3. Kapitel.

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Ein weiteres Mal an diesem Tag schlug Flo die Augen auf. Und ein weiteres Mal sah er sich in seinem Zimmer um, nur um kurz darauf heftig zusammenzuzucken.
Ein Typ saß neben ihm an seinem Bett und starrte ihn durchdringend an. Flo starrte zurück. Einen Moment herrschte Stille, dann sagte der Fremde: "Du weißt wirklich nicht wer ich bin oder?" Flo, der aus irgendeinem Grund auf einmal ein schlechtes Gewissen hatte, schüttelte den Kopf. Der Typ fluchte und stützte den Kopf in beide Hände: "Scheiße! Ich hätt' nie gedacht, dass ich meinem kleinen Bruder mal erklären muss wer ich bin, da wäre es ja wahrscheinlicher gewesen, dass du in der Nationalmannschaft spielst." Flo legte den Kopf ein wenig schief: "Also bist du mein Bruder?" Er nickte: "Ich heiße Daniel." Plötzlich lachte er kurz auf. "Oh Gott, es ist so komisch das zu dir zu sagen."
Auch Flo musste grinsen: "Ich verspreche dir, ich versuche nicht nochmal mein Gedächtnis zu verlieren." "Aber immer noch der alte Humor", Daniel grinste. Einen Moment herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann fragte sein Bruder: "Soll ich dir ein paar Bilder zeigen? Vielleicht hilft das deinem Gedächtnis auf die Sprünge." Als Flo nickte griff er in seine Jackentasche, die über dem Stuhl hing und holte sein Handy hervor. "Wir haben noch einen Bruder", begann er schon dabei zu erzählen. "Er heißt Niki. Ist der Jüngste von uns dreien. Wir..."
In diesem Moment klopfte es an der Tür. "Ja?", rief Flo und sie beide schauten in Richtung Tür, die sich jetzt öffnete und durch die ein ein wenig erschöpft aussehender Doktor Harrison trat. Als er Daniel erblickte, erstarrte er: "Störe ich?" Schnell schüttelte Daniel den Kopf. "Wenn Sie Flo jetzt brauchen, kann ich auch später mit Mum, Dad und Niki wiederkommen. Die wollten sowieso bald vorbeischauen." Doktor Harrison nickte müde: "Gut, ich muss sowieso noch etwas mit euren Eltern besprechen." Daniel lächelte Flo zu: "Dann bis später", erhob sich und verließ den Raum, noch bevor Flo etwas erwidern konnte.
Doktor Harrison wartete kurz bis sich die Tür hinter Daniel geschlossen hatte, dann wandte er sich an Flo: "Ich hab zwei Sachen, über die ich mit dir gerne sprechen würde." Er lief zu dem Stuhl, auf dem eben noch Daniel gesessen hatte und ließ sich darauf fallen. "Als erstes wirst du gleich zum CT gebracht. Das ist wichtig, weil wir wissen müssen, woher deine Amnesie kommt. Keine Angst, es tut nicht weh, aber ich hoffe du hast keine Platzangst?" Flo schüttelte den Kopf: "Nicht das ich wüsste." Obwohl ich ja sowieso nichts mehr weiß, ergänzte er in Gedanken, sprach es jedoch nicht aus. "Gut", der Arzt räusperte sich. "Und als zweites wollte ich dich fragen, ob du dich jetzt bereit fühlst über deinen Traum zu sprechen. Wenn nicht ist das für mich auch in Ordnung, aber dir muss bewusst sein, dass es wirklich wichtig sein könnte."
Flo schluckte: "Ich... weiß nicht mehr besonders viel." Das stimmte. Wie es Träume so an sich hatten, war auch an diesen die Erinnerung verblasst. "Das einzige ist...", er schloss die Augen, versuchte sich die Szene vor Augen zu rufen. Erstaunt stellte er fest, dass es ihm nun viel leichter fiel über seinen Traum nachzudenken, als davor. Wahrscheinlich kam das daher, dass er keine Einzelheiten mehr kannte. "Da war überall Schnee. Ein richtiger Sturm", begann er zu erzählen und runzelte konzentriert die Stirn. "Zuerst bin ich noch gelaufen, aber dann bin ich stehen geblieben und auf einmal war es so kalt. Der Schnee ist immer enger geworden und...", er öffnete die Augen und erblickte einen konzentriert auf ein Klemmbrett kritzelnden Doktor Harrison. "Danach weiß ich nur noch das ich aufgewacht bin." "Gut", der Doktor nickte zufrieden. "Das ist zwar nicht besonders viel, aber ich denke das reicht. Wenn es wirklich so ein Ereignis in deiner Vergangenheit gab, werden sich deine Eltern oder deine Brüder hoffentlich daran erinnern." Flo nickte. Der Arzt stand auf und zwinkerte ihm fröhlich zu. Er schien nun zuversichtlicher gestimmt. "Ich muss dann auch schon weiter. Linda holt dich gleich zum CT ab. Ich komme später nochmal und dann besprechen wir die Ergebnisse, wenn deine Eltern hier sind... Wenn das für dich in Ordnung ist."
Wieder nickte Flo: "Danke, das ist super." "Dafür bin ich hier", der Arzt lächelte, drehte sich um und verschwand mit wehendem Umhang aus der Tür. Verglichen mit dem Zeitpunkt 5 Minuten zuvor, als er hereingekommen war, wirkte er wie ausgewechselt. Für einen Moment fragte sich Flo, was an seinem Traum wohl so besonders gewesen sein könnte, bis auf die eventuelle, verschollene Erinnerung, dann schüttelte er nur den Kopf und grinste.

AngelfootWo Geschichten leben. Entdecke jetzt