Nervös trat ich von einem Fuß auf den anderen, während ich noch einmal meine Ausrüstung überprüfte. Auch wenn ich davon ausging, dass ich für ein Messerarsenal bei einem Kampf in der Luft wahrscheinlich keine Verwendung hatte, wollte ich es trotz allem bei mir haben. Außerdem konnte man nie wissen, wofür es gut sein würde. Wenn ich abstürzen würde, wäre ich vielleicht froh darüber.
Als Nächstes wandte ich mich meiner eigentlichen Aufgabe zu. Dem anziehen. Nackt konnte ich schließlich nicht auf diese Mission gehen. Das wäre ziemlich kalt. Daher griff ich nach meinem schwarzen Catsuit. Der Stoff schmiegte sich angenehm und vertraut an meinem Körper. Liebevoll strich ich über die eingestickten Blumen an meinem Ärmel. Eine Primel und eine Ehrenpreis. Ausnahmsweise waren die beiden Pflanzen in Schwarz eingestickt worden, anstelle in irgendeiner knalligen Farbe.
Ich riss mich von den Pflanzen los. Jetzt war keine Zeit dafür. In einer Viertelstunde ging es los und dieses Mal konnte ich nicht einfach mit einer halben Stunde Verspätung auftauchen.
„Draco, könntest du den Reißverschluss zumachen?", fragte ich die andere Person im Raum. Ich drehte mich zu meinem Klassenkameraden um, welcher noch immer auf meinem Bett lag. Mittlerweile wirkte er allerdings nicht mehr so tiefentspannt, wie nach unserem gemeinsamen Nachmittag dort, sondern wieder sehr besorgt.
„Bleibst du hier, wenn ich es nicht tue?", wurde ich vorsichtig gefragt.
„Nein, dann mache ich ihn mir selber zu. Ich kann nicht hierbleiben. Tahnea hätte es sich niemals nehmen lassen, Harry zu schnappen, also muss ich mitgehen."
„Deine Familie wird auch dort kämpfen. Das ist dir bewusst, oder?"
„Ich weiß, Draco. Aber so ist das Leben als Doppelagent nun einmal. Gefällt es mir? Nein, natürlich nicht, aber ich wusste, worauf ich mich einlasse. Sei froh, dass du hierbleiben kannst. Genieße für die zwei Stunden das leere Haus. Und wenn ich wieder da bin, freue ich mich sehr wahrscheinlich über Gesellschaft. Also wenn du auch Lust dazu hast. Schließlich haben wir schon den ganzen Nachmittag in meinem Bett verbracht."
„Wenn du Gesellschaft brauchst, bin ich da. Das ist wohl das Mindeste, was ich für dich tun kann, wo du schon Adina, Jamie und mich beschützt."
Ich schüttelte leicht den Kopf. Das sah ich sehr anders. Ich machte nicht viel mehr, als sie von den schlimmsten Missionen auszuschließen. Erst für heute hatte ich verhindert, dass der Schüler mit musste, weil ich über seine schlechten Fähigkeiten als Duellant gelästert hatte. Als reinen Ballast hatte ich ihn vor allen Todessern bezeichnet. Nett ging anders. Und beschützen vermutlich auch. Denn so schob ich ihn immer weiter runter in der Hackordnung.
Doch mein Klassenkamerad schien das entweder zu verdrängen oder sich nicht dafür zu interessieren. Jedenfalls stand er auf, stellte sich hinter mich, schloss den Reißverschluss und schlang seine Arme um mich. Sein Kopf wurde auf meiner Schulter platziert, weshalb ich das Gefühl bekam, er würde mich so bald nicht gehen lassen. Umso überraschter war ich, als er sich schon ein paar Sekunden später seinen Kopf hob.
„Ich bin froh, dass wir dich haben. Du bist eine sehr gute Freundin. Potter ist ein Idiot, weil er immer übersehen hat, was für ein gutes Herz du hast."
Mir wurde noch ein kurzer Kuss auf die Wange gedrückt, weshalb ich anfing, traurig zu lächeln. Die Worte taten auf der einen Seite ganz gut, gerade da ich gleich auf meine ganze Familie treffen würde, die glaubte, ich wäre ein Monster, doch auf der anderen Seite hatte ich genau das erreichen wollen. Mal davon abgesehen, hatte ich mich unter dem Fluch auch wie ein Monster verhalten. Verdammt, ich hatte mich einfach durch die Welt gemetzelt.
„Draco, du solltest mich nicht zu sehr auf ein Podest heben. Ich habe schon wirklich sehr viel Mist gebaut und ich werde es auch weiterhin tun. Verstehe mich nicht falsch, ich halte meinen Weg für den Richtigen, aber ich denke nicht, dass mir alle zustimmen werden. Wenn heute jemand stirbt, dann auch weil ich auf der Seite der Todesser gekämpft habe, nicht auf der des Ordens. Ich opfere Menschen für ein höheres Wohl, das muss man nicht gut finden."
„Ich finde es gut, was du machst."
Jedenfalls solange ich nicht ihn opfern musste. Nicht, dass ich es vorhatte. Ich wollte jedes Opfer vermeiden, aber ich würde es im Notfall tun. Das wir mir klar. Aber ihm auch?
Ich schnitt das Thema allerdings nicht an. Gerade würde es nichts bringen, Draco unter die Nase zu reiben, dass er am Ende wie eine Schachfigur ein Opfer sein könnte, in der Schlacht von Voldemort und mir. Niemand war sicher auf unserem Schachbrett, wo wir unaufhörlich Figuren hin und herschoben, um am Ende den anderen in den Rücken zu fallen und zu töten.
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Hexagramm - Phönixruf
Hayran KurguDreizehn Nymphen, dreizehn Flüche. Sieben Horkruxe, drei zerstörte. Tahnea ist besiegt, Patricias Fluch ist gebrochen. Doch nun bleibt ihr nur kein Jahr, bevor sie stirbt. Kein Jahr, um die Vorgängernymphen und ihren Vater aus der Zwischenwelt zu be...
