Herz aussetzte, spürte, wie sich eine Gänsehaut auf meinen Armen breitmachte und meine Hände begannen zu zittern.

Ich konnte ihn nicht küssen. Nicht, wenn alle zu schauten.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist, meine Chefin-" „Du hast doch auch mich geküsst, oder nicht?", bestand Jimin und ich sah überrascht zu ihm. Hatten sich jetzt alle gegen mich verschworen?

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter, während sich Yoongi vor mich kniete und meinen Blick erwiderte. „Sag mir nicht, du hast Angst mich zu küssen?", schmunzelte er spöttisch und lehnte sich gefährlich nah zu mir.

„H-hab ich nicht.", sagte ich, doch klang nicht wirklich überzeugend. Yoongi merkte es sofort und seine Mundwinkel zogen sich noch ein wenig weiter in die Höhe.

„Schließ einfach die Augen, Viktoria.", kicherte Jin, der die ganze Szene genauestens beobachtete.

Und ich schloss die Augen. Das Bild vom halbnackten Yoongi stahl sich wieder in mein Gedächtnis und ich musste unweigerlich schlucken.

Und dann spürte ich, wie Yoongis Lippen vorsichtig meine berührten. Sie fühlten sich warm an und dort, wo sie mich berührten, begann es angenehm zu kribbeln.

Ich merkte, wie Yoongi seine Hände in meinem Haar vergrub, mich näher zu sich ranzog, und  wie sich seine Lippen begannen gegen die meinen zu bewegen. Zögerlich erwiderte ich den Kuss und fuhr mit meiner Hand seine Wange entlang. Für einen Augenblick vergaß ich die gaffenden Gesichter um mich herum und nur der Kuss schien zu existieren.

Zumindest für einen Augenblick.

Yoongi löste sich von mir und sah mich für einen so kurzen Moment erschrocken an, dass ich mir nicht sicher war, ob ich mir diesen Ausdruck nicht bloß eingebildet hatte. Seine Berührung hinterließ ein angenehmes Prickeln, was ich auch noch spüren konnte, als er zurück zu seinem Platz ging.

„Süß ihr beiden.", kommentierte Jin kichernd, klatschte in die Hände und deutete schließlich auf die Flasche. „Yoongi du darfst drehen."

Während Yoongi drehte, kreisten meine Gedanken immer noch um den Kuss. Darum, was es in mir ausgelöst hatte, wie es sich anfühlte. Ich bemerkte nicht einmal, dass die Flasche auf mich gerichtet war.

„Viktoria, Wahrheit oder Pflicht?", fragte Tae und riss mich zurück in die Gegenwart.

„Wahrheit.", sagte ich schnell, da ich nicht schon wieder in die gleiche Situation wie gerade eben geraten wollte. Das war einfach zu.... verwirrend gewesen.

Ich schüttelte die Erinnerung von mir und hob neugierig meinen Blick, nur um pure Kälte und Gleichgültigkeit in Yoongis dunklen Augen zu entdecken. Es versetzte mir einen Stich. Der Kuss wirkte plötzlich wie eine weit entfernte Einbildung.

„Erzähl mir alles, was du bis jetzt zu unserem Fall herausgefunden hast.", verlangte Yoongi. Sein Blick durchbohrte mich und ich musste mich abwenden. Deswegen wollte er also mitspielen. Und wieder spürte ich einen Stich in meinem Inneren. Aber auf gar keinen Fall würde ich ihm verraten, was ich alles wusste. Nicht die Sache mit Hoseok.

„Ich meinte Pflicht.", sagte ich schnell und klang erstaunlich fest. „Hab ich Wahrheit gesagt? Ich meinte Pflicht."
Genauso ernst wie er mich ansah, erwiderte ich seinen Ausdruck.

Doch Yoongi ließ nur ein leises "Ts" entweichen und fuhr sich durchs Haar. "Dann musst du dich ausziehen. Komplett."

Mit klappte die Kinnlade hinunter. Auch den anderen schien es nicht anders zu gehen. "Ist das dein Ernst, Hyung?", fragte Jungkook erschrocken nach und warf mir einen mitleidigen Blick zu.

Yoongi nickte beharrend, ohne mich aus den Augen zu verlieren.
"Entweder sie beantwortet meine Frage, oder sie zieht sich aus."

Empört stand ich auf und funkelte den Rapper an. "Ich spiele nicht mehr mit.", keifte ich und wandt mich zum Gehen ab, doch Yoongi hatte erst angefangen. "Was verheimlichst du denn, das wir es nicht wissen können?", fragte er provozierend. „Sollten wir dir nicht vertrauen? Wer weiß, wie viel überhaupt der Wahrheit entspricht, von dem, was du sagst."

Ich wirbelte herum. Wut breitete sich wie ein Lauffeuer in mir aus und am liebsten hätte ich Yoongi ins Gesicht geschlagen.

„Es hat einen Grund, dass ich es euch nicht erzähle.", blaffte ich und ballte die Hände zu Fäusten.

„Also hat Yoongi Recht?", schaltete sich Namjoon ein, der das Gespräch bis jetzt mit gesunder Vorsicht betrachtet hatte. „Du verschweigst uns etwas?"

Mein Blick glitt hilfesuchend zu Jimin, doch er schüttelte kaum merklich den Kopf. Er wollte auch, dass ich es für mich behielt. Und Hoseok konnte ich nicht ungeklärt ins offene Messer laufen lassen. Das hätte er nicht verdient.

„Es gibt etwas, dass ich euch nicht sagen kann.", gestand ich schließlich. „Und ich werde es euch auch nicht sagen, bis ich weiß, was dahinter steckt. Ich will keine falschen Gerüchte in die Welt setzen."

„Wir haben verdient, es zu wissen.", entgegnete Suga und stand ebenfalls auf. „Schließlich wurden wir von Anfang an bedroht. Und du hast immer noch nicht herausfinden können von wem und wieso."

Wieder dieser allbekannte Vorwurf seinerseits. Ich hasste es, das aus seinem Mund zu hören.

Zornig starrte ich den Dunkelhaarigen an.
„Yoongi, wir sollten reden. Alleine."

BTS - Personal BodyguardGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt