Es war still und mit offen stehendem Mund starrte ich den wütenden Vater meines Freundes an.
Das konnte doch nicht sein Ernst sein?
"Mum hat sich umgebracht wegen dem was du uns angetan hast!", brüllte Nate auf einmal und ich zuckte kurz zusammen. Ich konnte erkennen, dass seine grünen Augen mittlerweile nicht mehr ganz so warm und freundlich aussahen wie ich es gewohnt war, sondern eher kalt und mit Abscheu und Hass gefüllt.
"Sie hat sich umgebracht weil ihr Sohn seinen Vater töten wollte!", brüllte der ältere Mann und seine Augen drückten eins aus: Purer Wahnsinn.
Dieser Mann war doch absolut verrückt.
Er kam noch näher und Nate verdeckte mich jetzt ganz. Ich konnte nur seinen überaus angespannten Rücken sehen. "Du bist schuld daran, dass ich nichts mehr habe", zischte Johnatan angsteinflößend und schien nun komplett den Verstand verloren zu haben. Ungewollt ging ich einen Schritt nach hinten, schüttelte dann aber innerlich den Kopf und drückte mich wieder näher an Nate, als sein Vater weitersprach. "Und deshalb werde ich auch dir alles nehmen. Du sollst merken wie es sich anfühlt, alles was du liebst zu verlieren."
Als Nate nach einer Pause des ungemütlichen Schweigens den Mund öffnete, was seine Stimme gefährlich ruhig und ich zweifelte nicht eine Sekunde an dem, was er schließlich sagte. "Wenn du meinem Bruder oder meiner Freundin auch nur in irgendeiner Weise etwas antust, dann werde ich dich töten. Das ist mein voller Ernst."
Doch sein Vater ignorierte seine Drohung einfach. Ich konnte durch einen Spalt zwischen Nates Rücken und dem Türrahmen sein hämisches Grinsen sehen. "Du wirst brennen, Nate."
Jetzt reichte es mir!
"Nicht, wenn Sie zuerst in Flammen aufgehen", erwiderte ich und erdolchte den Vater meines Freundes mit meinen Blicken. Wieselflink hatte ich es geschafft, hinter Nate hervor zu treten auch wenn das diesem gar nicht passte. "Und ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: Es wird mir eine Freude sein, Nate dabei zu helfen."
Bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte oder die Situation eskalierte (Johnatan's Gesicht nach zu urteilen war es kurz davor), zog mich Nate sanft zurück und schlug dann mit einem lauten Knall die Tür vor Johnatans Nase zu.
Einige Sekunden vergingen, in denen Nate mit den Rücken zu mir stand und stur an die Tür starrte. Dann, ohne Vorwarnung, drehte er sich um neunzig Grad und ließ seine Faust auf die helle Wand neben ihm knallen. Erschrocken keuchte ich auf.
Als er wieder ausholte, reagierte ich schneller und stellte mich zwischen ihn und besagte Wand.
"Nate, hör auf!"
Geschockt sah er mich an, als ich näher auf ihn zukam und sein Gesicht in meine kleinen Hände nahm. Seine verschleierten Augen wurden allmählich immer klarer und verfinsterten sich erst, als es nochmal gegen die Tür klopfte.
"Dieser verdammte-", fluchte ich laut und riss energisch die Tür auf, bereit Johnatan ein für alle Mal zu verscheuchen, nur um in das Gesicht eines verwirrten Lieferjungen zu sehen, der einen Pizzakarton im Arm hatte.
Stimmt, da war ja was.
Schnell drückte ich ihm Geld in die Hand und nahm ihm den Karton ab, den ich nach dem Schließen der Tür unachtsam auf die Kommode im Flur ablegte. Nate sah mich weiterhin still an.
Leise seufzte ich und raufte meine Haare, während ich auf ihn zu ging. "Nate, du darfst dich nicht so von ihm provozieren lassen. Er will doch nur, dass du irgendetwas dummes tust damit er dir weiterhin schaden kann."
Ungläubig sah er mich an. "Hast du ihm eigentlich zugehört, Roxana? Hast du mal daran gedacht, dass er-", Nate deutete aufgebracht auf die geschlossene Haustüre, "-Recht hatte als er sagte, dass er damals hinter dem Restaurant alles mit dir hätte tun können? Er hat es nicht getan, aber was wenn es ein nächstes Mal gibt?"
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Your World in Flames
Teen FictionBeendet ✔️ Roxanas Leben ist ziemlich gewöhnlich. Ihre Eltern arbeiten viel und zusammen mit ihren Freundinnen Pam und Mo will sie eigentlich nur die Highschool überleben. Irgendwie. Allerdings wird ihre gewohnte Welt auf den Kopf gestellt, als sie...
