Ich saß in meinem Zimmer. Angelehnt an die Lehne meines Bettes glitt mein Blick quer durch den Raum und blieb am Spiegel hängen, indem ich mich halb sehen konnte. Ich hatte einen grau-schwarze Strickjacke über einen warmen weinroten Pullover gestreift. Dazu hatte ich eine schwarze Hose mit Loch am Knie und braune abgenutzte Hausschuhe mit weichem Fell gewählt. Außer einer goldenen Herzkette trug ich keinen Schmuck. Meine Gedanken kreisten um meine Begegnung von letzter Woche. Ich war danach noch zweimal im Wald gewesen hatte aber keine Drachenspuren mehr gefunden. Einerseits beruhigte mich diese Tatsache, aber andererseits musste ich mir eingestehen, dass ich ihn schon gerne noch einmal von weitem gesehen hätte. Mit einem Kopfschütteln verjagte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf und machte mir einen unordentlichen Dutt. Ich öffnete den Herzanhänger um meinem Hals und betrachtete meine Familie und mich in der linken Hälfte. Fünf Köpfe lächelten mir freudig entgegen. Ganz links meine Mutter neben meinem Vater, nach ihrer Trennung hatte ich sie schon lange nicht mehr so glücklich zusammen gesehen. Neben ihnen standen meine Großeltern die schon lange nicht mehr in Burningborough wohnten. Und ganz vorne im Bild stand ich mit einem strahlenden Lächeln. Kein Wunder , wir hatten damals viel öfter schöne Familientreffen. Melancholie keimte in mir auf :"Hör auf dich selber zu bemitleiden !" Sagte ich streng zu mir und betrachtete die linke Seite des goldenen Herzens. Hier befand sich ein etwas älteres Bild meines Freundes. Damals, als wir uns kennenlernten hatte er noch lange Haare gehabt. Auf dem Foto stand er in irgendeiner alten Ruine, die braunen Haare glänzten in der Mittagssonne. Er lächelte mir stolz entgegen, was seine braunen Augen noch mehr hervorhob. Ich musste augenblicklich sein Lächeln erwidern. Dann klappte ich das Herz mit einem klick wieder zu. Ich hatte David seit unserer letzten Außeinandersetzung nicht mehr gesehen und machte mich auf den Weg in mein Türmchen, indem ich einen Großteil meiner Tage verbrachte. Oben angekommen klappte ich den dunkelbraunen Eichensekretär auf und rückte meinen Hocker zurecht. Dann griff ich in die kleinste der Schubladen um eines der dünnen Streichhölzer aus der Dose zu fingern. Die Dunkelheit erschwerte es mir überhaupt erst einmal die Dose zu finden. Ich rieb es an der rauen Erkerwand an und entzündete meine vier Kerzen, die ich hier oben verteilt hatte. Meine Augen waren auf die Straße gerichtet, als ich plötzlich eine Bewegung wahrnahm. Eine großgewachsene Gestalt mit schwarzem Mantel löste sich aus der Dunkelheit und trat in das Licht der Fakeln. Ich beobachtete die Gestalt mir wachsendem Interesse. Sie überschritt die Straße mit großen Schritten und verschwand in Daniels Hauseingang. Ich lachte über mich. Ich hatte tatsächlich geglaubt es wäre ein Einbrecher. Dabei war es nur mein Freund gewesen. Kopfschüttelnd blies ich die Kerzen aus und machte mich auf den Weg nach unten. Die letzten Stufen überwand ich mit einem Satz und stoppte um die würzig, leckeren Gerüche aus der Küche einen Moment zu genießen. Meine Großmutter kochte immer Gerichte für mich , die ebenso lecker rochen. Tänzenlnd und mit neuer Freude erfüllt ging ich Richtung Küche. Der Geruch wurde intensiver , es war eine Mischung aus würziger Tomatensoße und etwas anderem, leicht fischigem. Ich drehte mich mit Schwung durch die große Drehtür der Küche. Heißer Dampf und Kochgerüche stiegen mir entgegen."Schätzlein..." meine Oma kam trällernd und mit geöffneten Armen auf mich zu, jetzt war der Abend wirklich gerettet."Oma!"Ich fiel in ihre Arme und drückte sie fest an mich, der Geruch ihres Parfums stieg mir in die Nase."Hast du Hunger? Sie säuselte mir ins Ohr und drehte sich um, um mir einen vollen Teller mit Muscheln und Tomatensoße zu überreichen."Du bist vielleicht groß geworden, Süße." "Ja?aber nicht viel größer als vorher". Ich musste lachen. So etwas bemerken nur Omas."Ich dachte ich statte euch zwei schönen heute mal einen Besuch ab.Und da bin ich gerade noch schnell in den Supermarkt gehüpft um das hier zu besorgen." Sie deutete mit einem Kopfnicken auf den Teller in meiner Hand."Schön das du mal wieder hier bist Oma."Ich machte mich auf den Weg ins Esszimmer " Moom! " Kaum hatte ich die Tür geöffnet, sah ich wie sie noch schnell die letzten Kerzen anzündete. "Setz dich, Schatz."Meine Mutter hatte ihre Haare zu einem strengen Pferdeschwanz geflochten und rückte sich einen Stuhl zurecht um Platz zu nehmen.Sie stützte das Gesicht in ihre Hände:"So....jetzt habe ich aber Hunger. Du auch?" "Mhmh". Als wir alle vollständig waren , begann Oma von früher zu erzählen . Ich aß so schnell als hätte ich seit einer Woche nichts mehr gegessen. Oma hatte kurze, Fuchs rote Haare , die ihr in Locken um ihr schmales Gesicht fielen. Ihr Kupfer farbener Lippenstift betonte ihre großen haselnussbraunen Augen. Als wir alle fertig waren brachte sie mich ins Bett wie sie es früher immer getan hatte. Ich lag lange Zeit wach und genoss das Geräusch, dass unten entstand als die beiden miteinander redeten und die Teller spülten. Ich liebte es mit Geräuschen einzuschlafen. Die warme Decke umschloss mich wie eine Schutzhülle. Ich schloss die Augen. Gleich morgen früh würde ich überprüfen ob ich wirklich gewachsen war.
DU LIEST GERADE
Drachenmädchen
FantasyNur sie weiß es nur sie kann es prophezeien.....die Drachen leben! Näher als jeder glaubte Nur sie erkennt das Gutmütige in den riesenhaften Kreaturen die , die Wächter um jeden Preis von der Stadt fernhalten wollen. Kann sie die Massenabschlachtun...
