33_Cyril Lloyd

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Ein leichtes Schmunzeln spielte um meine Lippen als ich an Eleanors Reaktion dachte. Sie hatte wohl nicht mit meiner Anwesenheit gerechnet, aber sie hatte auch nicht den Eindruck gemacht als wäre sie unglücklich darüber. Außerdem hatte ich Cecilias Worte und Eleanors Reaktion darauf mitbekommen. Es war durchaus von Vorteil ein aufmerksamer Beobachter zu sein. Ich würde mich vor Cecilia in Acht nehmen müssen- es war ungut in den Fokus einer Adeligen zu gelangen. Wenn sie sich entschied, dass ich für sie interessant genug war, konnte ihre Familie mich letzten Endes einfach mitnehmen, ohne dass die Familie Leighton ein Wort dagegen sagen konnte. Dann wären Wochen an Arbeit umsonst gewesen. Ich sollte mich wohl besser erstmal etwas bedeckter halten.

Ich richtete meinen Blick wieder auf den Earl von Collingwood, welcher bereits mit seiner Rede angesetzt hatte. Die anderen Angestellten in meiner näheren Umgebung konzentrierten sich ebenfalls auf die adeligen Familien. Keiner wollte auch nur ein einziges Wort verpassen. Hier beim Abendessen bekam man die besten Informationen für den neusten Klatsch und Tratsch. Und jeder wollte wohl wissen, was es nun mit dem Gerücht um die bevorstehende Verlobung auf sich hatte. Und bereits innerhalb der ersten Sätze schien sich dieses Gerücht zu bestätigen. Ich ließ meinen Blick über die verschiedenen Familienmitglieder wandern und versuchte herauszufinden, wer bereits von den Neuigkeiten wusste, und für wen dies neue Informationen waren.

Leider war es mir nicht möglich Eleanors Reaktion zu beobachten, weil diese mit dem Rücken zu mir saß. Aber ich glaubte nicht, dass sie bereits davon gewusst hatte. Auch wenn es bisher noch nicht direkt von ihrem Vater ausgesprochen worden war, so war es doch mittlerweile gewiss, dass er mit seinen Worten Lady Eleanor meinte. Und kurz darauf folgten dann auch die Worte, welche jegliche letzte Zweifel ausräumten. Maxwell sollte mit Eleanor vermählt werden, zumindest, wenn sich die Parteien einig wurden, aber daran hegte ich keine Zweifel. Die Familie Leighton würde aus diesem Bündnis einfach zu viel gewinnen können. Eleanor hatte da wohl weniger Mitspracherecht. Es hatte also wohl auch durchaus Nachteile Teil einer adeligen Familie zu sein. Aber das hatte Lady Eleanor bereits vor einiger Zeit deutlich mitgeteilt, auch wenn ich erst jetzt langsam das volle Ausmaß zu begreifen begann.

"Auf den König!", riefen auch wir Diener alle und begannen dann den Herrschaften am Tisch einzuschenken, sodass sie auf dieses Ereignis anstoßen konnten. Ich durfte sogar wieder Eleanor bedienen, aber sie schien mich gar nicht zu bemerken. Das alles beschäftigte sie wohl ziemlich.

Ob sie irgendjemanden hatte, mit dem sie ehrlich darüber sprechen konnte, wie sie sich gerade fühlte und wie sie zu der ganzen Sache stand? Konnte sie mit ihren Brüdern oder ihrer Schwester darüber sprechen? Ich wagte es zu bezweifeln. Zumindest Clemence schien sehr zufrieden mit der Entwicklung der Ereignisse zu sein. Es wurde einfach von Eleanor erwartet, dass sie ihr Schicksal akzeptierte. Aber nachdem ich einen Blick auf ihr wahres Ich hatte werfen dürfen, bezweifelte ich sehr, dass es das war, was sie wirklich wollte.

Ich schloss meine Hände um mein Medaillon. Sie musste sich einsam und alleine gelassen fühlen. Aber war es mir überhaupt möglich ihr zu helfen? Jetzt beim Abendessen auf keinen Fall. Einigen von uns Dienern wurde der Auftrag gegeben Gemächer für die Familie Middleton vorzubereiten. Sie würden wohl erst morgen oder vielleicht sogar in den kommenden Tagen abreisen. Ich wurde nicht ausgewählt, weswegen ich an der Wand stehen blieb, so wie gerade genug Diener, dass jeder für exakt eine Person zuständig war.

In diesem Moment lief Eleanor aus dem Zimmer und ich folgte ihr mit meinem Blick, wobei es mir unmöglich war, ihr tatsächlich nachzulaufen. Dabei konnte sie gerade jetzt wohl wirklich jemanden an ihrer Seite gebrauchen.

Ich brauchte irgendeine Möglichkeit, um den Raum zu verlassen, aber das Festmahl war gerade in seinem absoluten Höhepunkt und es war kein Ende in Sicht. Gerade als ich noch überlegte, rief mich Lady Cecilia zu sich. Ich folgte ihrer Aufforderung und verbeugte mich leicht als ich neben ihr ankam. "Was kann ich für Euch tun, Lady Cecilia?", erkundigte ich mich höflich. "Wie ist dein Name?", fragte sie statt genauer auf meine Frage einzugehen. "Mein Name ist Cyril Llyod."

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