Zachs Reaktion war gar keine Reaktion. Er sah mich einfach nur irritiert an.
„Du musst mir schon noch ein bisschen mehr Kontext geben."
„Manchmal, wenn... wenn ich schlafen gehe, wache ich nicht als Anna auf. Sondern als Beth." Ich ließ ihn nicht aus den Augen. „Wenn das passiert, dann habe ich keinerlei Kontrolle über mein Handeln. Beth verschwindet erst wieder, wenn sie einschläft." Mehr hatte ich fürs Erste nicht zu sagen, also wartete ich still und nervös Zachs Reaktion ab.
Nach einer Weile hob er die Augenbrauen. „Das ist mit Abstand die absurdeste Ausrede fürs Fremdgehen, die ich je gehört habe", meinte er langsam.
Ich stieß mutlos den Atem aus und sah aus dem Fenster. War doch klar, dass er mich wie alle anderen für verrückt halten würde. Tränen brannten mir in den Augen. Weil ich frustriert war und wütend und traurig und Zach mir nicht glaubte, obwohl ein klitzekleiner Teil von mir gehofft hatte, dass er es würde.
Deshalb hasste ich Hoffnung so sehr.
„Rede weiter."
Ich hob schlagartig den Kopf und sah ihn ungläubig an. Er musste bemerkt haben, dass ich gegen die Tränen ankämpfte, aber er ließ sich nichts anmerken. Aufgrund der Tatsache, dass er sich den ganzen Wahnsinn noch weiter anhören wollte, hätte ich glatt noch mehr heulen können. Aber ich riss mich zusammen und überlegte, wo ich beginnen sollte.
„Als wir uns das erste Mal getroffen haben -als du das Geschirr zertrümmert hast- war ich Anna. Die, die ich jetzt bin. Dann haben wir uns wieder getroffen. Im Biscotti&Cie. Da war ich auch Anna." Ich schluckte und versuchte, seinen wachsamen Blick zu deuten. „Aber als wir im Wald waren, war es Beth, mit der du dich getroffen hast." Mein Mund war trocken und meine Worte kratzten wie Tannenäste in meinem Hals, aber ich zwang mich dazu weiterzureden. „Ich habe ihr gesagt, dass sie sich mit dir treffen soll, weil ich dich wieder sehen wollte. Und sie hat größtenteils gesagt, was ich wollte. Aber ich hab ihr nicht gesagt, dass sie mit dir schlafen soll, das war ihre Entscheidung, damit das klar ist." Er bewegte sich immer noch nicht. Ich schluckte trocken. „Du hast nicht mit mir geschlafen, nicht wirklich. Es war Beth. Aber dann ist sie eingeschlafen und ich bin als ich aufgewacht. Deshalb wollte ich schnell verschwinden, weil ich..." Ich sah auf den lächerlich ordentlichen Schreibtisch. „Beth hat gesagt, dass du ohnehin nicht mehr als Sex wolltest und ich hab ihr geglaubt, deshalb hab ich deine Anrufe ignoriert. Als du dann vor meinem Haus gestanden bist, war es Beth, die die Türe geöffnet hat. Ich hab ihr gesagt, sie soll dich loswerden, aber dann hast du gesagt, dass du mich magst und ich mochte dich auch und hab gehofft, dass du von mir und nicht Beth geredet hast, also hab ich ihr gesagt, sie soll sich raushalten und mich das regeln lassen. Also hat sie dich weggeschickt und ich habe dir am nächsten Tag geschrieben. Seit dem hab ich versucht, mich nur dann mit dir zu treffen, wenn ich auch wirklich ich war. Das ist mein Leben und Beth hat sich, so gut sie konnte rausgehalten." Zachs Blick brannte förmlich auf meiner Haut und ich begann mir nervös die Hände zu kneten. „Aber dafür musste ich mich aus ihrem Leben raushalten. Sie ist eine kleine, sexfanatische Schlampe, das hast du vielleicht gemerkt, als ihr im Wald wart. Und dann in deinem Auto. Und dann in deinem Bett." Ich rieb mir die Stirn, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Erklärung eine völlig falsche Richtung einschlug.
„Ich glaub, er hat verstanden, dass du ihm den Sex mit mir übel nimmst", schaltete sich Beth ein.
„Tu ich doch gar nicht", brummte ich. „Ich nehme ihn dir übel."
Ich stieß den Atem aus. „Jedenfalls ist die ganze Beth-Sache auch der Grund, warum ich an Thanks Giving nicht mit dir nach New Jersey wollte", fuhr ich weiter fort. „Ich hab keine Angst vor dem Fliegen. Es lag daran, dass ich Angst hatte, genau an diesem einen Tag nicht Anna zu sein. Und Beth macht mir immer alles kaputt!"
DU LIEST GERADE
Annabeth
Mystery / Thriller„Wenn ich abends einschlafe, dann weiß ich nicht, ob in meinem Körper Anna oder Beth aufwachen wird." -- -- Wann Beth sich in Annas Kopf eingenistet hat, weiß Anna nicht mehr. Sie weiß nur, dass Beth eine Menge schlechter Entscheidungen trifft, die...
