Kapitel 44 - Hass

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MIA POV

Gemeinsam mit Sophie setze ich mich auf die Couch und wir lassen die Jungs am Tisch zurück. „Was denkst du wie lang das hier heute gehen wird?" „Das kann entweder ausarten, aber ich denke nicht. Julian ist nicht ganz auf der Höhe und wenn er trinkt, kann es schnell umschlagen in maximal emotional oder Zurückgezogenheit. Bei Felix bin ich mir nicht so sicher." Ich nicke nur und schaue zum Tisch. Sie stoßen alle an, sind in Gespräche vertieft und Felix wirkt für seinen Teil ruhig und ausgeglichen.

„Warum bist du nicht bei deiner Familie?" holt mich Sophie zurück auf die Couch und ich nippe an meinem Weißweinglas. „Weil wir immer erst am 1. Weihnachtsfeiertag zusammenkommen. Als ich noch in den Staaten war oder Jobs hatte, hab ich den 24. gebraucht um Ruhe zu haben und für mich zu sein." sie nickt. „Lenny dürfte glaube auch erst morgen kommen, wenn überhaupt und dann fahren wir an die See. „Bis Silvester?" „Bis ins neue Jahr. Danach geht's gleich weiter mit Tour und ich will die Firma weiter voranbringen." Sophie nickt. „Ist es komisch für dich, dass sich das dieses Jahr alles verändert hat?" „Was meinst du?" „Naja Felix, dein eigenes Label. Du musst mehr darauf achten mit wem du und wie kommunizierst. Dein Status in der Öffentlichkeit."

„Das mit Felix hat vielleicht am meisten Impact auf mein Jahr gehabt, als alles andere. Ich bin froh, dass ich jetzt komplett allein auf meinen Beinen stehe und das Label für mich habe, aber es ist auch viel Arbeit, die man so nicht mitbekommt. Auch dein Bruder ist da noch etwas ignorant." und sie lacht. „Würdest du jemals alles aufgeben, wenn es einen bestimmten Grund gibt?" „Was ist heute los?" lache ich und schaue sie an. „Aber wenn es etwas mit meiner Familie oder Freunden zu tun hat, dann könnte ich schon für einen Zeitraum aufhören, aber nicht für immer. Vielleicht ändert sich das nochmal, wenn Kinder ins Spiel kommen, aber ich denke nicht." „Mh." nippt Sophie an ihrem Glas.

„Lass uns mal kurz rausgehen. Ich glaube das passt hier nicht rein." stehe ich auf, hole unsere Jacken und Schuhe. „Was macht ihr?" „Wir gehen nur mal fix auf die Terrasse. Kann ich dein Drehzeug haben?" „Ja klar. Liegt auf der Anrichte." schaut mich Felix an und ich lächel ihm zu. Eingepackt stehen wir auf der Terrasse und ich dreh Sophie und mir eine Zigarette.

„Vielleicht ist für dich am schwersten, weil du deine Mutter nie kanntest und dir die Person, die dir alles beigebracht hat, was man als Frau wissen sollte. Aber ich finde das euer Vater einen wundervollen Job gemacht hat. Er hat drei Kinder großgezogen, die zwar in manchen Dingen gleich sind, aber auch so unterschiedlich. Ich weiß selbst nicht wie es ist, aber kann es in manchen Zügen nachvollziehen, weil mein Bruder und ich auch eher allein damit waren, dass wir so verdammt schlau sind. Ab und an hindert es einem daran sein Potential zu entfalten, weil man nicht komisch von der Seite angeschaut werden möchte, aber es gibt einem auch so viel mehr mit." schaue ich Sophie an die nur nickt. „Ihr habt aus der Zeit etwas mitgenommen was für niemanden wirklich ersichtlich ist. Auch wenn sich deine Brüder viel besser verstehen und sich ein Zimmer früher geteilt haben, würden sie alles stehen und liegen lassen, wenn irgendwas mit dir ist." lächel ich sie an.

„Ich weiß, aber manchmal ist es komisch, dass die beiden dauernd unterwegs sind. Aber ich glaube es ist besser so." „Was würdest du gern machen?" „Ich weiß es nicht und eigentlich sollte ich das nach meinem Studium wissen." Ich schüttel mit meinem Kopf und ziehe an der Zigarette. „Musst du nicht. Es ist dein Weg." „Aber jeder denkt, weil ich einen Master habe, dass ich weiß was ich will." und ich muss lachen. „Sophie. Niemand weiß was er will. Manchmal muss man einfach machen und suchen oder sich mal aus dem ganzen rausnehmen." „Aber wie soll ich das finanzieren. Ich hab zwar eins zwei Aushilfsjobs, aber davon leben könnte ich nicht." „Such dir was raus und dann reden wir. Es ist mir egal ob du es nach zwei Tagen abbrichst, aber schau einfach mal und vielleicht kann ich durch ein paar Kontakte was erreichen, je nachdem für was du dich entscheidest und Sophie." schaue ich sie an.

„Du kannst genauso wie dein Bruder einfach vor meiner Tür stehen oder mich anrufen. Es ist nicht so, dass nur weil Felix und ich zusammen sind, wir nix miteinander unternehmen können." und wir bleiben noch ein paar Minuten draußen stehen bevor wir wieder reingehen.

„Alles gut?" hält mich Felix fest und ich nicke nur. „Du siehst müde aus." „Alles gut. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht bald rüber gehe, weil ich morgen bei meinen Eltern erscheinen muss und packen sollte." „Mh. Soll ich mitkommen?" „Rüber? Ist doch deine Party." „Nein ich meine zu deinen Eltern." und ich muss grinsen. „Du weiß, dass es nicht wäre wie heute hier und das will ich ehrlich gesagt keinem zu muten." küsse ich ihn und höre ein „uhhhh." vom ganzen Tisch. Augenverdrehen hänge ich meine Jacke auf, ziehe die Schuhe aus und setze mich wieder zur Schwester von den Lobrecht Jungs. Wir unterhalten uns noch über unterschiedliche Dinge und gehen nach zwei Stunden gemeinsam rüber in meine Wohnung, wo ich todmüde ins Bett falle.

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Das Weihnachtsfest mit meiner eigenen Familie wird eine Katastrophe. Es werden wieder alte Kamellen aufgewärmt, dann nochmal das komplette Jahr besprochen und als meine Mutter dann noch sagt, dass sie weder mit meiner noch mit Lennys Männerwahl zufrieden ist, platzt mir der Kragen und Lenny schiebt mich rückwärts aus der Wohnung heraus.

„Atme durch." „Nein, was soll der scheiß. Warum können wir nicht einmal ein normales Weihnachten feiern?" höre ich wie der Aufzug kommt und wir einsteigen. „Weil es noch nie geklappt hat und das weißt du auch." „Das ist kein Grund. Ich wette, dass es bei Tommi auch absolut anders war." „Ja." und wir gehen zu meinem Wagen und fahren in meine Wohnung. Dort warten bereits Felix und Tommi auf uns und ich sehe Felix fragendes Gesicht, als wir so schnell wieder da sind. „Frag nicht." „Doch soll er fragen. Weißt du was ich will. Dieses kitschige Weihnachten in einem viel zu großen Haus, mit viel zu viel Deko, Weihnachtsmusik und wo alle komische Pullover tragen und sich einfach nicht an die Gurgel springen. Sowas will ich oder das es einfach komplett ausfällt. Ist das einmal zu viel verlangt?" schaue ich meinen Bruder an, der tiefdurchatmet.

„Und nicht das ich mit Hass im Herz wieder in meine eigenen vier Wände fahre und mich frage, warum wir es nicht auf die Reihe bekommen als Familie. Ist doch scheiße." „Mia beruhig dich." „Nein." „Doch. Du kannst es nicht mehr ändern." „Was soll das irgendwann mal werden, wenn hier Kinder rumspringen? Wird es dann so richtig scheiße, weil Mama andauernd Felix eins auswischen will und Spitzen gegen ihn verteilt und jeder dann passiv aggressiv am Tisch sitzt und zu liebe der Kinder schweigt? Vergiss es. Dann fahr ich lieber irgendwohin und feier dort." „Dann wird sie noch mehr ausrasten." und ich zucke mit den Schultern. „Mir egal. Ich pack jetzt meine Sachen und ruf bei der Vermieterin an, ob wir heute schon kommen können. Keine Lust mehr mir hier die Laune verderben zu lassen." gehe ich ins Schlafzimmer und werfe alles mögliche in einen Koffer.

„Bist du wieder runtergekühlt?" „Nein." sortiere ich meine Sachen richtig in den Koffer und schaue nicht mal hoch als Felix sich zu mir auf den Boden setzt. „Ich hab noch nicht gepackt." und mein Kopf schnellt zur Seite. „Was?" „Ich bin mir nicht sicher..." „Wie du bist dir nicht sicher?" „Ich mein. Auch wenn wir seit einem halben Jahr zusammen sind. Ein Urlaub ist nochmal was anderes." „Echt? Ist das jetzt gerade dein Ernst?" stehe ich auf, ziehe einen meiner Pullover aus dem Schrank und ziehe ihn über. „Mia. Ich will nur, dass du eine angenehme Zeit hast, um dich zu entspannen." „Willst du mich gerade komplett veraschen?" steige ich über den Koffer und gehe in den Flur. „Nein. Ich bin mir nicht..."

„Was bist du dir nicht? Du hast, bis wir deine Wohnung dekoriert haben, bei mir gelebt und gestern. Was war das gestern auf dem Balkon und was soll das hier gerade werden? Ich glaube ich spinne. Du bist schon seit dem Sommer eingeplant für diesen Trip an die See und jetzt willst du einfach nicht mitfahren." ziehe ich eine Jacke an und Schuhe. „Ich hab nicht gesagt, dass ich nicht mitfahre, aber vielleicht wäre es für dich besser." kopfschüttelnd schaue ich ihn an. „Weißt du was, mach was du willst, weil das können ja eh alle um mich herum sehr gut. Mich als verdammten seelischen Mülleimer verwenden, aber mal fragen wie es mir geht oder mir einfach mal zuhören. Ach vergiss es." und ich schließe mit einem Wums die Wohnungstür.

Blaue StundeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt