Unruhig lief ich durch das Zimmer. Draco lag noch im Bett und schlief tief und fest. Kein Wunder, wenn man bedachte, dass wir gerade kurz nach vier hatten. Eigentlich würde ich auch gerade gerne dort liegen. Mit geschlossen Augen und friedlich schlafend. Doch das war mir nicht vergönnt.
Mein Kopf lief auf Hochtouren. Er konnte es einfach nicht akzeptieren, dass ich momentan nichts für Andromeda und Ted tun konnte. Nicht einmal ein schneller Tod war drin. Ich würde meine Rolle als Tahnea voll und ganz durchziehen müssen, auch wenn es mir überhaupt nicht passte.
Doch so wirklich damit abfinden konnte ich mich nicht. Daher tigerte ich die ganze Zeit durchs Zimmer und grübelte darüber nach, wie ich das Blatt doch noch wenden konnte. Wo ich einen Ort fand, wo ich sie wenigstens schnell umbringen konnte. Alles schien mir allerdings viel zu riskant.
Natürlich konnte ich in das Haus gehen, welches mir Sirius vererbt hatte. Dort gab es aber ein hohes Risiko, dass der Orden auf mich wartete. Ich war noch immer davon überrascht, nicht bei meinem letzten Aufenthalt dort gefunden worden zu sein. Aber wahrscheinlich hatte es mir damals noch in die Karten gespielt, dass ich eigentlich die ganze Zeit in Hogwarts gewesen war. Jetzt, wo ich offiziell von dort weg war, würden sie es sicherlich anders handhaben.
Kein Haus, kein Frankreich, kein Deutschland. Ob ich wohl Yasmine um Hilfe bitten konnte? Oder Natasha. Gerade Letztere wollte ich allerdings sehr ungern einweihen. Natürlich wusste sie von meinem Doppelagentenleben und sie ging auch ganz gut damit um, aber – es war etwas viel, sie darum zu bitten, in ihrer Wohnung Sirius Cousine und dessen Ehemann umbringen zu dürfen. Vor allem weil beide wirklich nette Menschen waren.
Nein, das wollte ich ihr lieber ganz behutsam beibringen. Wenn ich sie zu sehr schockierte, würde sie bestimmt mit unseren Großeltern darüber reden und die würden damit nicht klarkommen. Bisher hatte ich sie noch nicht einmal darin eingeweiht, wie ich gerade lebte. Nachdem sie Marlon so angefahren hatten, dachte ich mir, dieses Detail würde ich noch etwas für mich behalten. Da musste man wirklich nicht mit den absolut dunklen Abgründen anfangen.
Ich fing an, mir die Haare zu raufen. Irgendeine Lösung musste es doch geben. Verdammt noch mal, ich hatte das letzte Schuljahr damit verbracht mir als Tahnea tausende von alten Zaubern durchzulesen. Da musste doch irgendetwas dabei sein. Ein Zauber, um die beiden keine Schmerzen spüren zu lassen. Einer, um die Zeit zurückzudrehen und sie doch einfach noch zu rechnen. Einer, um das perfekte Versteck für sie zu beschwören.
Ich stockte. Vielleicht nicht das perfekte Versteck, aber ein ziemlich gutes konnte ich erschaffen. Einen nützlichen Zauber hatte Tahnea damals gefunden, sich aber nur darüber geärgert. Sie hatte vermutet, es war der Zauber, mit dem vor Ewigkeiten das Schloss von Kira versteckt worden war. Ein mächtiger Schutzzauber, der nur ausgewählten Personen das Gebäude zeigte. Ähnlich wie der Fidelius-Zauber, nur das hier die Auswahl jederzeit wieder entzogen werden konnte. Der Grund, warum ich momentan nicht mehr auf das Gelände von Kiras Schloss kam.
Leider oder aus heutiger Sicht zum Glück hatten die Informationen nicht zum Brechen des Zaubers gereicht. Dafür brauchte man nämlich genauso viel Magie, wie beim Erschaffen des Schutzes. Laut den Notizen in dem Buch war der Zauber immer zu zwölft gesprochen worden. Daher war Tahnea davon ausgegangen, sie bräuchte die anderen Nymphen, um in das Schloss zu kommen. Das Glück der Leute dort.
Doch ich würde ihn rekonstruieren können. Ich könnte ein Gebäude mit diesem Zauber einfach verschwinden lassen. Und dafür brauchte ich nicht einmal alle Nymphen. Nur möglichst viele wären gut. Allerdings hatte ich natürlich auch ein paar auf meiner Seite, die ich bei dem Plan mit einbeziehen konnte.
Ich sah auf die Uhr im Raum. Halb fünf. Die Zeit drängte also. Bevor die anderen wach wurden, wollte ich alles über die Bühne gebracht haben. Und am liebsten auch, bevor der dunkle Lord von seinem nächtlichen Ausflug zurückgekehrt war. Denn ihn wollte ich eigentlich nicht mit einbeziehen. Natürlich war eine Nymphe mehr erstmal gut, aber so gab ich ihm natürlich keine Gelegenheit eine Hintertür für sich einzubauen.
„Draco!" Ich rüttelte an der Schulter meines Klassenkameraden. „Draco! Wach auf. Wir haben zu tun."
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Hexagramm - Phönixruf
FanfictionDreizehn Nymphen, dreizehn Flüche. Sieben Horkruxe, drei zerstörte. Tahnea ist besiegt, Patricias Fluch ist gebrochen. Doch nun bleibt ihr nur kein Jahr, bevor sie stirbt. Kein Jahr, um die Vorgängernymphen und ihren Vater aus der Zwischenwelt zu be...
