21 - Von Osterhasen und versteckten Wundern

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Prompt by meFrohe Ostern! 🐣🐰 - Luca war noch nie geduldig, wenn es um Geschenke oder Essen ging, aber dieses Ostern stellt ihn vor ganz neue Herausforderungen. (Luna sind hier schon zusammen. Das hier ist nicht überarbeitet, also verzeiht mir, wenn Fehler drin sind.)

Christina

"Sag mir einfach was es ist! Bitte, Christina, nur eine Andeutung!" Augenrollend drehe ich mich zu meinem Freund um, der gerade unser Gepäck aus seinem Auto gehoben hat und mich jetzt aus seinen braunen Augen flehend ansieht. "Nur eine klitzekleine Andeutung?" Mit den Fingern zeigt er einen Abstand von ein paar Millimetern an, aber ich schüttle nur lachend den Kopf. "Gib's auf, Hänni." Seit drei Wochen versucht Luca vergeblich herauszukriegen, was ich ihm zu Ostern schenken will, seitdem er aus Versehen mitbekommen hat, wie ich mit Cyril darüber gesprochen habe. Normalerweise tue ich mir wirklich schwer damit, Geheimnisse zu behalten und vor allem wenn es um Geschenke geht, würde ich eigentlich sofort nachgeben und es ihm verraten aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal soll es eine absolute Überraschung bleiben. "Akzeptier doch einfach, dass du bis Sonntag warten musst."
"Ich weigere mich aber", schmollt Luca beleidigt, bevor er unsere Taschen nimmt und hinter mir her zu seinem Elternhaus hinaufträgt. Das schöne Backsteinhaus, in dem Luca und seine Geschwister aufgewachsen sind, ist mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen und vor allem jetzt, wo wir schon knapp zwei Jahre zusammen sind, haben wir eine Menge schöne Erinnerungen hier gesammelt. Weihnachten mit unseren Familien, viele Geburtstage, Jahrestage und all das dazwischen. Ein Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus, als ich daran denke, welche besonderen Erinnerungen hier noch entstehen werden. "Ohh, ist es ein Welpe? Bitte sag es ist ein Welpe!", reißt mich Lucas begeisterte Stimme aus meinen Gedanken. Mit hochgezogenen Augenbrauen hebe ich die kleine quadratische Schachtel mit der großen Schleife hoch, in der sein Geschenk liegt. "Glaubst du wirklich, dass ich hier drinnen einen Hund versteckt habe?" Luca runzelt die Stirn. Er sieht die Schachtel an. Dann mich. Dann wieder die Schachtel, bevor er schließlich langsam nickt. "Stimmt. Das Ding müsste Löcher haben, damit der Welpe atmen kann." Ich spare mir einfach die Antwort und drücke stattdessen mit meiner freien Hand auf die Klingel neben der Haustür. Manchmal frage ich mich wirklich, wie diese seltsamen Gedanken in seinem Kopf entstehen. Luca will gerade den Mund aufmachen - wahrscheinlich um mir weiter auf die Nerven zu gehen - als Cyril von innen die Türe aufreißt. Er trägt einen festlichen Partyhut mit lauter kleinen Häschen auf dem Kopf und strahlt uns so begeistert an, dass ich sofort lachen muss. Okay, vielleicht liegt diese gewisse Verrücktheit auch einfach in der Familie. "Luca! Frohe Ostern, Brüderlein!", ruft Cyril überschwänglich und zieht seinen sichtlich verdutzten Bruder in eine feste Umarmung, der sich aber so schnell wie möglich wieder von ihm losmacht. "Sag mal bist du in Mamas Ananas-Bowle gefallen oder was hat dir das Hirn vernebelt?" Mit verstörter Miene gestikuliert er in Richtung des ungewöhnlichen Outfits, was Cyril mit einer beleidigten Grimasse zur Kenntnis nimmt. "Was denn? Darf ich mich nicht freuen, dass mein geliebter Bruder und seine wunderschöne Freundin uns an so einem Feiertag mit ihrem Besuch beehren?" Ich verdrehe bei seinen Schmeicheleien grinsend die Augen, während Luca nur heftig den Kopf schüttelt. "Ähm, nein? Du hasst Ostern."
"Na und? Dieses Jahr eben mal nicht. Und jetzt hör auf dich zu beschweren und komm lieber rein, du Nervtröte." Diesmal ist Luca derjenige, der mit den Augen rollt, bevor er sich auf den Weg ins Haus macht und mir damit Platz macht, um seinen Bruder ebenfalls zu begrüßen. Mit einem "Hey, schön, dass du da bist" zieht er mich jetzt ebenfalls in eine liebevolle Umarmung. Mit einem Lächeln erwidere ich die Geste, bevor ich mich wieder ein Stück zurückziehe. Mit einem kurzen Blick um die Ecke versichere ich mich, dass Luca bereits zum Rest seiner Familie ins Wohnzimmer verschwunden ist, bevor ich mich wieder Cyril zuwende, auf dessen Gesicht bereits ein geheimnisvolles Grinsen liegt. "Und? Ist alles schon bereit für die Überraschung nachher?", frage ich gespannt und er nickt aufgeregt. "Ich bin so gespannt, ich kann es kaum erwarten Lucas Gesicht zu sehen. Er wird so überrascht sein!"
"Ich weiß!" Zu sagen, dass ich nervös wäre, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts und ich hätte mich heute beinahe schon dreimal übergeben, aber trotz meiner Aufregung kann ich nicht anders, als mit Cyril mit zu fiebern. Er ist einfach der Typ von Schwager, von dem jede Frau nur träumen kann: lieb, fürsorglich, witzig und unglaublich unterstützend. Schon als ich ihn während der Let's Dance Zeit das erste Mal getroffen habe, hat er mich sofort mit offenen Armen in der Familie empfangen und wir haben uns nahezu sofort perfekt verstanden. Ich könnte mir also keinen besseren Verbündeten in dieser Sache wünschen als ihn. "Und sonst hat auch niemand eine Ahnung?"
"Überhaupt keine."
"Gut. Das ist gut." Mittlerweile kribbelt mein Bauch wieder vor Aufregung, was man scheinbar auch nach außen hin sieht, denn Cyril legt mir sofort beruhigend eine Hand auf den Arm. "Entspann dich Christina, das wird super. Ich hab alles genau durchgeplant und dein Geschenk ist auch perfekt, mach dir keine Sorgen."
"Das weiß ich doch", stöhne ich leise. "Aber ich bin trotzdem so aufgeregt, dass ich das Gefühl habe, ich müsste mich gleich übergeben." Cyril grinst, dann tritt er einen halben Schritt zurück und stichelt: "Solange du nicht meine neuen Schuhe triffst..." Ich werfe ihm nur einen bösen Blick zu. Für mehr reicht es nicht mehr, denn in dem Moment streckt Luca auch schon wieder den Kopf aus dem Wohnzimmer und sieht verwirrt zwischen uns hin uns her. "Sagt mal Leute, was ist denn mit euch? Kommt ihr oder was?" Ein letztes Mal drückt Cyril aufmunternd meinen Arm, dann wendet er sich fröhlich lächelnd an seinen Bruder und schiebt ihn mit einem "Schon gut, Mister Ungeduld, wir sind schon da." zurück ins Wohnzimmer, während ich meine Aufregung herunterschlucke und ihnen ebenfalls folge, das kleine Geschenk immer noch fest in der Hand. Viel Platz für meine Nervosität bleibt dann aber eh erst einmal nicht mehr, denn kaum haben wir zu dritt den Raum betreten, kommt auch schon Leben in Lucas Familie, die bereits auf mich gewartet zu haben scheinen, denn fast augenblicklich bin ich von lauter fröhlichen Menschen umringt, die mich mehr als herzlich begrüßen. Cyril hat wirklich nicht übertrieben, er hat sich wirklich um alles gekümmert, die Einladung sämtlicher Verwandter von Luca eingeschlossen. Den Großteil der restlichen Familie kenne ich noch nicht einmal und obwohl ich mich sofort absolut wohl fühle, bin ich doch froh, als mit Marianne irgendwann ein bekanntes Gesicht auf mich zukommt. "Christina! Wie schön, dich endlich mal wieder persönlich zu sehen!", begrüßt sie mich herzlich, bevor sie mich ebenfalls kurz in den Arm nimmt. "Wir haben alle ganz gespannt Let's Dance geschaut und jede Sendung mit dir mit gefiebert." Bei ihren Worten lache ich leise und denke automatisch an meine eigenen Eltern, die mich wahrscheinlich auch nicht hingebungsvoller unterstützen könnten als Lucas Familie das tut. "Dankeschön, ich hab mein Bestes gegeben", entgegne ich immer noch lächelnd, was Marianne nur mit einem überzeugten "Das hast du auf jeden Fall." kommentiert. Sie streicht mir noch einmal lobend über den Arm, dann dreht sie sich zu den anderen herum und klopft begeistert in die Hände. "Na dann können wir ja mit dem Feiern beginnen! Essen und Getränke für Alle sind in der Küche!", verkündet sie strahlend, aber noch bevor sich überhaupt jemand rühren kann - und das will bei Lucas Familie schon was heißen, wenn es um das Thema Essen geht - hat Cyril auch schon den Durchgang zur Küche blockiert. "Also so ganz stimmt das ja nicht. Bevor wir aber mit den Osterfeierlichkeiten anfangen, müssen wir aber noch die restlichen Gäste reinlassen", stoppt Cyril die plötzliche Überschwänglichkeit und ich runzle verwirrt die Stirn. Ich erwarte niemanden mehr und nachdem wir die ganze Aktion hier gemeinsam geplant haben, bin ich mir auch ziemlich sicher, dass ich niemanden vergessen habe. Von Lucas Familie sind alle da, die wir eingeladen haben. Mit einem kurzen Blick in die Runde stelle ich fest, dass auch von den Anderen keiner einen Plan zu haben scheint, von wem oder was Cyril redet und selbst Luca, der sich bisher noch mit einem seiner Cousins unterhalten hat, wirft mir einen fragenden Blick zu. Nur leider hab ich genauso wenig Ahnung wie der Rest. Dementsprechend unschlüssig beobachte ich jetzt, wie Cyril im Flur verschwindet und uns erstmal im Wohnzimmer zurücklässt. Es ertönt ein leises Klicken von draußen, als sich die Haustür öffnet, dann Gemurmel und schließlich Schritte, die sich schnell auf die Wohnzimmertür zubewegen. Im nächsten Moment stolpert mein Herz gewaltig und ich stoße ein Keuchen aus, als sich auf einmal nicht nur meine Mutter, sondern auch mein Vater in den Raum schieben. Irgendwo im Hintergrund entdecke ich auch noch den braunen Haarbüschel meiner Schwester, doch im Moment liegt meine Aufmerksamkeit auf meinen Eltern, die mich jetzt breit anstrahlen. "Überraschung!", ertönt es dreistimmig, während ich einfach nur kopfschüttelnd versuche zu verarbeiten, dass ich gerade nicht träume. "Hallo mein Schatz", flüstert meine Mutter mit einem kleinen Lächeln, das mir sofort die Tränen in die Augen treibt und zieht mich im nächsten Moment auch schon in eine feste Umarmung. Kaum steigt mir ihr bekannter Geruch in die Nase, kann ich das leise schniefen nicht mehr unterdrücken und ich schlinge meine Arme nur noch fester um sie, während ich die Augen schließe und vergeblich versuche, meine Gefühle zu kontrollieren. In letzter Zeit spielt mein Körper sowieso schon verrückt und dass jetzt auch noch meine ganze Familie hier auftaucht, die ich nicht zuletzt wegen Stress durch die letzte Let's Dance Staffel viel zu lange nicht mehr sehen konnte, gibt mir endgültig den Rest. Kurz fällt mein Blick auf Luca, der mich mit einem liebevollen Lächeln von der Seite beobachtet, dann widme ich meine Aufmerksamkeit wieder meiner Familie. Völlig überwältigt lasse ich mich auch noch von meinem Vater in den Arm nehmen, bevor mich ein lautstarkes "Tante Tiiiina!" auf die zwei Wirbelwinde aufmerksam macht, die jetzt voller Übermut auf mich zustürmen und sich so schwungvoll gegen meine Beine werfen, dass ich beinahe das Gleichgewicht verloren hätte, wenn Luca nicht im letzten Moment noch einen Arm um meine Hüfte geschlungen hätte. Beruhigend streicht sein Daumen über meine Seite und ich werfe ihm schnell einen dankbaren Blick zu, ehe ich mich wieder den beiden kleinen Mädchen widme, die jetzt wie zwei kleine Klammeräffchen an jeweils einem meiner Beine hängen und aus ihren großen braunen Augen zu mir aufschauen. "Tante Tina, splielen?", fragt Sophia flehend und ihre Schwester nickt daraufhin so euphorisch, dass ihre hellen Löckchen wild um ihren Kopf fliegen. "Au ja, Lula au splielen!" Luca neben mir lacht leise und auch ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. "Hallo erstmal ihr Zwei", begrüße ich sie lachend, während ich den Beiden liebevoll durch die Haare wuschle. In den zwei Monaten, in denen ich sie Let's Dance bedingt nicht sehen konnte, sind sie ein ganzes Stück gewachsen und gehen mir mittlerweile schon fast bis zur Hüfte. "'allo", tönt es gleich darauf im Chor zurück, was einfach mal wieder viel zu süß ist und mein Herz wie immer aufgehen lässt. Quer durch den Raum fange ich Cyrils Blick auf, der uns und die Kinder mit einem wissenden Lächeln beobachtet und mein Magen beginnt schon wieder zu Kribbeln, sodass ich schnell den Kopf senke und mich wieder auf die momentane Gegenwart konzentriere. Und mit Gegenwart meine ich die zwei kleinen Monsterchen, die sich immer noch erwartungsvoll an meine Beine drücken und scheinbar darauf warten, dass ihre Lieblingstante - nein, den Titel hab ich mir nicht selbst gegeben - sie beschäftigt. Oh, und Luca natürlich auch, denn der wird jetzt von Sophia in Beschlag genommen, die ungeduldig an seinem Hosenbein zieht. "Lula mit Sophia Puppen splielen!", fordert sie energisch und streckt eifrig ihre kleinen Ärmchen nach ihm aus. Luca war schon ein paar Mal mit bei meiner Familie und weiß mittlerweile genau, wie er mit meinen Nichten umgehen muss, aber trotzdem schmilzt mein Herz fast dahin, als er jetzt lächelnd um Sophias zierlichen Körper greift und sie zu sich auf den Arm hebt. Dass die Kleine sich daraufhin überglücklich an seine Brust kuschelt und ihren Kopf gegen seinen Hals drückt, hilft mir dabei natürlich auch nicht, das Kribbeln in meinem Magen in den Griff zu kriegen. "Dann musst du mir aber beibringen wie man das macht, ich hab noch nicht so oft mit Puppen gespielt, weißt du?", erklärt Luca dem Mädchen auf seinem Arm gerade, während er mir noch ein kurzes Lächeln zuwirft und sich dann mit Sophia auf dem Arm der Wohnzimmertür zuwendet. "Aber Lula, das is doch einfach!", höre ich noch ihr Kichern, dann sind die Beiden auch schon im Flur verschwunden. Jetzt wartet nur noch Emma auf meine Aufmerksamkeit, die mittlerweile schmollend vor mir steht und beleidigt ihrer Schwester hinterherschaut. "Sophia hat Lula geklaud!", motzt sie eingeschnappt, bevor sie ihre kleinen Arme vor der Brust verschränkt und aus ihren braunen Augen zu mir aufschaut. "Tante Tina jetz mit mir splielen", befielt sie gleich darauf trotzig und trotz der überwältigenden Situation muss ich leise lachen. Irgendwie erinnert sie mich an Natalia und mich, wenn wir als Kinder etwas haben wollten - und eventuell ähnle ich Emma auch heute noch ein bisschen, zumindest wenn man den ein oder anderer prominenten Tanzpartner fragt, der meine Launen im Training und außerhalb aushalten musste. "Splielen!", meldet sich die Kleine auch prompt wieder zu Wort und das so lautstark, dass sich gleich ein paar Köpfe zu uns herumdrehen. Natürlich haben Mütter sowieso einen sechsten Sinn, was ihre Kinder angeht und so dauert es auch nicht lange, bis Natalia um die Ecke biegt und Stirnrunzelnd zu uns herüber kommt. "Hey Schwesterlein", begrüßt sie mich leise, ehe sie einen amüsierten Blick auf ihre Tochter wirft, die immer noch trotzig mitten im Wohnzimmer steht und ungeduldig darauf wartet, dass ich mich endlich mit ihr beschäftige. "Ärger im Paradies?" Bei dem Anblick muss ich ebenfalls grinsen und schenke meiner Schwester ein erschöpftes Schulterzucken. "Sie ist beleidigt, weil Sophia sich Luca gekrallt hat und sie jetzt mit niemandem spielen kann." Natalia legt nachdenklich den Kopf schief, während ihr Blick besorgt über meine Gestalt fährt, ehe sie mich wieder ansieht. "Ich meinte eigentlich eher dich. Du siehst echt müde aus, wenn ich das so sagen darf." Normalerweise hätte ich sie dafür jetzt gerügt, aber diesmal hat sie wirklich Recht, auch wenn es sich heute um eine positive Art der Erschöpfung handelt, würde ich mal behaupten. Allerdings kann ich ihr das schlecht auf die Nase binden, also versuche ich mich einfach an einem möglichst überzeugenden Lächeln. "Das ist nur alles etwas viel grade, mehr nicht." Natalia sieht nicht aus, als würde sie mir besonders viel glauben schenken aber zum Glück belässt sie es dabei und wendet sich stattdessen Emma zu. "Hey du Süße, lass Tante Tina das doch erstmal alles verarbeiten, okay? Du kannst bestimmt bei Luca und deiner Schwester mitspielen." Mit einem Lächeln geht sie vor ihrer Tochter in die Hocke und sieht sie bittend an. Kurz zögert Emma noch, aber scheinbar scheint sogar sie zu merken, dass ihre Tante gerade nicht wirklich in der Verfassung ist, in der sie einen guten Spielpartner abgeben würde, denn schließlich nickt sie zögerlich und Natalia erhebt sich zufrieden wieder. Dankbar lächle ich meiner Schwester zu, die mir nur kurz tröstend über den Arm streicht, bevor sie ihren kleinen Wirbelwind in den Flur zu Luca und Sophia scheucht, wo sie sich erstmal ein bisschen beschäftigen kann. So sehr ich die beiden liebe, aber momentan herrscht in meinen Gefühle ein größeres Durcheinander als in Lucas Sockenschublade und da kommen mir ein paar freie Minuten ganz gelegen, um mich wieder einigermaßen zu fangen. Tja, Fehlanzeige. Denn wenn man sich im Hänni-Haushalt aufhält, ist Ruhe genauso ein Fremdwort wie ein leerer Kühlschrank und so dauert es genau 2 Minuten und 34 Sekunden, bis meine Gefühle wieder ordentlich durcheinander gewirbelt werden. "Damit hast du nicht gerechnet, stimmts?", ertönt da nämlich prompt eine amüsierte Stimme neben mir und holt mich damit etwas unsanft zurück auf den Boden. Mit großen Augen drehe ich mich zu Cyril um und sehe ihn immer noch fassungslos an. "Hast du das etwa eingefädelt?", frage ich ihn ungläubig, worauf ich nur das typische schiefe Grinsen bekomme, das auch Luca so gut beherrscht. "Ich hab doch gesagt, ich hab alles genau durchgeplant", flüstert er, während er mich kurz an sich drückt, aber mehr als ein sprachlos gehauchtes "Danke" bekomme ich nicht heraus. Sofort ist das altbekannte Brennen in meinen Augen wieder da und ehe ich mich versehe, laufen mir auch schon wieder die Tränen über die Wangen. Meine Güte, wenn das so weitergeht bin ich heute Abend komplett dehydriert. Cyril reicht mir gerade mit einem mitfühlenden Blick ein Taschentuch, als sich auf einmal zwei starke Arme von hinten um meinen Körper legen und ich brauche mich nicht einmal umzudrehen, um zu wissen, dass es Luca ist, der mich an sich zieht. "Alles gut bei dir?", flüstert er so leise, dass nur ich ihn verstehen kann, und dreht mich in seinen Armen herum. Sein Blick fällt auf die Tränenspuren unter meinen Augen, noch bevor ich überhaupt antworten kann, und Luca dreht sich ruckartig herum, um seinen Bruder böse anzufunkeln. "Was hast du zu ihr gesagt, hm?" Cyril weicht sofort einen guten Schritt zurück, die Hände beschwichtigend in die Luft gestreckt. "Ich hab überhaupt nichts gesagt! Außerdem sind das Freudentränen!", verteidigt Cyril sich, bevor er stockt und mich erschrocken ansieht. "Das sind doch Freudentränen, oder?" Lucas Arme legen sich noch fester um meinen Körper, während er besorgt auf mich herunter schaut und ich beeile mich zu nicken, bevor er seinem Bruder noch den Kopf abreißen kann. Schniefend wische ich mir mit den Fingern unter den Augen entlang, während ich versuche meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu kriegen. Ich schaffe es nur mit Müh und Not, einen einigermaßen gefassten Eindruck zu vermitteln und ich bin mehr als froh, dass Luca hinter mir steht, sonst hätten meine Beine wahrscheinlich nachgegeben. Cyril hat mich mit dem Besuch meiner Familie komplett aus der Bahn geworfen und ich hab keinen blassen Schimmer, wie ich das noch bis zur eigentlichen Überraschung aushalten soll, wenn ich jetzt schon komplett fertig bin mit den Nerven. Auf einmal fällt mir auf, dass da ja irgendwie was fehlt. Oder eher jemand. "Wo hast du denn die Zwerge gelassen?", frage ich Luca verwirrt und sehe suchend an ihm vorbei, aber ich kann die Mädchen nirgendwo entdecken. Die Frage klärt sich dann auch schnell, als mein Freund verlegen die Schultern zuckt. "Die spielen alleine mit ihren Puppen weiter. Scheinbar spiele ich immer das Falsche", gesteht er mit einem schiefen Grinsen und ich muss mich wirklich anstrengen, um das Lachen zu unterdrücken. Cyril ist da allerdings wesentlich weniger subtil, denn der macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Situation mehr als amüsiert. "Wow, zwei Vierjährige haben dich aus ihrem Spiel geschmissen? Na das muss man auch erstmal hinkriegen", lacht er, was ihm erstmal einen bösen Blick von Luca einbringt. "Mach du's erstmal besser, Blödmann!" Kopfschüttelnd blicke ich zwischen den Beiden hin und her, aber das Lachen kann ich mir jetzt auch nicht mehr verkneifen. Manchmal glaube ich echt, ich habe zwei kleine Kinder am Hals und nicht einen Freund und seinen Bruder. 

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