Kapitel 7

133 13 0
                                        

Ich eilte durch das Schloss der Kriegsnymphenfamilie. Momentan versammelten sich die Todesser, um in ungefähr einer Stunde gleichzeitig die Häuser von Ordensmitgliedern und ihren Familien zu stürmen. Tatsächlich würde weder ich noch der dunkle Lord mitgehen. Er wollte sofort nachkommen, wenn eine Gruppe Potter entdeckte und ich – ich hatte gesagt, ich würde Natasha mal wieder besuchen. Schließlich hatte ich sie jetzt schon seit fünf Tagen nicht mehr gesehen. Eine fürsorgliche große Schwester musste mal wieder zu ihr.
Tatsächlich hatte ich mich auch mit ihr getroffen. Sie saß oben und ließ sich gerade von Susanne ein Ohr abkauen. Wenn noch Zeit blieb, würde ich mich auch noch zu den beiden setzen, aber erstmal hatte mein Plan, Harry und den anderen mal wieder den Arsch zu retten, Vorrang. Und ich hatte auch schon eine Idee, wie ich das unerkannt bewerkstelligen konnte.
Ich hatte die letzte Nacht wach gelegen und darüber nachgegrübelt. Eigentlich war es relativ simpel. Ich konnte mit Hilfe von Zaubern mein Aussehen minimal verändern. Andere Haar- und Augenfarben waren überhaupt kein Problem. Natürlich, meine Gesichtszüge könnten mich verraten, aber dafür hatte ich auch schon eine Lösung gefunden. Eine die unten bei den Kobolden auf mich wartete. Wenn sie mitspielten. Da ich allerdings bisher noch kein Messer verloren hatte, ging ich davon aus, sie würden es tun.
Ich erreichte endlich die Räumlichkeiten der Kobolde. Aus der Schmiede hörte man den Lärm von einem Schleifstein und von woanders hörte ich eine Nähmaschine. Hier unten wurde also mal wieder schwer geschuftet. Zum Glück wollte ich nicht allzu viel arbeit machen.
Kaum hatte ich allerdings den Bereich der Kobolde betreten, kam auch schon Eglor auf mich zugeeilt.
„Patricia, wir fühlen uns geehrt, dass du uns mal wieder herunterkommst."
Ich merkte, wie ich rot anlief. Seitdem ich vom Fluch befreit worden bin, war ich noch nicht wieder hier gewesen. Und in dem Jahr ohne Gefühle natürlich auch nicht. Zu meiner Verteidigung, ich war auch nicht wirklich oft hier gewesen. Aber als ich es war, hätte ich mal hierherkommen können. Klar, hatten mich alle überfallen und ich hatte mit den ganzen Menschen und Hauselfen schon alle Hände voll zu tun gehabt, trotzdem ... Und jetzt kam ich herunter, um ihre Schatzkammer zu plündern. Doch daran konnte ich nichts mehr ändern.
„Ich wollte mir etwas von einer ehemaligen Nymphe ausleihen. Natürlich nur wenn ihr es gestattet", gab ich kleinlaut zu.
„Natürlich. Natürlich. Auch wenn wir dir empfehlen würden, uns etwas Neues für dich anfertigen zu lassen. Etwas, dass auf dich abgestimmt ist."
Ich biss mir auf die Unterlippe. Normalerweise würde ich das Angebot sofort annehmen, doch heute fiel mir dafür eindeutig die Zeit. Unsere Kobolde arbeiteten schnell, doch sie hatten weniger als eine Stunde, um meinen Wunsch zu erfüllen. Auch sie brauchten Zeit, um das Gewünschte anzufertigen. Allerdings würde es wahrscheinlich nicht schaden, wenn ich zukünftig etwas passendes bei mir im Schrank hatte. Falls ich das nächste Mal jemanden den Arsch retten musste, brauchte ich nicht auf die Sachen einer anderen Nymphe zurückgreifen.
„Ich brauche es schon in einer Stunde", gab ich zu, weshalb der Kobold verstehend nickte und mir mit einer Geste bedeutete, endlich zu den Räumlichkeiten zu gehen, in denen die Waffen meiner Vorgänger aufgestellt worden waren.
Wie immer wenn ich den Raum betrat, war ich sofort etwas aufgeregt. Das hier war für mich die größte Schatzkammer, die wir hatten. Ich betrachtete gerne die Dinge, die andere Kriegsnymphen vor mir genutzt hatten. Jeder hatte seine speziellen Vorlieben gehabt. Manche bevorzugten Magie und andere, so wie ich, Muggelwaffen. Es gab einfach nichts über eine schöne scharfe Klinge. Weshalb ich wohl leider heute auf sie verzichten musste. So wie Harrys Markenzeichen die Schockzauber waren, schrien Messer Patricia. Insgesamt würde ich Muggelwaffen heute nicht nutzen, denn sie wurden eigentlich nur von der Kriegsnymphenfamilie genutzt. Und ich wollte ja nicht, dass morgen hier die Todesser vor der Tür standen.
Auch wenn ich am liebsten wie bei jedem Besuch hier, erstmal zu Otreres Sachen gelaufen wäre, zog es mich heute zu denen einer anderen Nymphe. Genauer gesagt zu der vierten Kriegsnymphe, die es jemals gegeben hatte. Otreres und Ares jüngste Tochter Antiope. Ich biss mir beschämt auf die Unterlippe, als ich mir die Sachen ansah, die sie einst auf dem Schlachtfeld getragen hatte. Was Ares wohl davon hielt, dass ich nun ihre Sachen nutzte? Normalerweise würde ich ihn jetzt einfach fragen, doch er lag noch immer versteckt im Malfoy Manor, also konnte ich das nicht. Mal davon abgesehen, hatte ich keine Alternative, also war es wohl in Ordnung.
Mein Blick heftete sich an die zwei Rüstungen der ehemaligen Kriegsnymphe. Zum einen gab es diese typisch goldene, die zu der damaligen Zeit von den Amazonen getragen wurde. Auch ihre unterschied sich nur in wenigen Details von den drei ihrer Vorgängerinnen. Doch sie hatte sich auch eine Weitere anfertigen lassen. Eine ganz in Schwarz. In weiten Teilen erinnerte sie an meinen Catsuit. Ein schwarzer enganliegender Einteiler. Das Besondere war allerdings, dass oben eine Kapuze angenäht worden war. Die Mund- und Nasenpartien waren ebenfalls durch Stoff verdeckt, sodass man die Gesichtszüge nicht richtig erkennen konnte.
Ich konnte vielleicht nicht mein gesamtes Aussehen ändern, weil ich kein Metamorphmagus war, aber dieser Anzug würde definitiv mit einer anderen Augen- und Haarfarbe dazu führen, dass man mich nicht mehr erkennen würde.
„Er könnte dreckig werden", stellte ich wahrheitsgemäß fest, weshalb Eglor ergeben brummte. Wahrscheinlich hatte er sich schon gedacht, dass ich mir das Outfit nicht auslieh, um damit bei den Malfoys im Salon zu sitzen. Aber dafür war es natürlich auch nicht gemacht.
„Und ich brauche irgendetwas, das aussieht wie ein Zauberstab. Ich kann nicht zauberstablose Magie anwenden", fügte ich noch hinzu.

Hexagramm - PhönixrufWo Geschichten leben. Entdecke jetzt