Den restlichen Abend hockte ich auf meinem Bett und sah alle fünf Minuten auf mein Handy, in der Hoffnung, eine Nachricht von Zach erhalten zu haben.
Hatte ich einen Fehler begangen? Hätte ich die Klappe halten und ihm eine Lüge auftischen sollen? Aber welche Lüge hätte schon erklärt, dass Beth mit Sebastian auf der Terrasse rumgeturtelt hatte, als sei sie ihm hoffnungslos verfallen?
Als plötzlich mein Telefon klingelte, nahm ich den Anruf entgegen, noch bevor ich gelesen hatte, wer es war.
„Hallo?"
„Hey."
Zach! Gott sei Dank! Danke!
Es war still in der Leitung, aber das war mir egal, denn alleine die Tatsache, dass er mich anrief, konnte doch nichts allzu Schlechtes bedeuten, oder? Er rief mich doch wohl kaum an, um mir zu sagen, dass er zu dem Entschluss gekommen war, ich sei eine Lügnerin.
„Also?", fragte ich irgendwann ängstlich.
Er seufzte und sagte wieder lange nichts. Was hatte er bloß die letzten Stunden getan, wenn er jetzt nachdachte, was er mir sagen wollte?
„Möchtest du herkommen?"
Mir blieb das Herz für eine Sekunde stehen, nur, um dann doppelt so schnell weiter zu schlagen. Er hatte diese Worte genau so sanft ausgesprochen, wie er es getan hatte, bevor er mich gehasst hatte.
„Ja!" Ich lächelte so breit, dass mir meine Wangen davon wehtaten. „Ja."
Zwar war ich mir sicher, dass er noch eine Menge Fragen haben würde und mir noch nicht zu hundert Prozent glaubte, aber ich freute mich trotzdem mehr, als ich jemals gedacht hätte, im Stande zu sein.
„Ich bin in fünfzehn Minuten bei dir!", meinte ich, während ich aus dem Bett sprang und die Treppen nach unten rannte. Ich warf ihn aus der Leitung, legte mein Handy auf die Kücheninsel, sprang meine Schwester, die vor dem Herd stand, von hinten an und knuddelte sie. Sie erschrak, aber lachte.
„Lass mich raten. Zach hat sich gemeldet?" Sie drehte sich zu mir und lächelte mich an.
„Danke! Danke!" Ich drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange und rannte lachend aus dem Haus.
-
Ich blinzelte. Mir dröhnte der Schädel, wie bei einem richtig fiesen Kater, der bereits die Charakterzüge von Migräne annahm, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, etwas getrunken zu haben. Meine Sicht war ein bisschen verschwommen. Verwirrt sah ich mich um.
Wo bin ich?
Mein Kopf pochte und ich hatte das Gefühl, als hätte jemand meinen Kopf nur mit Watte vollgepackt, anstatt mit Gedanken.
Total verwirrt versuchte ich in der Dunkelheit auszumachen, wo ich war.
Es war eine enge Gasse. Mit Backsteinen gepflastert. In den Fenstern der hohen Häuser brannte kein Licht.
Ich stand gegen eine Wand gelehnt da und meine Beine fühlten sich schwach an.
Fröstelnd zog ich die Schultern hoch.
„Scheiße", bemerkte Beth. „Wo sind wir? Und wie sind wir hier her gekommen?"
„Ich weiß nicht." Ich schluckte und lief ans andere Ende der Gasse, kam aber nur in einer anderen Gasse raus. Dabei merkte ich, wie sehr mir meine Füße und mein Rücken wehtaten.
„Beth, wo sind wir?" Panisch sah ich mich um. Ich konnte keine Straßenschilder erkennen. Ich tastete meine Taschen ab, aber ich hatte mein Handy nicht dabei. Verdammt, ich hatte es auf dem Küchentisch liegen lassen, als ich das Haus verlassen hatte. Ich hatte nicht einmal meinen Ausweis oder Geld oder eine Fahrkarte dabei, weil ich nur zu Zach hatte gehen wollen. Ich hatte nicht gedacht, eines dieser Dinge zu brauchen. Meine Kehle schnürte sich zu und ich hätte am liebsten zu weinen begonnen.
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Annabeth
Mystery / Thriller„Wenn ich abends einschlafe, dann weiß ich nicht, ob in meinem Körper Anna oder Beth aufwachen wird." -- -- Wann Beth sich in Annas Kopf eingenistet hat, weiß Anna nicht mehr. Sie weiß nur, dass Beth eine Menge schlechter Entscheidungen trifft, die...
