Mein Wecker holt mich nach zwei Stunden Schlaf aus einem komischen Traum und ich brauche ein bisschen Zeit um mich zu orientieren. Erst das Klopfen an meiner Hotelzimmertür bringt mich wieder in die Realität zurück. „Komme." öffne ich die Tür und stehe vor Felix, Julian und Kawus. „Ähm wir wollten wissen ob du mit Frühstücken willst." wandert der Blick der drei Männer einmal über meinen Körper und dann wieder zurück. „Seid ihr fertig mit euren Triebtäter-Blicken?" „Sorry." murmeln sie alle. „Wenn ihr noch 20 Minuten warten könnt, dann komm ich mit." Sie nicken und ich schließe meine Tür.
Frisch geduscht und bewaffnet mit meiner Kamera gabel ich die Jungs in der Lobby auf und wir suchen uns ein Cafe in der Innenstadt.
„Ziemlich schöne Stadt." „Fahren wir heute Abend gleich wieder oder haben wir noch eine Nacht hier?" „Wir wollten heute Abend wieder nach Berlin fahren." antwortet mir Julian „Schade." nehme ich einen Schluck aus meinem Kaffee und schaue nach draußen. „Was hattest du vor?" „Hier wäre ein Konzert was ich gern sehen würde, aber wenn wir losmüssen, dann schau ich mir das später mal an." „Oder wir bleiben. Ich mein, ob wir jetzt von aus Berlin aus starten oder von hier ist auch egal." blickt Felix in die Runde und sein Bruder grinst. Kawus schüttelt nur mit seinem Kopf. „Ich hab morgen ein Solo in Berlin, also ich müsste zurück." „Stimmt und ich bin auch verabredet." „Na dann fahren wir heute Abend wieder. Ist doch nicht so schlimm." esse ich meine Eggs Benedikt und bekomme die Blicke zwischen den drei Männern nicht mit.
Nach dem langen ausgiebigen Frühstück schlendern wir noch ein wenig durch die Stadt bevor wir ins Hotel zurückkehren. Ich haue mich nochmal aufs Ohr und ziehe am frühen Nachmittag meinen Koffer zum Auto, mit dem wir zur Location fahren.
Dort tauche ich eine ganz andere Welt ein und lerne Olaf Schubert, Andre Herrman und weitere Kollegen von Felix kennen. Während der Gespräche bekomme ich nicht mit, wie Julian, Kawus und Felix andauernd die Köpfe zusammenstecken.
Der Roast an diesem frühen Abend ist was ganz anderes als die Shows sonst und ich bin ziemlich dankbar, dass ich die Gelegenheit habe dabei zu sein. Auch wie alle kein Blatt vor den Mund nehmen und Felix oder die anderen auflaufen lassen, finde ich klasse. Selbst wenn die meisten Worte ironisch oder mit einem Grinsen bedacht werden müssen.
„Wo müssen wir hin zu dem Konzert?" schaut Felix mich bei einer Zigarette an und erst jetzt realisiere ich, dass Julian und Kawus ihre Koffer in ein anderes Fahrzeug laden. „Ähm... Ins Täubchental aber ganz ehrlich, das wird nicht dein Abend." „Mach dir um mich keine Sorgen." Ich nicke nur. „Wir fahren dann und ich hoffe ihr killt euch nicht." „Ich sag meiner Agentin Bescheid, dann kannst du mit meinem Auto nach Würzburg fahren." „Alles klar. Viel Spaß euch und bis übermorgen." Ich nicke und beobachte wie sie vom Parkplatz rollen.
„Soll ich gleich fahren?" „Ja hier." wirft mir Felix den Autoschlüssel zu. „Was ist das für eine Band." „Irish Rock, Walking on Cars. Ich hab in Irland für die gearbeitet." „Was hast du in Irland gemacht?" „Freiwilliges Praktikum in der Marketingabteilung von Guinness und dann bin ich in einem Pub auf die Band gestoßen und hab ein paar Bilder gemacht." aus dem Augenwinkel sehe wie er nickt und fahre seinen Wagen durch Leipzig.
An der Location angekommen stellen wir uns in die Schlange und rauchen. „Wie blöd ist denn diese Frau? Erst stellt sie die Karten bei Facebook rein und dann geht sie doch selbst." höre ich ein junges Mädchen in ihr Telefon sprechen. „Nein, ich fahr jetzt wieder heim. Ich hätte sogar das doppelte bezahlt. Wie kann man nur so behindert sein. Einfach mal für nix 1,5 Stunden unterwegs gewesen." geht sie an mir vorbei.
„Hey. Warte mal." rufe ich ihr hinterher. „Ja?" „Ich stehe auf der Gästeliste und könnte dich mit reinnehmen." „Echt?" „Ja. Ich muss nur fix anrufen und sagen, dass ich mehr als eine Person mit reinnehme." „Wow. Das wäre mega. Ich telefoniere fix zu ende." ich nicke und zücke mein Handy und sage bei Pat Bescheid, der es als kein Problem ansieht.
„Danke, du rettest mir echt den Abend. Ich... Bist du nicht?" „Hey." grüßt Felix die neue Bekannte. „Du hast doch letztes Jahr die Bilder von Lena Meyer Landruth für ihre Fanaktion gemacht." „Ja hab ich." „Schau mal." hält sie mir ihr Handy hin und ich sehe das Bild von ihr und Lena Meyer Landruth. „War einer meiner Lieblingsabende." „Freut mich."
Wir unterhalten uns bis wir am Einlass sind über ihre Lieblingskonzerte und Künstler. Dabei lässt sie durchblicken, dass sie nix von HipHop und Rap hält, Karten für eins der Wincent Konzerte hat und sich gerade für ein Praktikum in Berlin bewirbt. „Wo denn?" „Bei Florida TV." „Ah bei Joko und Klaas sozusagen." „Genau." „Und als was?" „Als Autorin." Ich nicke und zeige dem Security Typen meinen Ausweis und er lässt mich zusammen mit Felix und unserer neuen Bekanntschaft passieren.
„Danke fürs mit reinnehmen. Viel Spaß euch, ach und Felix. Geile Show heute." nickt sie uns zu und verschwindet die Treppen nach oben auf die Galerie. „Sie kannte mich also doch." „Wer kennt dich nicht. Kann ich dich kurz hier abstellen?" „Wo willst du hin?" Ich deute auf das Damenklo und er nickt nur.
<Mit Felix bei Walking on Cars. Seine Idee.>
<Flow Mia, go with the flow.>
<Ja man!>
„Hier." bekomme ich von Felix ein Bier in die Hand gedrückt und wir suchen uns einen Platz relativ weit vorn und mittig. Etwas skeptisch rieche ich erst an meinem Bier und trinke dann einen Schluck. Wir müssen nicht mehr lang warten, da steht schon die Vorband auf der Bühne.
„Was hattest du getrunken?" „Wasser." schnappe ich mir seinen Becher und gehe zur Bar. „Eine Mate mit Schuss, ein Wasser und einen Wodka gleich so." „Läuft wohl nicht so das Date?" „Warum?" „Sonst würde man doch keinen Shot bestellen." „Es ist kein Date." widerspreche ich dem Barkeeper und beobachte wie er mir die Mate veredelt und mir zwei Shots hinstellt. ‚Was hat der denn wieder nicht verstanden?' schaue ihn in beim Trinken an und sehe wie er auf den Bierdeckel schaut. Ich stürze die zwei Shots schnell hinter und bezahle meine restlichen Getränke. Den Bierdeckel nehme ich mit, nur damit er sich falsche Hoffnungen macht. ‚Mia du Bitch.'
„Was hat so lang gedauert?" „Der Typ und sein dämlicher Flirtversuch. Hier." halte ich ihm das Wasser hin und unsere Finger berühren sich kurz bei der Übergabe, so das es mir eine kurze Gänsehaut über den Körper zieht. Felix schaut von dem Wasser zur Bar. „Welcher Typ war es denn?" „Ist doch egal." ignoriere ich seinen Blick und wende mich der Bühne zu, da der Raum gerade zum zweiten Mal abgedunkelt wird.
Für mich wird der Abend ein voller Erfolg. Ich singe die Lieder mit, tanze ausgelassen und genieße einfach das Gefühl um mich rum. Felix habe ich bis zum letzten Lied komplett ausgeblendet. Doch als die Massen sich Richtung Jackenausgabe schieben und ich mitgezogen werde, schnappe ich mir seine Hand und lasse sie erst los, als wir an der frischen Luft stehen.
„Wie schlimm war es für dich?" „Alles gut. Hab es mir schlimmer vorgestellt. Der Typ hat schon eine krasse Stimme." „Ja find ich auch." laufen wir zum Auto und diesmal fährt Felix bis zum Hotel.
Wir verabschieden uns im Aufzug, nachdem wir neue Zimmer bekommen haben und ich mache noch bevor ich meine Tür richtig erreicht habe eine Sprachnachricht für Lena mit den Erlebnissen des Tages.
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Blaue Stunde
FanfictionDie Blaue Stunde ist ein physikalisches Phänomen in der Abenddämmerung. In dieser knappen Stunde nach Sonnenuntergang und vor Eintritt der Dunkelheit ist der Himmel schon tiefblau gefärbt, die Umgebung aber noch vom Restlicht erhellt. Wenn sich Tag...
