Ich saß auf Zarkans warmen Rücken. Wir flogen schon eine ganze Weile ,aber hatten noch kein Glück gehabt. Auf der Suche nach einem Dorf oder einer Stadt hatten wir bis jetzt nur verlassene Mühlen gefunden. Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen und es war sehr neblig , weswegen wir ziemlich tief flogen. Ich kramte aus meinem Rucksack einen warmen Pulli heraus und benutzte ihn um meinen Kopf zu umwickeln. Endlich kein kalter Windzug mehr an meinen Ohren. Bestürzt musste ich feststellen ,dass es schon ziemlich hell geworden war. In der Dunkelheit flogen wir lieber , da es auf jeden Fall unauffälliger war , als mitten am Tag am wolkenlosen Himmel zu fliegen. Meine Gedanken kreisten um meine Familie und wie es ihr wohl gerade ging. Bestimmt saßen Oma und Mom am Küchentisch und zerbrachen sich den Kopf über mein Verschwinden. Aber es gab einen Gedanken der noch schlimmer war. Noch immer hatte ich die Angst vor meinem gestrigen Albtraum nicht abgeschüttelt. Warum starb Zarkan? Was hatten die anderen Drachen zu bedeuten ? Und warum um alles in der Welt sah ich immer Davids Vater in meinen Träumen? Ok ich sah seinen Vater ein wenig verunstaltet aber er war wie ein Eindringling in meinen Träumen. Ich hatte so viele Fragen über die ich mir den Kopf zerbrach. Aber es nützte mir nichts wenn ich die Antworten nicht kannte. Ich wurde wieder vom brummenden Zarkan in die Gegenwart geholt. Die Sonne war nun vollständig aufgegangen und am Horizont konnte man ein kleines Dorf ausmachen , das im Sonnenlicht glänzte. "Klasse! Zarkan wir sind ungefähr in einer Viertelstunde da" ich tätschelte dankend seinen Hals. Endlich Menschen und warmes Essen....oder weiche Betten *-*
Innerlich Rang ich mit Freude und Trauer , da mich Alles an mein altes Zuhause erinnerte. Außerdem konnte ich nicht einfach so mit Zarkan aufkreuzen , ich brauchte ein passendes Versteck für ihn. Der Gedanke ohne meinen Drachen , also hilflos zu sein , beunruhigte mich. Als wir näher kamen suchte ich den Boden nach Verstecken ab. Ohne Erfolg. "Zarkan...du kannst nicht mit in das Dorf. Verstehst du, sie werden dich töten." Zarkan drehte den Kopf in meine Richtung und nickte zustimmend. Im Tiefflug durchkämmten wir das Gebiet und stießen schließlich auf eine weitere verlassene Mühle. Zarkan landete und ich stieg von ihm ab. Kaum war ich unten wirbelte er herum und begann mein Gesicht abzulecken. "Ist ja gut " lachte ich und stieß ihn vorsichtig von mir weg. Er schaute mich ein letztes mal traurig an und sprang dann mit einem groß Satz auf das Dach der Mühle. Ich winkte zum Abschied und begann in Richtung Dorf zu Laufen. Noch lange spürte ich Zarkans beobachtenden Blick in meinem Rücken. Jetzt war ich auf mich allein gestellt und atmete tief ein.
Vor mir lag das Dorf. Es hatte wunderschöne violette Dächer , die in der Sonne glänzten. Mein Blick schweifte umher und als ich näher kam sah ich die Mauer. Eine große und unüberwindbare Mauer umgab das Dorf wie ein Kokon. Ich schluckte. Wo eine Mauer war , dort gab es auch Tore und wo Tore sind gibt es auch Wächter. Was würde ich sagen wenn sie mich fragen woher ich komme? Ich konnte nichts anderes tun als es einfach auf mich zukommen zu lassen. Vorsichtig nährte ich mich dem Hölzernen Tor. Die Sonne hing noch ziemlich niedrig und ich schätzte die Uhrzeit auf acht oder spätestens neun. Als ich am Tor angekam war niemand zu sehen. Meine Hand glitt über die dunkel verfärbten Holzbretter die mit Schrauben aneinander befestigt waren. Die Sonne fiel von hinten auf meinen Körper und wärmte mich. Ich nahm den Pullover von meinem Kopf , er hatte seinen Zweck erfüllt. Dann begann ich nach einer Möglichkeit zu suchen , wie ich hineingelangen könnte. Ziemlich weit oben am Tor befand sich ein hölzerner Riemen , der wahrscheinlich dafür gedacht war das Tor mit einem Holzpflock zu verbarrikadieren. Mehr fand ich nicht. Ich seufzte und begann erst links und dann rechts vom Tor der Mauer zu folgen. Aber auch hier fand ich nichts was mir hätte weiterhelfen können. Jetzt stand ich wieder vor den Tor und wagte einen versuch "H..Hallo?" Zuerst war meine Stimme leise, aber dann wurde ich lauter:"Halllo!! Ist da jemand?...Kann mich jemand hören?"*Stille*Ich versuchte es noch ein paar mal, aber hatte keinen Erfolg. Dann hatte ich eine Idee. Ich suchte den Boden nach großen Steinen ab und als ich welche gefunden hatte , begann ich sie über die Mauer zu werfen. Ich warf so Weit ich konnte. Der letzte Stein lag schwer in meiner Hand. Er war spitzer als die anderen Steine. Mir war klar das ich warten musste bis jemand das Dorf verließ. Der Findling auf dem ich mich niederließ war kalt und hart. Aus Langeweile begann ich den Stein in meiner Hand noch schärfer zu schleifen. Nach einiger Zeit hielt ich triumphierend eine kleine messerscharfe Waffe in die Höhe. In der Sonne glänzte mein neues Messer wie ein frisch geschliffener Edelstein. Zumindest hatte ich jetzt etwas womit ich mich verteidigen konnte. Im Notfall könnte ich damit jemanden richtig verletzen. Dann kam mir aber eine andere Idee und ich begann zu strahlen. Natürlich! Ich stand auf und breitete meinen Pullover auf meiner Sitzgelegenheiten aus. Dann begann ich mit meinem spitzen Stein den weichen Stoff auseinander zu reißen. Als ich endlich fertig war bewunderte ich mein Werk. Der Pullover hatte mich zwar oft Warm gehalten , aber jetzt konnte ich ihn wenigstens noch als Schal benutzen. Zumindest gab es noch Verwendungsmöglichkeiten und ich hatte ihn nicht verschwendet. Dann ging ich wieder auf das hohe Tor zu und brauchte mehrere Anläufe um den Pullover um die hölzerne Schlinge zu schleudern. Dann griff ich nach den Enden und band sie rasch zusammen. Geschickt kletterte ich mit beiden Füßen am Tor und den Händen am Stoff immer höher , bis ich mich nach Luft ringend auf die andere Seite gleiten ließ. Wieder festen Boden unter den Füßen , schaute ich mich erst einmal um. Links und Rechts verliefen zwei Gassen um ein großes Wirtshaus. Ein Blick durchs Fenster genügte und ich erkannte das es geschlossen hatte. Es hätte mir ohne Geld ja ohnehin nicht viel genützt. Als ich dem rechten Weg folgte hörte ich desto weiter ich ging wie Stimmen und Marktgeschrei lauter wurden. Die Gasse mündete auf einem großen Marktplatz. Zuerst stand ich da und begutachtete die vielen Stände , aber dann schmiss auch ich mich ins Gedränge. Bei so vielen Menschen würde selbst ich nicht groß auffallen. Als ich an einem Apfelstand vorbeikam sah ich das der Verkäufer mit einem Kunden beschäftigt war und angelte mir im Vorbeigehen einen großen roten Apfel aus dem Korb. Dann verschwand ich wieder in der Menge um kurz darauf an einer Fischbude einen Hecht mitgehen zu lassen. Ich hatte meinen Rucksack nicht dabei und schob mir angewidert den Fisch unter mein Shirt. Dann verließ ich den Markt und suchte mir einen geeigneten Platz zum ausruhen. Ich legte mich auf den sonnenbeschienenen Bürgersteig einer unbelebten Straße. Irgendwann kam ein alter Mann vorbei und ließ zwei Dukaten vor mir auf den Boden fallen. Ich griff gierig nach dem Geld und drehte es im Licht der Sonne. Dann nickte ich ihm dankbar zu , aber der Mann war schon verschwunden.
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Drachenmädchen
FantasyNur sie weiß es nur sie kann es prophezeien.....die Drachen leben! Näher als jeder glaubte Nur sie erkennt das Gutmütige in den riesenhaften Kreaturen die , die Wächter um jeden Preis von der Stadt fernhalten wollen. Kann sie die Massenabschlachtun...
