„Wer fliegt schon auf die Malediven? Das ist zur reinsten Touristenfalle geworden. Ich habe gehört, die Seychellen seien die Perlen des Indischen Ozeans!", sagt der blonde Typ neben mir, dem ich den Namen Hans gegeben habe, denn ich kann mich nicht mehr an seinen richtigen Namen erinnern. Aber er sieht aus wie ein Hans, darum nenne ich ihn so.
Ohne es zu wollen, wurde ich in ein Gespräch über Luxusurlaub verwickelt und ich komme nicht mehr raus, denn ich sitze eingepfercht zwischen zwei Kerlen auf der Couch. Hans schwört auf dreiwöchigen Insel-Urlaub im kristallklaren, türkisfarbenen Meer eines exotischen Landes, während Peter – so nenne ich den dunkelhaarigen Kerl zu meiner Linken – der Meinung ist, die Golfplätze in Brasilien seien der letzte Schrei. Ich kann nicht mitreden, denn ich war weder in Ostafrika noch in Südamerika.
„Wart ihr schon einmal auf dem Alpstein?", frage ich die zwei Jetsetter, ehrlich darum bemüht, einen Beitrag zu diesem Gespräch zu leisten.
Hans blinzelt irritiert, während Peter nur einen Schluck von seinem Bier nimmt. Offensichtlich kennen sich die zwei Jungs besser mit Feriendestinationen im Ausland aus, als mit Reisezielen in ihrer eigenen Heimat. Ich merke, dass sie nicht wissen, wovon ich spreche.
„Die steile Klippenwand in den Alpen? Mit dem Restaurant, das dort an der Wand klebt und geile Rösti serviert? Sieht richtig spektakulär aus, wenn das Licht durch die–", will ich sagen, aber da fällt mir Hans ins Wort.
„Ich war mal Klippenspringen in Acapulco!"
Der Stolz in seiner Stimme ist deutlich hörbar und ich bin schwer beeindruckt über seine Fähigkeit, ein Schlagwort aus meiner Aussage aufzugreifen und sofort alles wieder auf sich selbst zu beziehen. Das ist wirklich ein Talent.
„Diese professionellen Springer bringen es dir bei. Man muss einfach Schuhe tragen, wenn man sich ins Wasser stürzt, sonst reisst man sich die Fusssohlen auf. Ich habe das mit einem Freund gemacht, seine Eltern haben dort eine Villa."
„Boah hammer! Das habe ich noch nie ausprobiert. Ich war nur mal Cave-Climbing in Vietnam. Ist auch übel, in der tropischen Hitze an den glitschigen Wänden entlangzuklettern", kontert gleich Peter, als wäre das ein Wettbewerb, wer das verrücktere Ferienabenteuer erlebt hat.
Ich seufze, denn diesen beiden traurigen Gestalten ist nicht mehr zu helfen. Die sind so von ihrem Geld und Leben im Überfluss geblendet, dass sie gar nicht realisieren, wie sie zu erbärmlichen Angebern geworden sind. Mich törnt das jedenfalls nicht an – weder körperlich noch intellektuell – weshalb ich beschliesse, von der Couch aufzustehen.
Sowieso kann ich keinen Beitrag zu dem Thema leisten, denn wirklich weit gereist bin ich selbst leider noch nie. Ich war einmal in Österreich. Ganz weit im Osten: In Wien! Das war dann auch etwa die weiteste Distanz, die ich von meinem Zuhause je entfernt war. Meine Familie konnte sich einfach nie einen Luxusurlaub leisten. Wir sind in dieser Hinsicht nicht die typische Schweizer Familie. Wir schwimmen nicht im Geld.
„Ich geh dann mal", murmle ich und balanciere über die Beine der Herren, die es nicht für nötig empfinden, sie aus meinem Weg zu schieben.
Patricks Wohnzimmer ist nicht mehr so voll wie zu Beginn der Feier. Einige Gäste sind schon nach Hause gegangen. Mein Blick schweift auf die Uhr meines Telefons. Es ist schon fast 2:00 Uhr Morgens! Wenn ich nicht bald ins Bett gehe, dann kann man mich die ganze nächste Woche nicht gebrauchen und das wäre fatal. Ich will ja nicht im verkaterten Zustand meine ersten Tage im Vertrieb verbringen. Sonst werde ich nur bei lebendigem Leib gefressen.
Ich beschliesse die Party zu verlassen und mir draussen ein Taxi zu rufen, das mich zum Bahnhof bringt. Mein Körper schwankt auf den sonst so stabilen Beinen. Ich habe gehörig einen sitzen, aber halbwegs gerade gehen kann ich noch ganz gut.
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Herzbruchversicherung
RomanceAls Emma eines Tages in der Schleuse ihres Arbeitgebers stecken bleibt und beinahe schon ein Testament ihrer Freundin per WhatsApp schreibt, lernt sie den reifen Feuerwehrmann Chris kennen, der sie aus der Situation rettet. Tage später, nachdem Emma...
