Lara schlug die Augen auf. Verwirrt sah sie um sich. Sie kannte weder das Bett, noch das Zimmer in dem sie lag. Dann fiel ihr alles wieder ein. Sally... Dämonen... Rebellen... der Blitz. Hazla. Hastig schlug Lara die Decke zurück und sprang auf. Im nächsten Moment musste sie sich an den glatten grauen Bettpfosten festhalten. Muster tanzten vor ihren Augen.
Lautlos schwang die Tür auf. Eine Frau lächelte Lara freundlich, aber bestimmt, an. Eine Dämonin. "Hallo Lara. Willkommen. Könntest du mitkommen? Du brauchst keine Angst haben, der König wird dir nichts tun. Er will nur reden."
Lara schwieg. Sie fühlte sich nicht ängstlich. Während sie der Frau widerstandslos folgte, horchte sie in sich hinein. Sie war eher wütend. Wütend auf sich selbst. Was konnte sie eigentlich? Warum hatte sie so oft trainiert, wenn sie immer direkt k.o. ging, wenn mal ein echter Gegner auftauchte? Außerdem war sie langsam echt genervt davon, dass sie und Hazla bei jeder Gelegenheit auseinander gerissen wurden. Irgendwann reichte es doch auch mal.
Nach ein paar Minuten, in denen Lara stur auf den, zugegebenermaßen hübsch und bunt gepflasterten, Boden gestarrt hatte, hielt die Frau vor ihr an. Wieder öffnete sich die Tür fast ohne ein Geräusch. Dahinter befand sich aber kein großer Saal, sondern ein Raum, der etwa so groß wie ein Wohnzimmer war. Überall lagen riesige Kissen verstreut auf dem Boden. Kugeln, die orangfarbenes Licht spendeten, hingen von der Decke herunter. An den Wänden hingen bunte seidige Tücher und Schmuckketten, die leise klimperten, wenn man an ihnen vorbeiging oder sie anstupste. Geruch nach Räucherstäbchen hing in der Luft.
"Bist du das, Zoey?" rief eine Stimme fröhlich. Tücher bauschten sich auf, ein Kettenvorhang aus blauen Perlen wurde zur Seite geschoben und ein brauner Haarschopf schob sich hindurch. Augen funkelten Lara fröhlich aus einem blassen Gesicht an. "Oh hey, dich hatte ich noch nicht erwartet. Setz dich doch", grinste der König der Dämonen.
Zoey zog sich diskret und unauffällig zurück.
Lara stand einfach wie erstarrt da. Oh nein. einfach nein. Das ist ja wohl ein schlechter Scherz. Bitte lass es Einen sein. Der König der Dämonen hat ernsthaft Dreadlocks und trägt bunte Schlabberhosen mit Blumen drauf? Oh bitte nicht. Sally kämpft gegen... ja was eigentlich? Kann man ihn Hippie nennen? Ach, keine Ahnung. Ich bin raus. Bitte lasst mich einfach gehen. Langsam wird es wirklich absurd.
Sie setzte sich auf ein knallorangenes Kissen. Vielleicht war es auch ein gelbes Kissen, das in diesem Licht orange aussah.
Anstatt dem König ihre Gedanken ins Gesicht zu schreien, fragte Lara nur: "Wo ist Hazla? Und wer bist du?" Dabei konnte sie nicht verhindern, wie sich ein leicht genervter Unterton in ihre Stimme schlich. Langsam zweifelte sie wirklich an ihrem Verstand.
"Der Drache? Den habe ich hier", meinte der König immer noch grinsend und reichte Lara eine kleine Figur aus glattem Stein. "Tut mir leid, dass ich in verwandeln musste, aber er war gerade dabei, Freunde von mir in ihre Einzelteile zu zerlegen. Ich bin übrigens Skarrd, freut mich, dich kennenzulernen." Er streckt seine Hand aus.
"Ähm ja. Lara", murmelte Lara überrascht und schüttelte sie wie ferngesteuert. Sie betrachtete die kleine Figur.Tatsächlich war die sehr detailreich gearbeitet und sah Hazla ziemlich ähnlich. Wenn man mal davon absah, dass die Farbe nicht richtig zu erkennen war. Der Stein fühlte sich warm an. "Ist das wirklich Hazla? Und wen hat sie denn... ähm, zerlegt?"
Die Tür, durch die Lara gekommen war, wurde aufgedrückt. Die Frage verklang ungehört im Raum. Zoey trat ein, ein Tablett mit zwei Teetassen balancierend. "Tee?" fragte sie in die Runde.
"Gerne", sagte Skarrad immer noch das inzwischen leicht gruselige Dauergrinsen auf dem Gesicht. Mit einem Blick auf Lara fügte er hinzu: "Aus frisch gepflückten Kräutern. Keine Angst, er ist nicht vergiftet. Und während wir ihn trinken, würde ich gern ein bisschen mit dir plaudern."
"Okay", meinte Lara mit einem Schulterzucken und nahm sich eine Tasse. Ebenfalls mit Blümchenmuster auf weißem Grund. Eine filigrane fliederfarbene Arbeit. Der Unterteller, den sie dazu von Zoey bekam, bevor die wieder verschwand, passte gar nicht dazu. Plump mit goldenen Schnörkeln, die ihn vermutlich elegant wirken lassen sollten. Lara nippte an der heißen Flüssigkeit, die ihr mit einem angenehmen Anflug von Frische warm den Hals hinunterrann. "Leg los", forderte sie den Dämonenkönig auf und steckte die Drachenfigur in ihre Tasche.
"Tja", seufzte Skarrad und trank ebenfalls einen Schluck Tee. "Du kennst doch Sally. Da hat sie dir bestimmt von der Prophezeiung erzählt, oder?" Lara nickte halb bestätigend, deshalb fuhr er gleich fort. "Nur um sicherzugehen, dass wir an die gleiche Prophezeiung deken... ich meine die mit dem Bund, Feuer, Erde, Luft, Wasser und dem Mädchen. Hat dir auch jemand erzählt, dass du dieses Mädchen bist? Tja, falsch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sally selbst gemeint ist und sie das auch glaubt. Lass mich ausreden!", meinte er. Lara, die aufgesprungen war, setzte sich wortlos wieder.
"Danke", meinte Skarrad und räusperte sich. "Wie gesagt, ich bin mir ziemlich sicher. Es macht auch alles Sinn. Dass Sally ein Mädchen ist, darüber müssen wir, denke ich, nicht diskutieren. Dann wären da noch die Elemente, die es anscheinend formen, wie ein Schmied Metall formt. Sallys Eltern beherrschen das Feuer und die Erde, ihr Bruder die Luft. Alle drei haben wahrscheinlich einen gewissen Einfluss auf sie, wenn du verstehst, was ich meine. Sie selbst besitzt das Element Wasser. Damit wären die Bedingungen Mädchen und Elemte abgehakt. Fehlt noch der 'treue Bund, geschlossen in höchster Not'." Skarrad grinste zufrieden. "David hat ihr das Leben gerettet, obwohl er sich damit gegen Seinesgleichen gewandt hat. Und auch jetzt ist er ihr noch treu. Ein Bund."
"Macht Sinn", musste Lara zugeben. "Aber warum sollte Sally denken, dass sie gemeint ist? Sie hat nie auch nur eine Andeutung gemacht."
"Oh doch, hat sie." Inzwischen sah Skarrads Gesicht triumphierend aus. "Mit ihren Taten. Sie sieht sich als Retterin gegen die Dämonen, also will sie mich schwächen, indem sie eine Armee aus meinen eigenen Leuten zusammenstellt und ihre Instinkte unterdrückt. Es geht ihnen nicht schlecht unter meiner Führung. Aber was Sally mit ihnen tut, ist einfach unnatürlich. Wir sind nunmal keine Menschen. Der Blutrausch gehört zu uns dazu, genau wie... wie zum Beispiel die grünen Haare! Verurteilst du etwa Drachen dafür, dass sie Tiere töten, um zu essen? Nein? Siehst du!" Skarrad gestikulierte wild mit dem freien Arm. Er grinste nicht mehr. "Und noch etwas: Sie glaubt, der Feuerkristall würde meine Macht verstärken. Deshalb hat sie ihn gestohlen. Ich habe ihn zwar zurück, aber sie hat es auch getan, um mich zu schwächen. Ich habe nichts gegen Menschen. Aber was sollen wir tun? Sie ist so überzeugt von dem, was sie tut... Aber der Kristall vergrößert meine Macht gar nicht. Was soll ich denn damit? Nein, der Feuerkristall ist eine Art Tor oder Spiegel. Es gibt nur drei von dieser Art, das dritte ist selbst mir unbekannt. Wenn man hineinsieht, sieht man die andere Welt. Deine Welt, Lara."
Die letzten Sätze sprach er fast ehrfürchtig aus. Vorsichtig stellte er seine leere Teetasse ab. Lara schwieg, in Gedanken versunken. Konnte ihr Eindruck von Sally wirklich so falsch gewesen sein? Hatte sie sich so geirrt? Nein. Bestimmt nicht. Oder?
Skarrad unterbrach die Gedanken, die in ihrem Kopf herumschwirrten. "Ich will dir ja jetzt nichts einreden. Pass auf, wie wäre es, wenn ich Hazla zurückverwandle, dich gehen lasse und du dich selbst überzeugst?" Er sah sie an.
"Darf ich den Feuerkristall vorher noch einmal sehen? Und wie heißt das zweite Tor?" fragte Lara. Sie wollte dieses Ding, von dem ihr schon so viel erzählt worden war, einmal mit eigenen Augen sehen.
"Das kann ich dir leider nicht sagen, aber natürlich darfst du ihn sehen", sagte Skarrad. Er stand auf und streckte ihr die Hand hin. "Stell die Tasse einfach auf den Boden."
DU LIEST GERADE
Kristallfeuer
Fantasy!Dieses Buch ist weder perfekt noch überarbeitet, mehr Infos dazu im ersten Teil! (das heißt für euch: Lesen auf eigene Gefahr) Lara lebt ihr ganz normales Leben. Sie liebt Musik, Bilder und fantastische Geschichten. Bis sie diesen einen seltsamen K...
