Wütend kletterte Lara auf Hazlas Rücken und zerrte die Schnallen der Reisetaschen mit Essen und anderen Dingen, die sie als nötig erachtet hatte, noch einmal fest. Dann sah sie auf die drei Ältesten hinunter. "Tja, dann vermutlich tschüss", meinte sie schroff.
Esmeralda lächelte immer noch, runzelte aber die Stirn wegen Laras Tonfall. "Auf Wiedersehen", erwiderte sie würdevoll. Emily warf ihr einen verständnislosen Blick zu und ging zu dem Mädchen hinüber. "Hier", sagte sie leise und ließ unauffällig etwas in einer Tasche auf Hazlas Rücken verschwinden. "Es tut mir wirklich leid. Meine Idee war es nicht, dich fortzuschicken." Zögernd und vorsichtig drückte sie Laras Hand und lächelte ihr scheu zu, bevor sie wieder zu den anderen beiden Ältesten zurückkehrte. Jakob stand nur da, tippte unruhig mit einer Fußspitze auf den Boden und beobachtete alles nachdenklich, bevor er einmal grüßend die Hand hob, ohne sich von der Stelle zu bewegen.
Lara nickte ihm höflich, aber reserviert zu und wandte sich dann ab. Wollen wir los? fragte sie Hazla mit bitterer Stimme.
Als Antwort schnaubte der Drache nur kurz und begann zu rennen. Der Start war wie immer etwas holprig für Lara und sie klammerte sich fest, als Hazla sprang und ihre Flügel ausbreitete. Eine letzte Runde drehte sie noch über dem Haus und den Ältesten, dann wandte sie sich in Richtung der tiefstehenden Sonne ab und streifte dabei, versehentlich oder absichtlich, das Dach mit ihrem Schwanz. Esmeralda hielt sich ohne auch nur mit der Wimper zu zucken die herunterfallenden Schieferteile mithilfe einer Handbewegung, die einen Eisschild erschuf, an dem sie einfach abprallten, vom Leib. Emily schützte währenddessen überraschst sich und Jakob, der wieder in Gedanken versunken war, mit einem heftigen Wind, der die Steine ihre Flugrichtung um sie herum ändern ließ.
Lara sah fasziniert noch einmal zurück, bevor sie sich entschlossen und ruckartig nach vorn drehte. Wie lange brauchen wir nochmal? fragte sie, und versuchte gefasst und tapfer zu wirken.
Tja, eine Woche sollte reichen, meinte Hazla und zerstörte damit ihre Hoffnungen, nicht allzu lang auf dem harten Rücken sitzen zu müssen. Mit einem Seufzen legte sich das Mädchen nach vorne und versuchte, es sich bequemer zu machen. Und... ähm Lara? Plötzlich klang der Drache vorsichtig und etwas besorgt.
Die Angesprochene setzte sich sofort mit einem Ruck auf und schirmte ihre Augen gegen die Sonne ab. Was ist? fragte sie alarmiert und blinzelte, um die tanzenden Lichtpünktchen vor ihren Augen zu vertreiben.
Nichts schlimmes, meinte Hazla und sie ließ sich mit einem Seufzen zurückfallen.
Dann erschreck mich nicht so, gab Lara zurück. Also was ist jetzt?
Naja... druckste Hazla herum.
Hazla, meinte Lara jetzt genervt. Sag endlich, was los ist, ich bin nämlich noch dezent wütend auf Esmeralda und du verbesserst meine Stimmung nicht gerade.
Hazla seufzte. Also, du weißt ja, dass Drachen die größten und mächtigsten Geschöpfe sind... Aber ich bin ein Wasserdrache und das heißt, dass ich dich nachts schlecht warm halten kann, so wie ein Feuerdrache es könnte. Und deine Magie wirst du mit Sicherheit noch brauchen, aber ich habe keine Ahnung von ihr. Also müssen wir jemanden um Hilfe bitten. Es fiel ihr sichtlich schwer, das zu denken.
Lara richtete sich interessiert wieder auf. Stimmt, daran habe ich noch gar nicht gedacht, überlegte sie. Und wer soll uns helfen?
Der Drache seufzte wieder und murmelte gerade so laut, dass sie es verstehen konnte. Die Senooli könnten darüber Bescheid wissen, meinte Hazla und sah starr nach vorne.
Lara lehnte sich spontan vor und versuchte, sie zu umarmen. Ach komm schon Hazla, lächelte sie. Sie können vielleicht mehr über meine Magie wissen, aber du bist immer noch die Klügste, Schönste und Beste von allen.
Irgendjemand muss ja das perfekte Vorbild sein, gab die gespielt selbstverliebt zurück und drehte sich einmal in der Luft, um ihre glitzernden Schuppen zu bewundern. Beide mussten lachen, während sie weiter in Richtung Westen flogen.
◇
Hier haben wir sie zum ersten Mal gesehen, meinte Hazla und blieb mit kräftigen Flügelschlägen ungefähr auf der Stelle.
Woher weißt du das? fragte Lara und schielte vorsichtig nach unten, wo sich die inzwischen eher grau aussehenden Baumkronen hin und her wiegten. Wir waren am helllichten Tag hier und jetzt ist es fast Nacht. Außerdem sehen sie Bäume doch sowieso alle gleich aus.
Hazla schnaubte. Glaub mir einfach. Drachen finden einen Ort wo sie schon mal waren immer wieder, es sei denn, er wird durch sehr mächtige Magie abgeschirmt. Und hier bist du runtergefallen. Langsam flog sie weiter und orientierte sich dabei an für Lara unsichtbaren Linien.
Schließlich blieb sie wieder in der Luft über einer kleinen Lichtung stehen. So, ungefähr hier habe ich gewartet, bis sie dich zu mir gebracht haben. Vielleicht solltest du mal nach dieser kleinen mit den grünen Flügeln rufen.
Lara nickte und holte kurz Luft, ehe sie laut "Kora!" rief, aber ein plötzlicher Windstoß riss ihr das Wort direkt vom Mund und trug es weg. "Nicht rufen", zischte Kora ihr von hinten ins Ohr. "Nachts böse Tiere"
"Okay", flüsterte Lara leise. "Kannst du Hazla und mich irgendwo hinbringen, wo wir reden können?" "Folgen mir", meinte Kora und flatterte mit ihren Flügeln.
Sie zischte so schnell voran, dass sie nur noch verschwommen zu sehen war. Dann ging sie plötzlich in den Sturzflug und tauchte zwischen die Bäume ab. Hazla musste einige halsbrecherische Manöver ausführen, um ihr zu folgen und trotzdem mit keinen Bäumen zusammenzustoßen. Trotzdem bekam Lara ein paar Zweige und Schrammen ins Gesicht, bevor sie sich so nah wie möglich an den Drachen schmiegte und einfach hoffte, das sie bald ankamen.
Ebenso abrupt wie sie losgeschossen war, wurde Kora auch wieder langsamer und Hazla musste ebenfalls stark abbremsen, um nicht in einen Baum zu fliegen. "Gut", meinte Kora und zeigte lächelnd ihre spitzen Zähne. "Nicht perfekt fliegen, aber noch lernen und besser"
Lara rutschte mit zitternden Beinen von Hazlas Rücken, während die empört schnaubte. Ich bin die beste Fliegerin unserer Gruppe. Und normalerweise müssen wir auch nicht durch einen Wald hetzen, sondern fliegen höchstens drüber. Und von einer Senoola muss ich mir gar nichts sagen lassen.
Hier bist du anscheinend, zumindest was die Wendigkeit angeht, eher Durchschnitt, erwiderte Lara und sah zu Kora hinüber, die sich gerade durch einen grünen Farnvorhang schob und ihnen zuwinkte.
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Kristallfeuer
Fantasi!Dieses Buch ist weder perfekt noch überarbeitet, mehr Infos dazu im ersten Teil! (das heißt für euch: Lesen auf eigene Gefahr) Lara lebt ihr ganz normales Leben. Sie liebt Musik, Bilder und fantastische Geschichten. Bis sie diesen einen seltsamen K...
