19 - Coming Home (Part 4)

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Christina

Nur Freunde.

Das versuche ich mir auch weiter ins Gedächtnis zu rufen als Luca ein paar Minuten später zurückkommt und sofort von hinten seine Arme um meinen Körper schlingt. All die Verunsicherung scheint aus seinem Kopf verschwunden zu sein, als er sanft seine Hände auf meinem Bauch verschränkt und sein Kinn auf meiner Schulter ablegt. Ich spüre seinen warmen Atem an meinem Ohr und höre fast seinen bettelnden Blick in der Stimme, als er verkündet, dass er dem DJ gleich drei Lieder aufgetragen hat. "Kommst du dann jetzt tanzen?" Unschlüssig blicke ich zu Maria, die mir ja eigentlich ihre Geburtstagsbilder zeigen wollte, aber die lächelt bloß wissend. Trotzdem zögere ich. Ihre Worte schwirren mir immer noch im Kopf herum und ich bin mir unsicher, ob es eine so gute Idee ist das weiter durchzuziehen. Andererseits...Das hier war schließlich Lucas Idee und ihm scheint das Ganze nicht das Geringste auszumachen. Also wieso soll ich nicht auch einfach mal ein bisschen Spaß haben?

Es dauert nicht lange, bis ich meine Entscheidung getroffen habe. "Na dann", setze ich also euphorisch an. "Lass uns mal die Tanzfläche unsicher machen!" Grinsend greife ich nach Lucas Hand, die er mir mit einer angedeuteten Verbeugung wie ein Gentleman aus dem 18. Jahrhundert entgegenstreckt und lasse mich von ihm auf die Tanzfläche ziehen. Alleine auf dem Weg dorthin entdecke ich mindestens vier der Frauen aus meinem alten Kurs, die mich argwöhnisch mustern, aber zu meiner Überraschung macht mir das kaum noch etwas aus. Ob das an dem bisschen Alkohol in meinem System liegt - bei meiner Körpergröße wirkt selbst die geringste Menge wie ein Knock-Out - oder an Luca...wer weiß. Aber im Moment ist mir das auch relativ egal. Alleine bei dem Gedanken daran zu tanzen, spannen sich meine Muskeln bereits in freudiger Erwartung an und ich lasse mich nur zu gerne zum Mittanzen animieren. Zum Anfang tanzen wir noch einen schnellen Cha Cha Cha zu "Bloodlines", das Luca sich als Song gewünscht hat, aber schon bald hallen alte Throwback-Lieder durch den Saal, während Luca und ich nur noch lachend und jubelnd einfach irgendwie herumspringen.

Luca

Amüsiert sehe ich dabei zu, wie Christina ausgelassen zur Musik tanzt, ihre sorgfältig gestylten Haare mittlerweile ein wildes Durcheinander aus braunen Strähnen, die ihr um den Kopf wirbeln und an ihrer Stirn kleben. Von den koordinierten Tanzschritten ist schon lange nichts mehr übrig aber wenn ihr mich fragt, sah sie nie glücklicher aus. Ich beobachte sie, bis  das Lied endet und zu einem langsameren Stück wechselt. Nur ein paar Sekunden und einen kleinen Mutausbruch später finde ich mich dicht bei Christina wieder. Ihre Arme hat sie zaghaft um meinen Hals gelegt, während meine Hände an ihrer Taille liegen und zusammen tanzen wir so zu der leisen Melodie. Sanft blicke ich in ihre Augen und schmunzle leicht, als ich den dunklen Fleck entdecke, den Christina immer so liebevoll als ihr kleines Pizzastück bezeichnet. Ich weiß nicht wieso, aber ich fand ihre Augen schon immer faszinierend. Sie haben etwas Einzigartiges. Nicht nur wegen dem besonderen Merkmal, sondern vor allem, weil in ihnen eine solche Wärme liegt, dass man denkt man könnte direkt in ihre Seele blicken. "Weißt du, ich hatte noch nie eine Verabredung zu einem Tanz", unterbricht sie auf einmal das Schweigen zwischen und grinst schief. Ich dagegen bin ehrlich überrascht, als ich den Kopf schräg lege und sie ungläubig mustere. "Was, wirklich? Wieso das denn?"
"Ich schätze es gab nie das richtige Timing dafür", lacht sie leicht, während sie mit einer Hand nachdenklich über meine Schulter fährt, um eine Falte aus dem Stoff meines Hemds zu streichen. "Evgeny war mein einziger Freund bisher und wir waren ja sowieso ein Tanzpaar. Er hat es immer für übertrieben gehalten, so einen Aufriss zu machen und extra in unserer Freizeit noch Tanzen zu gehen, wenn wir eh den halben Tag trainiert haben." Bei ihren Worten runzle ich die Stirn und mein Magen verknotet sich, als mir klar wird wie viele toxische Menschen Christina schon in ihrem Leben hatte, die sie nicht annähernd so behandelt haben, wie sie es verdient hätte. Fast automatisch ziehe ich sie näher an mich heran und ein zufriedenes Lächeln umspielt meine Lippen, als ich verkünde: "Gut, dass ich jetzt dein Date bin." Christina lacht leise und ihr warmer Atem kitzelt meinen Hals, bevor sie ihren Kopf an meine Brust sinken lässt. "Danke Luca. Ich meine es ernst. Ohne dich wäre das hier um einiges unerträglicher." Ich sage nichts mehr dazu, aber das ist auch gar nicht nötig. Stattdessen tanzen wir einfach wortlos weiter, Christinas Kopf immer noch auf die Stelle direkt über meinem Herz gebettet. Selbst als die Musik umschaltet, bleiben wir in den Armen des Anderen, die Welt um uns herum komplett irrelevant.

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