Kapitel 11

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Müde öffnete Lara die Augen und sah direkt in ein grinsendes Gesicht. Blitzschnell sprang sie auf und öffnete den Mund, um zu schreien.

"Ahhh! Was zum... geh weg! Sally?! Eli..." Mitten im Wort gaben ihre Stimmbänder den Geist auf und legten sich wieder schlafen. Mit einem letzten Röcheln starrte Lara Hazla an, die immer noch grinste.

Na, auch endlich wach? Und gleich so energiegeladen und übereifrig...

Du hast eben mich erschreckt! Es ist viel zu früh, um aufzustehen! Mit einem Seufzer ließ Lara sich wieder in den Sand fallen.

Ein Stein bohrte sich in ihren Rücken und sie versuchte, ihn unter sich hervorzuziehen, aber er war hartnäckiger als gedacht und blieb stur im Boden stecken.

Schließlich nahm Lara beide Hände zur Hilfe und fing langsam an, sich über diesen Stein zu ärgern, bis sie ein empörtes Schnaufen hörte und von einer feuchten Wolke, die nach Fisch stank, eingehüllt wurde.

Hör auf, mich zu blockieren. Das ist nicht wirklich hilfreich. Ach ja, könntest du aufhören, an meiner Kralle herumzuzerren und von meinem Fuß runtergehen? Das wäre sehr nett.

Lara schoss die Röte ins Gesicht. Sie ließ den vermeintlichen Stein los und drehte sich um. Tatsächlich hatte sie sich direkt auf Hazlas Vorderbein gelegt.

Tut mir leid. Was machst du eigentlich hier? Also außer mich zu erschrecken und anzumeckern meine ich. Und wo sind Elisa und Sally?

Wo die anderen zwei Menschen sind, weiß ich nicht. Tja, ich fürchte, du musst heute einen kleinen Flug auf mir unternehmen, damit wir endgültig Seelengefährten werden. Sonst wird die Verbindung nie vollendet und es wäre immer ein Teil von dir nicht ganz vollständig. Uns würde immer etwas fehlen. Und das ist sehr unangenehm, kann ich dir sagen. Also lass es uns hinter uns bringen.

Du willst einfach nur mal mit mir fliegen. So etwas Wichtiges kann doch nicht einfach vergessen werden. Elisa hätte es mir bestimmt gesagt.

Ich würde liebend gerne ohne dich losfliegen. Und was den zweiten Teil betrifft: Ich fürchte, dieses Wissen ist nicht sehr weit verbreitet. Drachen sind eben seltene Gefährten. Wir sind lieber frei und ungebunden. Deswegen wird es mit dir wirklich nervig. Aber eine Verbindung ist trotzdem eine Ehre und wir werden sie auch eingehen... nicht, dass wir eine Wahl haben.

Man hat immer eine Wahl. Nur sind hier beide Möglichkeiten nicht sehr toll. Na schön, bringen wir diesen dämlichen Flug hinter uns.

Lara versuchte, das mulmige Gefühl in ihrer Magengrube zu unterdrücken. Sie war zwar schwindelfrei und hatte keine wirkliche Höhenangst, aber weit oben auf einem Drachen zu fliegen, war schon ziemlich gefährlich, oder?. Seufzend stand sie auf, während Hazla sie musterte.

Es wäre von Vorteil, deine Kleidung zu wechseln. Die momentane ist nicht unbedingt geeignet für einen Ausflug.

Lara sah an sich herunter. Obwohl sie im Sand geschlafen hatte und der jetzt langsam aus ihren Haaren rieselte, schien das Kleid vollkommen sauber zu sein. Schon praktisch, dann musste sie wenigstens wieder nicht zum Haus von Sally und Elisa quer durch Valsara rennen und sich umziehen, nur um dann wieder hierhin zu laufen.

Wie hat Sally es noch mal geschafft, ihre Klamotten zu wechseln? In die Hocke gehen?
Lara versuchte es und kam sich dabei unfassbar dämlich vor. Meditieren und Kämpfe mit Gedanken, schwebende Schüsseln, mit Salz um sich schmeißende Wasserkugeln, Löcherfrüchte, Kniebeugen am Strand und nachher ein kurzer Ausflug mit meinem Drachen. Warum auch nicht. Immerhin ist es interessanter als Schule. Lara musste lachen und schüttelte den Kopf so, dass der Sand aus ihren Haaren ins Gesicht flog.

Vielleicht werde ich einfach verrückt, dachte sie und spuckte ein paar Steinchen aus.

Bist du dann fertig? Hazla klang ungeduldig. Mensch, bist du schwer von Begriff... Denke einfach daran, wie sich dein Kleid verformen soll. Mit etwas Glück wird was halbwegs tragbares draus. Deswegen sind Schuppen auch viel praktischer und schöner.

Und mit Sicherheit viel unbequemer, gab Lara genervt und endlich in Hose und Bluse zurück. Warum bist du eigentlich so herablassend und eingebildet?

Ich bin ein Drache. Wir sind nun mal so, gab Hazla zurück. Damit war für sie das Thema erledigt.

Lara seufzte. Eigentlich sollte Hazla ihre engste Vertraute sein, wenn man diesen ganzen Seelengefährten-Kram bedachte, aber irgendwie war sie die einzige, die ihr etwas vorenthielt. Oder verheimlichen mir die anderen auch etwas, machen das aber nicht so offen?

Da kannst du dich drauf verlassen. Hier hat jeder Geheimnisse, egal, wie offen er oder sie wirkt. Können wir jetzt endlich los?

Lara kniff die Augen zusammen und versuchte vergeblich, sich gleichzeitig an den langen Stacheln hinter Hazlas' Kopf festzuhalten und eine bequeme Sitzposition zu finden.

Allerdings waren die Schuppen dafür, genau wie erwartet, viel zu hart. Leider auch ziemlich glatt.

Trotzdem konnte Lara eine halbwegs sichere Position finden, ehe Hazla ihre Flügel ausbreitete und in die Knie sank, um, von der Lichtung auf die sie zum Start gehen mussten, weil der Sand nicht dafür geeignet war, abzuspringen.

Als der Drache dann auch noch am höchsten Punkt seines Sprungs anfing, mit den Flügeln zu schlagen und dabei einen stürmischen Wind aufwirbelte, der die Bäume unter ihnen stark bog, wurde Lara fast von Hazlas Rücken geweht, konnte sich aber in letzter Sekunde halten, indem sie sich flach hinlegte und ihre Oberschenkel so fest wie möglich zusammenpresste, ähnlich wie auf einem Pferd.

Plötzlich stabilisierte sich aber der Flug und Hazla glitt mit weit ausgebreiteten Flügeln über den Baumkronen dahin. Die blauen, durchscheinenden Häute fingen den warmen Wind, der aus dem Wald aufstieg, ideal ein, sodass Hazla nur ein wenig steuern musste.

Erstaunt setzte Lara sich gerade hin und entspannte ihre Haltung etwas. Sie wagte es zwar noch nicht, nach unten zu schauen, sah sich aber um.

Links von ihr lagen Valsara und das weite, hell glitzernde Meer. Sonst erstreckte sich der Wald, in den verschiedensten Grüntönen leuchtend, in alle anderen Richtungen bis zum Horizont.

Hazla streckte sich genüsslich und Lara hielt sich schnell wieder fest.

Lust darauf, ein bisschen höher zu fliegen? Dann kannst du auch die Berge und mit etwas Glück Knorn sehen.

In Laras Kopf blitzte kurz ein Bild einer grauen Stadt mit riesigen Gebäuden und Lärm aus Schmieden auf. Sie klammerte sich fester an Hazla. Was war das? Knorn?

Es hat funktioniert? Du hast das Bild gesehen? Hazla wirkte zum ersten Mal zufrieden, als Lara bejahte.
Das war ein Gedankenbild, das ich dir geschickt habe. Je tiefer die Bindung zwischen den Seelengefährten, desto besser können sie sich gegenseitig austauschen. Manche schaffen es sogar, Erinnerungen oder Visionen, die länger als ein paar Minuten gehen, zu teilen. Aber es ist schon gut, wenn du ein Bild länger als ein paar Sekunden betrachten kannst. Und jetzt pass auf, wir fliegen hoch in die Wolken.

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