Nachdem Scaramouche seine Assistentin wieder wegschickt hatte, nimmt er erneut den Stapel Papiere zur Hand, der neben ihm auf dem Schreibtisch liegt. Er hatte ein paar Nachforschungen anstellen lassen und möchte nun jegliche nützliche Information daraus ziehen.
Einen Großteil des Stapels hat der Harbinger bis kurz vor Mitternacht bereits durchgesehen. Immerhin fand er bereits ein paar interessante Dinge heraus, doch dies alleine genügt ihm nicht.
Er gräbt noch tiefer. Und plötzlich fällt ihm etwas in die Hände. Eine Fotografie. Das Bild einer Frau.
Nachdenklich hebt der Balladeer das Foto hoch und dreht es in den Fingern hin und her. Er benötigt ein paar Sekunden, um zu verstehen. Dann fällt es ihm jedoch wieder ein. Auf seinen Lippen bildet sich aufgrund dieser Erkenntnis ein boshaftes Grinsen.
Dies würde alles verändern.
...
Nahe des Wuwang Hangs sitzt eine Frau am Rande einer Klippe. Sie starrt schluchzend in die Tiefe hinab, als plötzlich jemand von hinten an sie heran tritt. Es ist der sechster Fatui Harbinger, welcher auf seinem Weg nach Liyue auf sie aufmerksam wurde.
,,Alles in Ordnung?" fragt der Dunkelhaarige sie freundlich. Die Frau dreht sich jedoch nicht zu ihm um. Stattdessen sieht sie weiterhin nach vorne auf die Landschaft unter ihren Füßen.
,,Hey, willst du vielleicht darüber reden?" versucht Scaramouche es erneut, ,,es gibt doch für alles eine Lösung."
,,I-ich... ich kann das nicht mehr."
Noch immer blickt die Frau nicht zurück. Ihre Stimme zittert. Sie wirkt vollkommen ausgelaugt. Als hätte sie bereits mit ihrem Leben abgeschlossen. Allerdings sieht der Balladeer in des einen Verzweiflung, eine Chance diese für sich selbst zu nutzen.
,,Erzähl es mir, vielleicht kann ich dir ja weiterhelfen... und wenn nicht lasse ich dich in Ruhe," schlägt der Harbinger ihr nüchtern vor. Endlich dreht die Frau den Kopf zu ihm um und mustert seine Erscheinung. Seltsam. Sein Aussehen wirkt viel zu kindlich für seine Ausstrahlung. Der Dunkelhaarige lächelt freundlich und nickt ihr mit einer Hand am Hut zu.
,,Meine Familie," seufzt sie schließlich mit bitterer Stimme und gesenktem Blick, ,,sie braucht mich. Aber ich verdiene nicht genügend Mora und schaffe es nicht sie neben der Arbeit auch noch regelmäßig zu besuchen. Ich will ihnen ein besseres Leben ermöglichen, aber ich-... ich kann nicht mehr."
Die Frau dreht sich wieder in Richtung des Abgrunds. Der Wind weht ihr durch das Haar, während ein paar Tränen auf ihren Wangen glitzern. Jegliche Hoffnung in ihren Augen ist erloschen.
Und das macht sie zu einer perfekten Kandidatin.
,,Das mag vollkommen banal und womöglich sogar ein wenig lächerlich klingen, doch... du weißt sicher nicht, wie es ist in eine Familie geboren zu werden, deren Erwartungen von deiner Geburt an einzig und alleine auf dir liegen... i-ich habe es einfach so satt."
Ihre Hände verkrampfen. Neue Tränen bilden sich in ihren Augen und rinnen ihre Wangen hinab. Die Gesichtszüge des Harbingers verändern sich kurzzeitig. Eine Emotion, welche Scaramouche kaum mehr innewohnt spiegelt sich darin wieder.
Empathie.
So schnell dieser Ausdruck auftauchte, verschwindet er allerdings auch wieder. Seine Gesichtszüge verhärten sich. Nun liegt nicht mehr als die übliche Kälte in den Augen des Dunkelhaarigen.
,,Aber was wäre denn so schlimm daran diese Erwartungen zu enttäuschen?" fragt der Balladeer sie schmunzelnd, ehe seine Mundwinkel fallen, ,,wenn sie dich deswegen verstoßen, haben sie es nicht besser verdient, als daran zugrunde zu gehen."
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To Be Hated By Her
FanfictionDer Grad zwischen Liebe und Hass ist sehr schmal, so sagt man... Doch in Luanas Fall kann davon nicht die Rede sein. Sie hasst den Mörder ihrer großen Schwester mit jeder Faser ihres Körpers. Dies könnte ihr allerdings früher oder später zum Verhäng...
