"Ich bat um ein Gespräch unter sechs Augen."
Die Stimme des Elbenkönigs war ruhig und bedacht, doch ihr Klang war scharf. Kili, der sehr wohl wusste, an wen diese Worte gerichtet waren, sah erst verständnislos zu der Tür, vor der sie stehen geblieben waren, dann zu Bilbo und schließlich erneut zu Thranduil, der ihn noch immer ansah wie ein Vater, der seinen Sohn über etwas maßregelte.
Es dauerte wenige Sekunden, ehe er verstand.
"Wenn Ihr glaubt, ich würde ihn mit Euch allein lassen, dann-"
Thranduil hob eine Hand und der junge Zwerg hielt inne, ohne, dass er wusste, weshalb. "Geht zurück zu Eurem Onkel, er wartet sicher schon."
Der Klang dieser Stimme machte Kili zornig, und Bilbo sah, wie er seine Haltung verkrampfte, in seiner Empörung die Lippen erst aufeinanderpresste und schließlich öffnete. Bevor er etwas sagen konnte, räusperte sich der Halbling in der bösen Ahnung, dass die Antwort des jungen Zwerges nicht unbedingt bedacht gewesen wäre.
"Ist schon in Ordnung, Kili."
Der Angesprochene sah ihn an, mit Augen, die verständnisloser nicht hätten sein können. Es schien, als wollte er etwas sagen, doch etwas in Bilbos Blick hielt ihn davon ab, und vielleicht war das auch ganz gut so. Er senkte den Kopf ein wenig, als er erkannte, dass es zwecklos war, und antwortete dem Halbling mit einem Nicken, schwach, und kaum zu sehen.
"Was soll ich ihm ausrichten? Wie lange werdet ihr brauchen?" Er hob den Kopf wieder und sah zu Thranduil, und als er daraufhin weitersprach, wirkten seine Worte beharrend und flehend. "Ich kann Euch versichern, dass alles, was gesagt werden musste, bereits gesagt wurde. Bilbo wird Euch nichts sagen können, was Ihr nicht schon wisst."
Er sah den Elben und den Menschen an, als würde er damit rechnen, mit seinen Worten auf taube Ohren zu stoßen. Bard sagte nichts. Er wirkte seltsam blass und reserviert seit dem Moment, in dem er die Dracheneier zu Gesicht bekommen hatte. Es war erneut der Elbenkönig, der ihm eine Antwort gab.
"Das werden wir sehen. Wenn es stimmt, was Ihr sagt, weshalb versucht Ihr dann, dieses Gespräch zu verhindern? Wenn Ihr die Wahrheit sprecht, gibt es doch nichts, wovor Ihr Euch fürchten müsst. Oder?" Bei dem letzten Wort beugte er sich ein winziges Stückchen zu ihm hinab, wohl wissend, dass er von dem Zwerg keine Antwort erhalten würde. Und genau das war der Fall. Kili richtete seinen Blick stur auf den Boden und presste die Lippen aufeinander. Thranduil richtete sich wieder auf und nickte schwach. "Geht zurück zu Eurem Onkel. Wie lange wir brauchen werden, hängt ganz allein von der Redseligkeit Eures Meisterdiebs ab."
Kili atmete betont aus und starrte nun wieder Bilbo an, und in seinem Blick konnte der Halbling dasselbe erkennen, was er zuvor in den Augen seines besten Freundes ausgemacht hatte. Er war genau so durchdringend, genau so zweifelnd. Bevor er eine Deutung wagen konnte, spürte er, wie der junge Zwerg einen Schritt näher kam und ihm eine Hand auf die Schulter legte.
"Ich hoffe, du weißt, was du ihnen gleich sagen musst, Bilbo."
Er warf ihm einen letzten Blick zu, von dem Bilbo ahnte, dass er ihm irgendetwas sagen sollte, doch seine Gedanken standen still für diesen Moment und die Botschaft blieb ihm verschlossen. Schließlich drehte sich Kili um und ging zurück in die Richtung, aus der sie zuvor gekommen waren, und ließ einen Hobbit zurück, der sich von aller Hoffnung und von allem Mut verlassen fühlte. Das hoffe ich auch, schoss es ihm durch den Kopf, als er ihm hinterher sah, und vor Anspannung meinte, sein Herz hätte aufgehört, zu schlagen.
Er hörte, wie hinter ihm eine Klinke heruntergedrückt wurde, und riss sich von den kleiner werdenden Umrissen Kilis los.
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More than gold | Bagginshield
FanfictionDie Geschichte eines Hobbits und eines Zwergen - zwei Geschöpfe, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an... Die Schlacht ist gewonnen, die Feinde besiegt, die Schulden beglichen. Bilbo weiß, was das b...
