Kapitel 16

58 6 4
                                        

"Was ist passiert? Wer ist das?" fragte Lara mit leiser Stimme. Wackelig ging sie ein paar Schritte auf die kleine Gruppe zu.

Esmeralda kam ihr entgegen, ihre sonst so sanften Augen wirkten hart und wütend, allerdings blitzte kurz auch etwas Besorgnis auf. "Wir wissen nicht, was passiert ist." Ihre Stimme klang erschöpft und etwas rau. "Und zu deiner zweiten Frage... Das muss dich nicht interessieren, du kennst sie nicht. Komm, lass uns rausgehen, du siehst etwas blass aus. Ich erzähle dir, was hier los war und du sagst, warum du hier bist." Sanft nahm sie Lara am Arm und führte sie zur Tür.

Kurz bevor sie hindurchtraten, drehte sich das Mädchen noch einmal um. Jakob und Emily beugten sich zu der Person hinunter, die sich leicht aufgerichtet hatte und ihr nachzusehen schien.

Esmeralda sagte etwas von Dämonen und einem Angriff, aber Lara hörte nicht richtig zu. Ihre Gedanken kreisten um die Person. Irgendwie kam sie ihr bekannt vor. Ihr wollte nur nicht einfallen, woher oder warum. Hazla meldete sich wieder. Ich sehe dich mit dieser einen Ältesten. Hast du es ihnen gesagt?

Nein, seufzte Lara. Es ist was dazwischen gekommen. Aber kannst du mir vielleicht sagen, was das hier für eine Frau ist? Irgendwie kommt sie mir bekannt vor, ich weiß aber nicht, wer das ist.

Nach einigen ungeduldigen Anweisungen von Hazla konnte sie ihrer Seelengefährtin ein leicht verwackeltes Bild aus ihrer Erinnerung schicken. Danach erlaubte sie sich keinen kurzen Ausbruch der Freude, sondern wartete gespannt auf ein Ergebnis.

"Also Lara" Esmeralda brach ihr Konzentration und der Kontakt zu Hazla brach ab. Enttäuscht wandte Lara sich der Ältesten zu. "Ja?" "Ich habe dir jetzt erzählt, was wir wissen. Jetzt kannst du mir sagen, warum du gekommen bist."

Lara überlegte. Genau, warum bin ich eigentlich zu den Ältesten geflogen? Irgendwas mit Elisa... ach, der Traum! Der kam ihr inzwischen gar nicht mehr so bedrohlich und wichtig vor. Trotzdem fing sie an, zu erzählen. "Ich hatte einen Traum von Elisa. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen dumm, aber er kann mir so wichtig vor", begann sie und wurde rot.

Esmeralda hingegen wirkte sehr interessiert. "Erzähl ruhig weiter", ermunterte sie Lara. "Also..." Das Mädchen räusperte sich kurz verlegen und kaute auf einer widerspenstigen Haarsträhne herum, die ihr ins Gesicht hing. "Ich bin mit Hazla zu Sallys und Elisas Haus geflogen. Als ich reingegangen bin, war alles total leer... und dann saß da Elisa in einer Ecke." Angestrengt versuchte sie, sich an jedes Detail zu erinnern. "Sie ist erschrocken, als sie mich gesehen hat und hat mir gesagt, dass ich wegrennen soll. Dann war da so ein Schaben zu hören. Elisa hat mich zur Tür geschoben und mir zugerufen, ich soll mich nicht umdrehen und euch soll ich sagen, dass sie wieder da sind. Und dann bin ich... weggerannt", schloss sie lahm.

Esmeralda schloss kurz die Augen und stieß den Atem aus. "Gut", meinte sich und öffnete die Augen wieder. "Sonst noch was?"

Lara runzelte die Stirn. "Ich glaube nicht. Wer sind sie? Und ist der Traum wichtig?"

"Nun ja..." Die Älteste zögerte. "Eigentlich hat Elisa dir in den Traum nichts gesagt, das wir nicht wissen. Sie müssen die Dämonen sein, aber die haben wir schon verjagt und sonst kam ja nichts wirklich Erwähnenswertes vor. Also ich glaube, der Traum ist im Grunde ganz interessant, aber nicht von großer Bedeutung."

Lara nickte enttäuscht und verlegen. Jetzt habe ich sie ganz ohne guten Grund wegen etwas vollkommen unwichtigen aufgeschreckt. Wahrscheinlich sollte ich den Traum lieber vergessen. "Heißt das, ich soll jetzt einfach wieder zu Sally und Elisa gehen, meine Ausbildung fortführen und irgendwann dann meine Bestimmung erfüllen?"

Esmeralda musterte sie nachdenklich. "Nun... Sally, ihr Bruder und ... Elisa sind gestern leider überstürzt ihrer Verwandtschaft im Norden zur Hilfe geeilt, deswegen können wir dich hier leider nicht weiter ausbilden und du kannst auch nicht allein in ihrem Haus wohnen. Am besten wäre es vermutlich, dich nach Arvente zu schicken, eine Stadt im Westen. Dort bilden sie ebenfalls viele begabte junge Leute aus. Ich bin sicher, dass Hazla dich dorthin fliegen wird."

Lara starrte sie entgeistert an und vergaß für einen Moment, das Esmeralda eine Älteste war. "Im Ernst?! Ihr wollt mich quer durch das Land schicken, nur weil ihr nicht in der Lage seid, mich weiter auszubilden? Es gibt doch immer noch Leute hier, die ganz sicher gute Lehrer wären! Und warum sind Sallys und Elisa bitte ohne Vorwarnung nach Norden gerannt? Sie haben noch nicht mal was von irgendwelchen Verwandten dort erzählt." Den letzten Satz murmelte sie nur noch vor sich hin. Etwas erleichtert, ihre Wut und Anspannung herausgelassen zu haben, sah sie Esmeralda an, die nur entschuldigend lächelte.

"Tatsächlich haben wir genau das vor", bestätigte sie Lara. "Und da es schon später Nachmittag ist, werde ich dir jetzt beim Packen helfen. So leid es mir tut, aber wir haben kein Bett frei, in dem du schlafen könntest und das auch nur halb so sicher wäre, wie Hazla an deiner Seite. Also..." Sie drehte sich um und marschierte auf Elisas und Sallys Haus zu.

Lara starrte ihr hinterher, bevor sie schnell aufholte. "Ich... Ich soll gleich heute gehen? Das klingt wie ein Rauswurf!" protestierte sie fassungslos, aber die Älteste ließ sich nicht aufhalten. "Das ist kein Rauswurf, wir werden dir Proviant zur Verfügung stellen und einen Passierschein für alle Kontrollen. Außerdem weißt du ja, wo du hin musst. Ein Bote ist auch schon unterwegs, um dich in der Schule von Arvente anzumelden."

Das Mädchen ließ seufzend den Kopf sinken. Es hat keinen Sinn, meinte sie zu Hazla, die immer noch mit dem Bild beschäftigt war. Ich verstehe das nicht. Esmeralda wirkt so... anders.

Mach dir keinen Kopf darum, antwortete Hazla. Es wäre schon schade, wenn du den Rest deiner wenigen Gehirnzellen darauf verschwendest, irgendwelche dämlichen Anführer zu durchschauen. Außerdem bin ich ja da. Und warum zum gierigen Geier ist dieses Bild so unscharf? Das müssen wir echt noch üben.

Na danke auch, seufzte Lara, musste aber wider Willen lachen.

Immer wieder gerne, erwiderte Hazla, bevor sie sich wieder dem verschwommenen Bild zuwandte.

"Kommst du?" Esmeralda stand in der offenen Haustür und winkte Lara ungeduldig zu. Die seufzte und trottete langsam auf die Älteste zu.

KristallfeuerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt