Sally sah mit beschwichtigend erhobenen Händen von ihrem Stuhl aus Lara dabei zu, wie die aufgewühlt vor ihr auf und ab marschierte. Cru hatte sich zum Glück seine Unterlegenheit eingestanden und sich fürs Erste zurückgezogen. Deshalb hatte Sally Lara mit ihren Begleitern in die Burg geführt.
Rote Klinge und Steinhaut standen noch unsicher mitten im Raum, während Hubert einen Käseteller aus der Küche vor sich stehen hatte und aß, als hätte er tagelang nichts bekommen. Lara dagegen schien kurz davor zu sein, zu explodieren.
Rote Klinge ließ ihren Blick genau über die weißen Wände des Raumes, die kleinen Fenster und den riesigen dunkelgrünen Teppich, der das Geräusch von Laras Schritten schluckte, schweifen. Sie wusste, dass der Feuerkristall hier irgendwo sein musste. In dieser Burg. Gleichzeitig hegte sie immer noch ihr Misstrauen Lara gegenüber.
Steinhaut spürte den Kristall ebenfalls. Ein unsichtbares, fest in ihm verankertes, Band schien ihn in eine bestimmte Richtung zu ziehen. Seine Stirn kribbelte, wie immer, wenn starke Magie in der Nähe abgestrahlt wurde.
"Wo ist Hazla? Und warum hast du diese Maus dabei?" brach Sally schließlich die aufgeladene Stille und deutete auf Hubert, der inzwischen laut schmatzend das nächste Käsestück anknabberte.
Lara wirbelte mit verschränkten Arnen zu ihr herum. "Ist das dein Ernst? Das ist das Erste, was du nach der Eröffnung, dass du anscheinend so ziemlich die Anführerin dieser Rebellen bist, sagst?! Du fragst mich, wo Hazla ist?"
Sally hob ihre Hände wieder. "Entschuldigung? Ich wollte nur wissen, ob du es wirklich so lange ohne Seelengefährten aushältst, oder ob Hazla herkommen kann. Wir hätten hier einen Landeplatz. Der alte Burgherr hatte auch einen Drachen als Seelengefährten, weißt du? Allerdings war das ein echt riesiger und uralter Feuerdrache, die sind in den Bergen einfach häufiger und..."
"Danke", unterbrach Lara Sally. Sie schmunzelte schon wieder leicht. Da war doch noch die gesprächige Sally, die sie kennengelernt hatte. "Das wäre nett. Und dann erzählst du mal, wie du hier gelandet bist. Wir tauschen unsere Geschichten aus. Wie wäre das?"
"Uff, ich dachte schon, du bist jetzt so richtig sauer", meinte Sally erleichtert und sprang auf. "Der Landeplatz ist auf dem Dach. Ist ja auch logisch. Im Hof wäre das nicht so wirklich praktisch. Das bedeutet allerdings, dass wir echt viele Stufen hochsteigen müssen. Weißt du eigentlich, warum ich hier so geschätzt werde? Dämonen werden nämlich bei der Verwandlung ihre Kräfte und Erinnerungen entzogen. Bei ein paar habe ich schon geschafft, das ihnen zumindest Bruchstücke wieder einfallen. Aber ihre Magie ist wohl für immer verschwunden. Wie geht es dir eigentlich? Und Hazla? Ich habe ja gehört, dass du..." Während Sally immer weiter redete, führte sie Lara durch schier endlose Gänge über steile Treppen immer weiter nach oben. Die Ara und der Ora liefen einfach hinterher.
Hazla? Hast du alles mitbekommen? fragte Lara und blendete Sally einfach aus. Ein bisschen sauer war sie doch noch.
Klar, ich bin schon im Anflug. Und dann kriegt dieses Mädchen mal DEN BLICK, knirschte Hazla wütend. Wenigstens ein Fass Wasser hätten sie mir hinstellen können. Das wäre auf jeden Fall freundlich gewesen. Danach folgte eine kurze Pause, bis ein Zittern die Wände neben der Wendeltreppe durchlief, die Lara gerade hinter Sally herrannte. Bin da, verkündete Hazla stolz. Kommt ihr?
Drängel nicht, gab Lara nur zurück und rannte wieder Sally hinterher, die vor einer niedrigen, eher unscheinbaren Tür aus hellem Holz, das nur ein paar Nuancen dunkler als die Wände war, stehen blieb.
"Hier geht es aufs Dach", meinte Sally und drehte den Türknauf ohne weitere Umschweife. Dann stemmte sie sich kräftig mit der Schulter gegen die Tür, die nur sehr langsam und stockend aufging. "Sie wurde ein bisschen vom Regen verzogen und geht deswegen schlecht auf", erklärte Sally mir einer wegwerfenden Handbewegung, bevor sie die kleine Gruppe auf das weiß gepflasterte Dach hinaus führte.
Auch schon da? meinte Hazla grinsend, als sie Lara entdeckte.
Ach halt doch die Klappe, erwiderte Lara und strich ihrer Seelengefährtin über deren Schuppen auf ihrer Nase. Wie wäre es wenn- Wow. Lara sah zum ersten Mal, wie weit oben sie waren. Natürlich war sie mit Hazla schon höher geflogen, aber nie am Tag über so einer Stadt. Von hier aus sagen die Häuser aus wie hingeworfene Legosteine oder Bauklötze, die sich außerhalb der kreisförmigen Mauern verteilten, als hätte jemand keine Lust mehr zum geplanten Weiterbauen gehabt, nachdem er das Schloss fertig hatte. In der Ferne konnte man sogar noch die weite trockene Grasebene sehen, über die sie heute erst gelaufen waren.
"Das is echt groß. Meine Körnerhilde, sowas hätt ich mir echt nich träumen mög'n, als ich noch auf mei'm Feld war", piepste Hubert von Laras Schulter herunter, misstrauisch beäugt von Hazla. "Und der Drache da is also dein Seel'ngefährte? Das hätt'ste mir auch gleich sagen könn." Er redete noch weiter, aber das Mädchen hatte schon wieder abgeschaltet.
Rote Klinge zeigte sich weniger beeindruckt als Lara und Hubert und wandte sich an Sally. "Also?" fragte die Ara frostig, oder zumindest so kühl, wie ein Feuermensch es konnte.
Sally seufzte. "Dafür muss ich ein bisschen weiter ausholen. Setzt euch doch." Sie schnippte mir den Fingern und ein kleiner Dämon rannte eifrig heran, vier Stühle auf seinem Kopf balancierend, die er im Kreis neben die Mauer des nächsten Turms stellte. Dann lief er wieder davon. "Sie sind mir dankbar, weil ich ihren Blutrausch unterdrücken kann und versuche, ihr Gedächnis wieder zu wecken", erklärte Sally eilig. "Ich habe wirklich versucht, sie davon abzubringen, aber sie wollen mir unbedingt dienen und schlecht ist es ja jetzt auch nicht." Mit diesen Worten ließ sie sich auf den nächstbesten Stuhl fallen.
Lara tat es ihr nach, wählte aber den Stuhl, der mit dem Rücken zum Landeplatz zeigte, sodass sich Hazla dahinter legen konnte. Steinhaut setzte sich ebenfalls und nach kurzem Zögern wählte Rote Klinge den Stuhl Sally direkt gegenüber.
"Zuerst einmal: Hier heiße ich für alle Sy", begann Sally. "Bitte nennt mich auch so. Und lasst mich ausreden, bevor ihr euer Urteil endgültig fällt." Sie wartete die Zustimmung der drei ab und fuhr dann fort. "Lara, du kennst meine Mutter. Und ich habe dir erzählt, dass mein Vater und mein Bruder verschwunden sind. Ich habe dir gesagt, dass ich hoffe, dass es ihnen gut geht. Naja, ich habe nicht nur gehofft. Ich habe sie gesucht. Vor etwa zwei Jahren, ein paar Wochen nach ihrem Verschwinden, habe ich angefangen. Ein paar Monate später traf ich auf Cru und Daniel. Daniel ist der, der euch am Tor angesprochen hat und Cru... ihr wisst schon, wer das ist. Bei unserer ersten Begegnung waren beide im Blutrausch. Das ist ein Zustand, der Dämonen regelmäßig einholt. Daniel hat mir es so beschrieben, dass sich ihr Blickfeld rot trübt und sie etwas dazu treibt, ihren unersättlichen-"
"Wir wissen, was der Blutrausch ist", unterbrach Rote Klinge Sally schroff.
"Das du und der Ora es wissen, bezweifle ich auch gar nicht. Ich erkläre das nur für Lara", gab Sally verärgert zurück. "Also, Lara. Sie wollen ihren Hunger stillen. Normalerweise können sie den nämlich gut kontrollieren, aber im Blutrausch bekommen sie praktisch nichts mehr mit. Die beiden haben mich also gesehen. Ich war ihre Beute, sie haben perfekt zusammengearbeitet und mich bald in eine Höhle getrieben. Meine Kräfte konnte ich damals noch nicht gut kontrollieren, aber irgendwie brachen sie in dem Moment aus mir heraus. Ich habe es geschafft, ihren Blutrausch soweit einzugrenzen, dass sie wieder klar denken konnten. Aber dann haben sie sich... entzweit."
Sally stockte kurz. "Durch diese Fähigkeit habe ich die beiden auseinander gerissen. Sie waren wie Brüder. Mehr noch, sie waren so etwas ähnliches wie Seelengefährten. Und dann hat Daniel sich gegen Cru gestellt, sich von ihm losgesagt, mich gerettet und mir schließlich etwas erzählt. Nur deshalb sitze ich jetzt hier."
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Kristallfeuer
Fantasy!Dieses Buch ist weder perfekt noch überarbeitet, mehr Infos dazu im ersten Teil! (das heißt für euch: Lesen auf eigene Gefahr) Lara lebt ihr ganz normales Leben. Sie liebt Musik, Bilder und fantastische Geschichten. Bis sie diesen einen seltsamen K...
