Kapitel 35

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Marina
Zwei Tage.
Zwei Tage waren es, die mir noch mit Dean blieben ehe wir uns für ganze dreihundertfünfundsechzig Tage nicht mehr sehen, nicht mehr spüren und in die Arme nehmen konnten.
In den vergangenen Wochen war er ohnehin schwer mit seiner Arbeit beschäftigt und ich wusste nicht ob es schlimmer war ihn in meiner Nähe zu wissen und doch nicht sehen zu können.
Oder ob es mich tröstete ihn am anderen Ende der Welt und somit unnahbar zu wissen?
Der Gedanke ihn erneut und diesmal für einen so langen Zeitraum zu verlassen jagte mir nicht nur Angst, sondern auch Verzweiflung ein.
Wie solle man das nur überleben?
Es wäre als müsste ich nur durch einen Strohhalm atmen um am Leben zu bleiben, zumindest stellte ich es mir so vor.
Würde Dean mich bei all den Frauen die ihn umwarben vergessen?
Im schlimmsten Fall sogar einfach austauschen?
War ich denn so leicht zu ersetzen?
Nach und nach beobachtete ich wie die Straßenlaternen aufleuchteten und der Regen sich in seidenen Fäden auf die Pflastersteine abseilte um sich dort zu großen Pfützen zu sammeln.
„Du bist ja noch hier?"

Taylor, mein Chef streckte seinen wuscheligen Kopf durch die Türe zu meinem Arbeitszimmer und sah mich an als wäre ich eine verletzte Taube die nicht mehr richtig fliegen konnte.
Er riss mich aus meinen Gedanken und bis auf das warme Licht meiner Tischleuchte war es beinahe schon stockdunkel, dabei war es gerade einmal 21 Uhr und für September eigenartig dunkel um die Zeit. 
„Ähm ja, ich wollte das Projekt noch fertig bekommen ehe ich nach Hause muss."

„Nach Hause muss? Die meisten freuen sich wenn sie endlich nach Hause dürfen?"
Verlegen lächelte ich, sah wieder aus dem Fenster um den sich bildenden Klos in meinem Hals runterschlucken zu können.

„Momentan ist dort nichts das auf mich warten würde."

„Mr. Catrall's Tour beginnt doch erst in ein paar Tagen?"

Um nun die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken schloss ich auch die Augen.
„In zwei Tagen."

„Na also, dann seh zu dass du deine Sachen packst und hier verschwindest und die letzten zweiundvierzig Stunden mit deinem Freund verbringst!"
Taylor's aufmunterndes Lächeln war beinahe schon gruselig, aber er hatte recht.
Was brachte es hier die Zeit tot zu schlagen und mich davor zu drücken nach Hause zu fahren wenn, ich die Zeit die uns noch blieb besser mit Dean verbringen sollte, anstatt so zu tun als wäre er bereits fort.
Dankbar lächelte ich Taylor an, packte mein Tablet in meine Handtasche, löschte das Licht und ging mit ihm raus auf den Flur.
Vor seinem eigenen Büro verabschiedete ich mich von ihm, er selbst müsse noch eine Kleinigkeit erledigen dann würde auch er in den wohlverdienten Feierabend gehen.

Ich rannte die Metalltreppe runter und Tippte eine Nachricht an Dean in mein Smartphone.

> Wo bist du?
    Ich muss dich sehen.

Ich drückte mich gegen die schwere Metalltüre und stieß sie auf.
Die frische Regenluft erfüllte meine komplette Lunge und ich wollte gerade nach links Richtung U-Bahnstation rennen, da viel mir ein äußerst attraktiver, junger Mann in schwarzem Mantel am Straßenrand unter einer Laterne stehend auf.
Als er mich sah strahlte er über das ganze Gesicht und ich empfand nichts als pure Freude.
Mein Herz wurde von Liebe erfüllt, er trat in den Regen, breitete seine Arme aus und rief in die Dunkelheit.
„Ich bin hier!"

Ich rannte in seine Arme und trotz des Regens blieben wir mitten auf der gepflasterten Straße stehen und hielten uns einfach nur fest.
Ich hörte die Studiotüre ein weiteres Mal zufallen und drehte mich um.
Taylor stand mit einem Regenschirm da und nickte mir lächelnd zu ehe er sich ein Taxi anhielt und davon fuhr.
Binnen Minuten war ich bis auf die Haut durchnässt doch das war mir egal, solange Dean mich in seinen Armen hielt könnte die Welt um mich herum zusammenbrechen und ich würde mich sicher fühlen.
Den Kopf in den Nacken gelegt prasselte mir der Regeln ins Gesicht doch auch das war nicht wichtig, denn ich konnte in Dean's wunderschönes Gesicht sehen. Die Tropfen vielen aus seinem Haar und auch er lächelte, als könnte es im Moment auf der ganzen Welt nichts schöneres geben als hier mit mir zu stehen und den Regen herunter prasseln zu lassen.
Auf Zehenspitzen stehend streckte ich mich ihm entgegen und küsste ihn.
Der Regen trommelte auf unser ohnehin schon nasses Haar doch das was wir brauchten fanden wir nirgend wo anders als in den Armen des anderen.
„Alles gut bei dir?"

First trip to LondonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt