Kapitel 8

172 16 0
                                        

Ich war vorbereitet,stand fest entschlossen am Waldrand. Auf meinem Rücken hatte ich einen großen Rucksack geschnallt. An meiner Seite baumelte mein Schwert in der Scheide. Ich stellte den Rucksack ein letztes mal ab um zu überprüfen ob ich alles dabei hatte. Ein Seil, eine alte Streichholzschachtel , eine Dose mit Proviant und einer großen Wasserflaschen. Tatsächlich hatte ich das wichtigste vergessen und rannte noch einmal zurück um es zu holen. Dabei bemerkte ich nicht den Mann der sich aus dem Schatten der Bäume löste und meinen Rucksack begutachtete. In der Küche angekommen suchte ich nach dem Teller den ich mir gestern Abend beiseite gestellt hatte. Er stand nicht mehr an seinem alten Ort. Ich vernahm die Schritte meiner Mutter in der Eingangshalle und beilte mich mit dem Suchen, da sie womöglich wissen wollte wohin ich ging. Endlich wurde ich fündig und fand dem Teller im Schrank. Ich verpackte das Steak notgedrungen in zwei Servierten und schaffte es gerade noch rechtzeitig aus dem Fenster zu klettern. Ich stellte mich an die raue Hauswand bis ich mir sicher war, dass meine Mutter die Küche verlassen hatte. Dann endlich atmete ich geräuschvoll aus. Der Adrenalin Spiegel  in meinem Körper schwächte sich ab und ich schnappte mir meinen Rucksack und verschwand im Dickicht. Die schwarze Gestalt die mich beobachtet hatte tat es mir nach. Langsam nährte ich mich dem Bach , diesmal vernahm ich kein eigenartiges Plätschern also ging ich zurück zu der abgelegenen Stelle. So von nahem war die Fläche größer als ich gedacht hatte. Womöglich gab es noch mehr Drachen in diesem Wald. Dieser Gedanke jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Meine Nackenhaare streubten sich und ich fuhr mir mit der Hand durch mein nassgeschwitztes Gedicht. Die Nervosität brodelte in mir und ich war kurz vor einem Rückzieher , als er plötzlich vor mir stand. Ich bewegte mich in Zeitlupe und öffnete meinen Rucksack ,worauf der Drache mit einem dumpfen Knurren reagierte. Ich wusste nicht was bei mir durchgebrannt war , aber ich sagte etwas in der Richtung wie:" Keine Angst I..ich tue dir nichts." Meine Stimme war leise und ich stotterte vor Angst , doch das Knurren wurde leiser. Die Nüstern des Drachens zitterten. Er hatte wohl das Steak gerochen und kam mir bedrohlich nah. Als ich das schmackhafte Stück Fleisch dann in der Hand hielt machte ich einen Schritt nach vorne:" hier....das ist für dich." Der Drache schnupperte daran und fing dann wieder an mich an zu Knurren. Erst wusste ich nicht was ich falsch gemacht hatte , bis es mir auffiel. Dann tat ich das Dümmste was man in meiner Situation hätte tun können und legte mein Schwert auf den kalten Waldboden. Augenblicklich war der Drache bei mir nahm blitzschnell das Steak von meiner Hand , wobei er mir seine vielen riesigen Zähne entblößte, und verschwand. Ich sank erleichtert auf dem Boden zusammen und konnte kaum glauben was gerade passiert war. Das Augenpaar das mir gefolgt war hatte genug gesehen. Nach einiger Zeit die ich auf meinem Rucksack dösend verbracht hatte hörte ich die Schritte des anmutigem Wesens das zurückkehrte. Ich blieb liegen und tat so als würde ich schlafen. Von meiner Position aus sah ich den riesigen Schatten, den der Drache an die Bäume warf. Ich würde fast ganz in sein Maul passen. Bei diesem Gedanken wurde mir noch kälter und ich begann zu zittern. Dann erstarrte ich , an meinem Becken spürte ich die Flanke des Drachen der sich offensichtlich gerade neben mir zusammengerollt hatte. Meine Augen weiteten sich und ich traute mich nicht einen Blick über meine Schulter zu werfen. Stattdessen blieb ich liegen. Ich spürte wie sich die Atmung des Drachen verlangsamte. Alles hier wirkte so einschläfernd auf mich und meine Gedanken kreisten. Warum um alles in der Welt war ich noch nicht tot? Jedes Kind wusste wie gefährlich Drachen waren und wie viele Drachen Wächter bei Drachen Angriffen ums Leben kamen. Vielleicht ist er nur lieb zu dir , weil du lieb zu ihm bist...vielleicht , weil du ihn gefüttert hast...vielleicht weil jeder andere ihn direkt umgebracht hätte. Ich grübelte wie er wohl hieß. Wahrscheinlich hatte er gar keinen Namen und mir gingen gleich mehrere durch den Kopf. Schwarzer Alptraum...neiiin zu bedrohlich...Kalifer....Zarkan. Vielleicht ist er ja auch ein Weibchen...

Ich stellte mir vor wie es wohl wäre mit einem Drachen an seiner Seite und verjagte den Gedanken gleich wieder, da dies in unserer Stadt unmöglich wäre. So wie in jeder anderen auch. Ich seufzte ein wenig zu laut und bemerkte die Bewegung an meinem Rücken. Der Drache war aufgestanden , das konnte ich spüren. Erneut keimte die Angst in mir auf , die ich krampfhaft versuchte zu unterdrücken. Das grollen hinter mir brachte mich dazu aufzuspringen und den Boden nach meinem Schwert abzusuchen. Dann geschah etwas , was ich niemals erwartet hätte. Er senkte seinen Kopf so weit, daß er fast den Boden berührte. Seine Flügel waren links und rechts auf den Boden gelegt und mir verschlug seine atemberaubende Schönheit den Atem. Die Schuppen des Drachen glänzten in der Nachmittagssone wie Kohlen im Feuer , seine Augen waren auf mich geheftet und sein Blick durchbohrte mich. Dann machte ich etwas, was ich mich nie im Traum getraut hätte. Ich streckte ganz langsam und vorsichtig meine Hand aus. Unsere Augen waren aufeinander gerichtet und plötzlich berührte ich seine glatten , warmen Schuppen. Der Drache ließ es zu und es fühlte sich so gut an. Meine Finger glitten über den starken Hals bis hin zu den Flügeln. Dort hielt ich inne. Beide Hände auf der ledrigen, schwarzen Flügelhaut überlegte ich ob ich das unmögliche wagen sollte. Alles in mir streubte sich gegen den Gedanken, doch das Mutige in mir brachte mich dazu es einfach zu tun. Ich ging zurück zu seinem Hals und kletterte behutsam zwischen die starken Schulterknochen des Drachen. Meine Augen schlossen sich wie von alleine , aus Angst vor dessen Reaktion. Mit einer leichten Schaukelbewegung erhob sich der Drache und ich schwebte nun circa vier Meter über dem Waldboden. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lächeln und ließ meine Hände an seinen warmen Hals ruhen. Dann setzte sich der Drache langsam in Bewegung und ich wippte , wie auf einem Pferd hin und her. Nach einiger Zeit erreichten wir das Ende des Waldes und mein Drache wurde schneller. Er bewegte sich in einem angenehmen Rhythmus und ich genoss den Wind der mein Gesicht umspielte. Doch mein Lächeln verschwand als ich die Klippe erblickte. Um uns herum war nur noch hohes Gras das sich im Wind wiegte. Ich spielte kurz mit den Gedanken aubzuspringen, doch das wäre Selbstmord gewesen.

Mein Herz raste in meiner Brust und schlug heftig gegen meinen Brustkorb , sodass ich dachte es müsste explodieren. Dann breitete der Drache seine Flügel aus und der Boden war in wenigen Sekunden nicht mehr klar auszumachen. Ich krallte mich an das knöcherne Flügel Ende , das sich im Takt auf und ab bewegte. Nach einiger Zeit hatte ich mich beruhigt und begann meine Situation zu genießen. Die Sonne blendete mich und ich sah nach unten um wieder klar sehen zu können. Was ich dort sah verschlug mir den Atem. Unter uns sah ich große Waldstücke die von hier oben winzig wirkten. Als ich mich umdrehte erkannte ich die Dächer von Burningborough in der Abendsonne glitzern. Wir flogen auf die Sonne zu die mittlerweile tief am Horizont hing. Ich stieß eine Freudensschrei aus und hob die Arme um die Freiheit eines Vogels noch mehr spüren zu können. Ich konnte kaum glauben , dass das hier gerade wirklich geschah.

Erst als es schon dunkel war verließ ich den Wald um mich auf den Weg nachhause zu machen. Auf halber Strecke sah ich eine Gestalt, die aus Davids Hauseingang kam und wollte gerade auf sie zurennen als ich bemerkte , dass es nich David war. Dann zog die Gestalt ihre Kapuze ab und ich konnte im Licht der Fakeln lange blonde Haare ausmachen.

DrachenmädchenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt