Lara saß mit verschränkten Armen da und versuchte, Hazla, die es immer noch nicht geschafft hatte, sie zu finden, in ihren Gedanken zu erdolchen.
Vor ihr hockte eine kleine Senoola, flankiert von einem älteren Artgenossen, der seinerseits versuchte, Lara mit seinen Blicken umzubringen. Allerdings sah das mit den von Natur aus eher freundlichen Gesichtszügen eher so aus, als würde ein trotziges Kind um Schokolade betteln.
Lara seufzte. Woher hätte ich bitte wissen können, dass es, wenn ich die Arme ausbreite, gleich als Drohung aufgefasst wird?
Du bist echt unwissend... wenn du mit dem Anführer einer Gruppe aus Wesen mit Flügeln sprichst, solltest du das nicht machen, weil es ähnlich wirkt wie ein 'Ich habe größere Flügel als du und ich bin jetzt der Anführer aufgefasst'. Aber was erwarte ich eigentlich von einem Menschen..., meinte Hazla genervt davon, dass sie Lara im Blättergewirr nicht ausmachen konnte und keinen Landeplatz fand.
Die Senoola stupste Lara an. "Naameee?" fragte sie neugierig mit einer sehr hohen, fast schon quietschigen Stimme und sehr langsam, als müsste sie sich das Wort mühsam in Erinnerung rufen.
Lara sah sie überrascht an. Die Senoola hatte sie zwar gerettet, indem sie die Angreifer mit einem schrillen Schrei zurechtgewiesen hatte, aber dass sie ihre Sprache konnte, war doch sehr erstaunlich. "Lara", antwortete das Mädchen freundlich.
Das Wesen nickte und deutete auf sich. "Kora" Dann legte es den Kopf schief. "Warum hier? Cherakh?"
Lara runzelte die Stirn. "Tscherak?" Sie zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht, was das ist. Ich war nur fliegen mit Hazla, dem Drachen."
Kora nickte eifrig und sprang herum. "Cherakh! Hazla! Lara komm!" Geschickt lief sie ein kleines Stück über den Ast, bevor sie mit ihren kleinen, hellgrünen Flügel zu schlagen begann. Sie flatterte um Lara herum und zerrte vorsichtig an ihrer Bluse. Dem Mädchen blieb nichts anderes zu tun, als ihr zu folgen, genauso wie der grimmige Senool.
Kora zog das Mädchen von Baum zum nächsten Baum über die Äste. Tatsächlich hätte Lara nie gedacht, dass es so eine Vielfalt an Wuchsformen gab. Allerdings nahm sie die nicht richtig wahr, weil sie die meiste Zeit auf ihre Füße achten musste, um nicht daneben zu treten. Wenigstens achtete die Senoola darauf, Lara nicht versehentlich in den Abgrund zu stürzen.
Schließlich ließ Kora dann aber doch von ihr ab und flatterte auf der Stelle. Lara sah auf.
Vor ihr öffnete sich das Blätterdach. Nur ein paar Äste ragten in diesen Lichthof hinein. Sehr weit unter ihr herrschte reinstes, geschäftige Chaos. Ein paar Wesen arbeiteten auf einer Art Feld. Dabei unterhielten sie sich lautstark mit zwitschernden Lauten. Einige größere Tiere, die an Bären erinnerten, brummten und knurrten in tieferen Tonlagen, während sie ein Gewirr aus Furchen in die Erde zogen. Senooli schwirrten herum und riefen sich über den Lärm gegenseitig etwas in ihrer Sprache zu.
Dann entdeckten die ersten Kora mit Lara und begannen, zu tuscheln. Nach und nach verstummte der Lärm uns die Gesichter wandten sich ihnen zu. Lara wurde es gerade unangenehm, als Kora die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, indem sie anfing zu sprechen.
"Senooli! Cherakh Zettora ali! Ali zo sunna! Eta sunna fero!
Moa Cherakh Zettora mif Stiomon. Sunna eraf Cherakh!" Rief sie klar und deutlich, während ihre Stimme über die Lichtung trug. Einen Moment war es still, bevor der grimmige Senooli hinter ihnen anfing, immer wieder "Cherakh!" mit einer tiefen Stimme zu brummen. Nach und nach fielen immer mehr Tiere ein und die einzelnen Rufe verschmolzen zu einem Chor von unbeschreiblicher Lautstärke.
In Laras Kopf meldete sich Hazla. Ich finde dich immer noch nicht. Aber irgendjemand schreit hier wie verrückt rum.
Dann komm dahin. Ich bin nämlich hier und meine Ohren fallen gleich ab, gab Lara zurück.
Kora zupfte an Laras Ärmel. "Cherakh kommt. Wir bringen zu", strahlte sie über das ganze Gesicht, bevor sie sich auf Laras Schulter setzte und sich vorsichtig festhielt. "Lara Bestimmung erfüllen", wisperte sie ihr noch ins Ohr, bevor einige andere Senooli kamen und das Mädchen hochhoben.
"Tschüss", meinte Lara und winkte Kora zum Abschied zu. Die hob zögerlich ihre Vorderpfote und imitierte ungelenk die Geste. "Cherakh Zettora Lara", erwiderte sie und flatterte dann davon, als ein Windstoß die Blätter von den Bäumen riss.
Lara sah nach oben, wo Hazla sich abmühte, um halbwegs ruhig in der Luft stehen zu bleiben. Was machen die Senooli? Wollen sie dich wegbringen? fragte der Drache misstrauisch.
Sie bringen mich zu dir, also halt die Klappe und warte einfach, gab Lara zurück. Ich bin ja nicht die, die ewig gebraucht hat, um ihren Seelengefährten zu finden.
Hazla schnaubte daraufhin nur wütend und schaffte es, eine Position zu finden, in der sie halbwegs ruhig in der Luft flog. Unbeirrt trugen die Senooli Lara zu ihr und setzten das Mädchen dann vorsichtig auf ihrem Rücken ab, bevor sie wieder zurück auf die Lichtung kehrten. Lara sah ihnen nach. Schau mal, ihre Flügel sind wirklich schön. Vielleicht können wir deine ja auch mal bemalen.
Du kannst froh sein, dass ich gerade fliege und dich deswegen nicht erreichen kann ohne einen Sturzflug hinzulegen und dass ich dich gerade erst gefunden habe, sonst wärst du schon längst nass und würdest gerade auf dem Weg zum Meer sein. Meine Flügel sind schön, so wie sie sind, drohte Hazla, klang aber leicht amüsiert und Lara merkte, dass ihr die Idee sogar etwas gefiel.
Plötzlich merkte sie, dass die Sonne schon sehr tief stand. Mit einem fiesen Grummeln meldete sich jetzt auch noch ihr Magen und sie merkte, wie müde sie war. Denkst du, ich kann kurz schlafen oder was essen? Oder schaffst du es noch vor Sonnenuntergang nach Valsara? gähnte sie und legte ihren Kopf auf die Schuppen vor sich. Du bist so unbequem! Warum gibt es hier eigentlich kein Kissen, maulte Lara noch kurz, bevor sie in den Halbschlaf abdriftete.
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Kristallfeuer
Fantasy!Dieses Buch ist weder perfekt noch überarbeitet, mehr Infos dazu im ersten Teil! (das heißt für euch: Lesen auf eigene Gefahr) Lara lebt ihr ganz normales Leben. Sie liebt Musik, Bilder und fantastische Geschichten. Bis sie diesen einen seltsamen K...
