Kapitel 20

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Meine Tasse schlug mit einem dumpfen klirren auf dem Marmor auf.

"Scheisse." Fluchte ich leise vor mich hin.

Die Tür fiel ins Schloß, dann wurden das Geräusch von Schritten hörbar, welche in Richtung Küche kamen. Schnell hetzte ich zum Lichtschalter und schaltete die Beleuchtung aus. Mein Atem und das Klopfen meines Herzens, waren das Einzige, was ich in diesem Moment wahrnahm.

Die Schritte verstummten, direkt vor der Küchentür. Ich griff nach einem Messer aus dem Messerset und hielt es mir schützend vor die Brust. Was wenn Nic uns hierher gefolgt war? War ich mit einem Messer sicher vor ihm? Würde er mir noch einmal weh tun?

Meine Fingerspitzen kribbelten, das kühle Metal fühlte sich so fremd in meiner kleinen, warmen Hand an. Die Tür öffnete sich einen Spalt weit, so dass ein schwacher Lichtstrahl von draußen den Raum erfüllte. Mein Griff um das Metall verstärkte sich, so wie die Panik in mir.

Das Messer fiel mir vor Schreck aus der Hand, als die Tür abrubt aufgestoßen wurde und die Silhouette einer großen Person sichtbar wurde. Schnell kniete ich mich nieder um das Messer aufzuheben, doch die Person gegenüber von mir, kam mir zuvor. Sie platzierte den Fuß auf dem Messer und lies es mit einem scharren über die Fliesen gleiten.

Als ich meinen Kopf hob um der Person ins Gesicht zu schauen, atmete ich vor Erleichterung aus.

Harry stand mit verschrenkten Armen über mir und schaute amüsiert auf mich runter.

"Ich dachte du wärst ein Serienkiller oder so." Ich hielt mir die Hand auf die Brust, in der Hoffnung, das sich so, mein Herzschlag wieder regulieren würde.

"Oh." Harry griff nach dem Messer. "Vielleicht bin ich ja einer."

Ein kalter Schauder fuhr mir die Wirbelsäule runter, als er die Messerspitze gegen die Spitze seines Zeigefingers drückte.

"War doch nur spaß." Er zwinkerte mir zu, behielt dabei das Messer in seiner Hand.

"Wusste ich." Ich verrschänkte die Arme vor der Brust und tratt nervös von einem Bein aufs Andere.

"Wieso dann so verängstigt?" Harrys Gesichtsausdruck hatte weder einen bedrohlichen noch gefährlichen Ausdruck. Er schnalzte mit der Zunge während er das Messer in einer Schublade verschwinden lies und ein paar Schritte auf mich zu kam.

Verwirrt machte ich einen Schritt zurück, stieß dabei gegen die Kochinsel hinter mir. Meine Hände krallten sich in den Marmor, inzwischen hatte Harry den Abstand zwischen uns zum minimalsten verringert, so dass ich nun den süßen Duft seines Aftershaves riechen konnte. Ich hielt die Luft an und presste meine Lippen fest aufeinander. Was hatte Harry vor? Ich erinnerte mich wieder an vorhin, als Harry mich aus dem nichts geküsst hatte, würde er es wieder tun? Wieso hatte er es überhaupt getan?

Seine Hand wanderte hinter meinen Rücken, als er sich wieder zurück lehnte, hielt er meine Tasse in der Hand.

"Du solltest ihn trinken, bevor er kalt wird." Er hielt mir die Tasse hin und schmunzelte.

Erleichtert pustete ich die Luft, die ich bis jetzt in meinen Lungen gehalten hatte, aus. Es war schon komisch genug gewesen, das er mich auf dem Ball geküsst hatte und noch komischer war, das ich den Kuss erwiedert hatte.

Ich nahm ihm die Tasse ab und drückte mich an ihm vorbei, um zur Tür zu gelangen.

"Bist du auch hier, um hier zu übernachten?"

"Wenn ich darf?"

Harry fragte nach Erlaubniss? Mal was ganz neues. Ich hielt im Schritt inne und drehte mich zu ihm um, er wartete meine Antwort garnicht erst ab, denn er lief an mir vorbei und blieb dann am Treppenabsatz stehen.

Undead | H.S. (ON HOLD!)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt