Kapitel 10

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Noch immer etwas verschlafen, schlurfte ich nach unten zum Esszimmer. Mir war bewusst, wie angespannt dort die Stimmung sein würde. Sie war so, seitdem Andromeda und Ted entführt worden waren. Bellatrix hoffte jeden Tag darauf, dass ich endlich den Tod der beiden verkündete, Narzissa hingegen hatte jedes Mal Angst davor.
Eigentlich hatte ich gedacht, die Mutter würde sich beruhigen, wenn ich ihre Schwester aus dem Haus schaffte. Das war allerdings nicht der Fall. Vielleicht weil sie nicht abschätzen konnte, ob ich nun ihre Schwester umgebracht hatte oder nicht. Die Option gab es schließlich auch noch. Eigentlich hatte ich allerdings gedacht, Draco würde seiner Mutter sagen, wie es um ihre Familie stand. Bisher war es allerdings wohl noch nicht geschehen. Also blieb es wohl auch an mir hängen.
Ich betrat das Esszimmer. Der Esstisch war noch relativ leer. Genauer gesagt, saß bisher nur Narzissa dort und las im aktuellen Tagespropheten. Die perfekte Gelegenheit, um sie über den Gesundheitszustand ihrer Schwester aufzuklären.
„Morgen", begrüßte ich sie. Zielsicher lief ich zu dem Platz ihr gegenüber. Dort machte ich es mir gemütlich. Kaffee landete in meiner Tasse.
Narzissa sah von der Zeitung auf. Sie schenkte mir ein kurzes Lächeln, bevor sie sich wieder den Artikeln zuwandte. Ich sah mich noch einmal in dem leeren Raum um, doch es war wirklich niemand hier.
„Du solltest mal bei Jessica vorbeisehen", stellte ich fest, während ich anfing, mein Brötchen zu schmieren.
„Bei Jessica?", kam die etwas verwirrte Antwort von Narzissa.
„Ja, bei Jessica. Ich habe das Gefühl, du würdest gerne mit ihrem Besuch reden", stellte ich fest.
„Also geht es ihr gut?"
„Ihnen beiden sogar. Sie sind unentschlossen, ob sie nun bleiben wollen oder nicht. Also nicht, dass sie eine Wahl hätten. Aber ich wäre froh, wenn ich sie nicht bis zum Ende des Krieges in ihr Zimmer dort sperren müsste. Also wenn du mit Andromeda reden willst, würde ich es machen, bevor sie sich entscheiden, abzureisen, und ich sie einsperre."
„Sie wird mich nicht sehen wollen, Patricia."
„Willst du dich bei ihr entschuldigen?"
„Eine Entschuldigung macht nicht alles wieder gut, Kleines."
„Ich weiß, aber ich würde nicht sterben wollen, ohne dass meine Familie weiß, dass es mir leid tut. Ich habe Briefe für den Fall der Fälle geschrieben, weil ich nicht zu ihnen gehen kann. Du schon. Du hast gerade die Chance, zu Andromeda zu gehen, damit sie weiß, wie du dich in Bezug auf euch fühlst. Und wer weiß, vielleicht freut sie sich ja darüber. Wenn nicht heute, dann ist sie vielleicht in ein paar Wochen bereit, mit dir zu reden."
„Wann bist du nur so weise und erwachsen geworden, meine Kleine?"
„Viel zu früh", stellte ich fest. Ich merkte, wie mir ein paar Tränen in den Augen brannten. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, während ich sie bestimmt weg blinzelte. Das hier war weder der richtige Ort noch die richtige Zeit für solche Ausfälle.
„Steht etwas interessantes im Tagespropheten?", fragte ich freundlich nach.
„Nicht wirklich. Es gibt eine Gesetzesänderung, die dafür sorgt, dass Adina, Jamie und Draco zum September nach Hogwarts zurückkehren müssen. Das heißt, sie werden aus diesem Haus herauskommen. Weg von ihm. Und du auch."
Mir wurde die Zeitung hingehalten, sodass ich den längeren Artikel über eine neu eingeführte Schulpflicht in Hogwarts sehen konnte. Ich verzog mein Gesicht. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, in das Schloss zurückzukehren. Der Unterricht dort interessierte mich beim besten Willen nicht. Von hier konnte ich kommen und gehen wie ich wollte, aber dort? Ich hatte Zweifel, dass es dort ebenfalls so einfach funktionieren würde. Man würde bestimmt nicht alle ehemaligen Lehrer durch Todesser ersetzen. Die freien Stellen aber schon. Das hieß, dort würde ich mich vor beiden Seiten in acht nehmen müssen. Dabei war eine Seite schon anstrengend genug.
„Ich will nicht zurückkehren, Narzissa. Ich bin hier draußen viel hilfreicher, als eingesperrt in Hogwarts", stellte ich fest.
„Severus wird Schulleiter werden. Du kannst dort also kommen und gehen wie du willst. Und dort hast du nicht ihn und Bellatrix, welche die ganze Zeit ein Auge auf dich haben", wurde mir entgegnet.
„Aber dafür ein Haufen Lehrer und Schüler", erwiderte ich.
„Ich denke, dort ist der bessere Platz für euch vier. Denke einfach darüber nach, in Ordnung?"
Ich nickte ergeben, wenn es Narzissa damit besser ging, würde ich darüber nachdenken. Auch wenn ich nicht wirklich einen Sinn in einer Rückkehr nach Hogwarts sah.

Hexagramm - PhönixrufWo Geschichten leben. Entdecke jetzt