"Weshalb habt ihr mir nichts gesagt?!"
Laute, hastige Schritte hallten in den Gängen des Einsamen Berges wider. Thorins Stimme donnerte vor Wut, sein Gesicht war vor Zorn verzerrt. Ohne seine Schritte zu verlangsamen, wartete er auf eine Antwort von Kili, der neben Bilbo ging und wie er selbst kaum fähig war, mit seinem Onkel Schritt zu halten.
Der junge Zwerg zögerte. "Wir dachten..."
"Oh, ich denke nicht, dass ihr nachgedacht habt, als ihr die Entscheidung fälltet, mir einen Brief von dieser Priorität vorzuenthalten!"
Kili senkte seine Stimme, wohl wissend, dass nichts, was er nun sagen würde, den Zorn seines Onkel würde schmälern können. "Wir haben nicht geahnt, dass diese Situation so schnell eintreten würde. Wir wollten warten, bis du wieder vollständig genesen bist, und... Onkel, bitte lauf nicht so schnell, denk an deine Verletzungen."
"Meine Verletzungen dürften gerade unser geringstes Problem sein, Kili."
Nun war es der Angesprochene, der plötzlich zornig wurde. "Niemandem ist geholfen, wenn du schon wieder dein Bewusstsein verlierst. Ich wette, Oin ist es langsam müde, dich immer wieder zusammenzuflicken." Thorin zeigte mit Ausnahme eines wütenden Knurrens keine Reaktion, und der junge Zwerg ließ den Zorn in seiner Stimme einer tiefen Besorgnis weichen. "Onkel, ich bitte dich! Bilbo, sag doch auch mal was..."
Er sah zu dem kleinen Hobbit, der um einige Schritte zurückgefallen war. Als er in Kilis verzweifeltes Gesicht blickte, öffnete er kurz die Lippen, doch er spürte, dass seine raue Kehle keinen Ton erlauben würde, und schloss sie wieder. Er konnte nichts sagen. Nicht jetzt.
Was gerade dort oben auf dem Berghang geschehen war, oder besser; was geschehen wäre, hätte Kili sie nicht unterbrochen, erschloss sich Bilbo beim besten Willen nicht. Sein Brustkorb schmerzte bei dem Gedanken daran, wie es sich angefühlt hatte, von Thorins warmen Händen auf so neue und ungewohnte Art berührt zu werden, wie sich die Worte angehört hatten, die sein Freund mit bebenden Lippen gesprochen hatte. Wie egal ihm alles mit einem Mal geworden war. Wie unbedeutend, wie belanglos. Und wie leer er sich plötzlich gefühlt hatte, als der Moment vorüberging. Und er spürte diese Leere noch, und sie gestattete es ihm nicht, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen.
Nun ja, bis auf einen Gedanken, wenn auch keinen klaren. Denn mit einem Mal glaubte er zu verstehen, was "Amrâlimê" bedeuten könnte.
Die beiden Zwerge eilten weiter, und Bilbo folgte ihnen, was blieb ihm auch anderes übrig? Kili sagte nichts mehr. Er war dafür gewesen, dass Thorin den Brief sofort erhielt, und er sah, dass er im Recht gewesen wäre. Doch Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Die Welt wäre ein sehr viel unkomplizierterer Ort, wenn so etwas möglich wäre.
Der Brief, den er seinem Onkel vor wenigen Minuten gegeben hatte, war nicht der, den Fili vor dem Kampf mit dem Drachen in seiner Manteltasche verwahrt hatte. Diesen Brief hatte Thorin nie zu Gesicht bekommen. Das Siegel dieses neuen Briefes war dasselbe, und sein Inhalt war recht eindeutig. Die Menschen von Thal hatten um Hilfe gebeten. Und diese Hilfe war am Morgen dieses Tages in der Stadt angekommen.
Der Gang machte eine Kurve, und mit eiligen Schritten kam ihnen Dwalin entgegen. Sein Gesicht wirkte besorgt, als er in das von Thorin sah. Er blieb stehen, sah zu Kili, und als dieser nickte, räusperte er sich.
"Sie haben eine kleine Gruppe Reiter ausgesandt. In weniger als fünf Minuten dürften sie das Tor erreicht haben."
Thorin knurrte, und ging an Dwalin vorbei. "Wer ist unter ihnen?"
Der Zwerg zögerte und senkte den Blick, während er versuchte, mit den anderen Schritt zu halten. "Das dürfte dir jetzt weniger gefallen..."
"Sprich!"
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More than gold | Bagginshield
FanficDie Geschichte eines Hobbits und eines Zwergen - zwei Geschöpfe, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an... Die Schlacht ist gewonnen, die Feinde besiegt, die Schulden beglichen. Bilbo weiß, was das b...
