Das Tor, welches das Grundstück der Malfoys vor der Außenwelt abschirmte, schwank auf und gab mir somit den Weg auf das Gelände frei. Der Kies knirschte unter meinen Füßen, während ich mich erneut dem Gebäude darauf näherte. Von außen wirkte darin alles ruhig, allerdings war ich mir absolut sicher, das täuschte. Voldemort würde wahrscheinlich gerade die Nerven verlieren, weil ihm erneut Harry Potter entkommen war. Und das, obwohl er sich schon im Keller der Malfoys befand.
Ich erreichte die Eingangstür des Herrenhauses. Davor lagen noch immer regungslos die Greifer, welche sich mit Bellatrix angelegt hatten. Ich ließ sie einfach dort zurück. Für ihr Überleben würde ich sicherlich nicht meinen Hals riskieren. Und auch nicht den der Malfoys. Ich ging in letzter Zeit zwar eindeutig zu viele Risiken ein, doch irgendwo zog ich dann doch eine Grenze. Und bei diesen Leuten lag sie eindeutig.
Anstelle bei den Greifern kurz halt zu machen, um ihnen ein Entkommen zu ermöglichen, stieß ich die Eingangstür auf. Auch im Haus war es gespenstig still. Eine Tatsache, die mir mehr Sorgen bereitete. Schreie, die auf Folter hingewiesen hätte, wären mir zwar auch nicht Recht gewesen, doch sie hätten gezeigt, hier war noch etwas zu retten. Die Stille konnte ich allerdings nicht einschätzen. Hatte sich der dunkle Lord schon wieder beruhigt? Oder hieß es, ich war zu spät gekommen? Hatte er die gesamte Familie Malfoy als Strafe umgebracht und ich konnte nur noch Dracos und Narzissas Leichen beerdigen?
Ich lief zum Salon, dessen Tür verschlossen war. Vielleicht war es auch einfach nur so still, weil ich immer Schutzzauber auf den Raum legte, damit niemand von außen hören konnte, was ich dort drinnen mit Finnlay anstellte. Oder eben nicht anstellte. Bei der Hektik heute hatte ich sie nicht wieder gelöst und vermutlich auch sonst niemand.
Bevor ich auch diese Tür öffnete, atmete ich noch einmal tief durch. Ich ging noch einmal mögliche Szenarien im Kopf durch, um mich auf das schlimmste gefasst zu machen.
Dann öffnete ich die Tür.
Die Szene dahinter erinnerte ein wenig an eine Familie. Der Vater hatte sich wütend vor seinen Kindern aufgebaut und machte sie nun zur Schnecke, weil sie Mist gebaut hatten. Nur mit dem Unterschied, dass die Leute, die gerade angeschrien wurden, nicht mehr minderjährig waren und ihre Strafe auch sicherlich nicht aus Hausarrest bestehen würde.
Voldemort stand in der Mitte des Raumes. Nagini schlängelte sich zischelnd um seine Füße, während sie die eigentlichen Bewohner dieses Hauses im Auge behielt. Ich fragte mich, ob sie Schlange wohl hoffte, einer von ihnen würde ihr Mitternachtssnack werden. Wie so viele Opfer von Voldemort vor ihnen.
Die Bewohner des Hauses hielten es wohl auch nicht für allzu abwegig. Bellatrix hatte sich vor ihren Meister hingekniet und schien ihn anzuflehen, ihr Gnade zu erweisen. Ich hatte allerdings Zweifel, dass man ihr welche erweisen würde. Nicht nach meiner Aussage über ihren Entschluss. Sie hatte schließlich die Entscheidung getroffen, nicht sofort Voldemort zu rufen. Mr Malfoy hatte es gewollt, aber sie hatte ihn daran gehindert. Und nur so konnte Harry entkommen. Weil sie Angst hatte, das Schwert von Gryffindor wäre aus ihrem Verlies gestohlen worden.
Narzissa hingegen hatte ihren Sohn mal wieder schützend an sich gezogen. Es war ein wenig albern, dass sie anscheinend glaubte, ihn so vor dem dunklen Zauberer beschützen zu können. Dafür war es schließlich schon sehr lang zu spät. Dafür hätte ihr Ehemann wahrscheinlich schon in seiner Jugend sein Leben anders gestalten müssen.
„Wie ich hörte, hat Bellatrix meine Spielzeuge verlegt", ergriff ich das Wort und zog somit die Aufmerksamkeit auf mich.
„Basílissa", wurde ich vom dunklen Lord begrüßt. In seiner Stimme war eine Mischung aus Wut und Missfallen zu hören. Vermutlich hatte er gehofft, die Ereignisse hier wären noch etwas länger vor mir verborgen geblieben. Ich hatte schon schlechte Laune gehabt, als man Finn gefangen genommen hatte. Und jetzt hatte man ihn verloren. Man hatte Tahneas Eigentum verloren.
„Jemand ist hier eingebrochen und hat alle Gefangenen befreit. Die Malfoys haben nicht richtig aufgepasst. Ich bin gerade dabei die Sache zu regeln", wurde mir mitgeteilt.
„Ihr habt die Sache nicht zu regeln. Bellatrix wollte nicht, dass ihr gerufen werdet. Wärt ihr hier gewesen, hätte es sicherlich niemand gewagt, Potter und meine Spielzeuge zu befreien. Ihr habt sie mir versprochen. Also werdet ihr ihr auch kein Haar krümmen. Ich lege ihre Strafe fest, ich führe sie aus", verlangte ich im kühlen Ton. Tahnea hätte sich sicherlich die Gelegenheit entgehen lassen, Bellatrix Lestrange zu foltern. Auch wenn ich gerne darauf verzichten konnte. Aber was tat man nicht alles für seine Tarnung?
„Wärt ihr geblieben, hätte es auch niemand gewagt, die Gefangenen zu befreien", spukte mir Bellatrix entgegen. Also Antwort bekam sie nur einen kalten Blick von mir. Dieses Argument war zwar nicht von der Hand zu weisen, allerdings würde ich mir nicht die Schuld in die Schuhe schieben lassen. Ihre Entscheidung, ihre Verantwortung.
„Warum sollte ich bleiben, wenn es hier für mich nichts zu tun gab? Du hast Panik geschoben, weil das Schwert von Gryffindor hier aufgetaucht ist. Sehr amüsant übrigens. Hättest du nicht deinen eigenen Kopf retten wollen, hätte Lucius sofort unsere Lordschaft hergerufen. Aber nein, du musstest Granger foltern, um herauszufinden, wie sie an das Schwert gekommen ist. Dabei war es nie das gewesen, welches in deinem Verlies lag. Das eine ist eine sehr gute Fälschung, das andere das Original."
„Hättet ihr es mir sofort gesagt, hätte ich nie einen Grund gehabt, mit dem Rufen zu warten!", schrie Bellatrix wütend.
Ich ignorierte die Frau allerdings. Vermutlich stimmte der dunkle Lord ihr zumindest in diesem Punkt zu. Auf mir lag ebenfalls Schuld, weil ich nicht darauf bestanden hatte, den dunklen Lord zu rufen. Es war allerdings egal. Anders als sie musste er mich bei Laune halten, wenn er meine Hilfe haben wollte. Er durfte auf keinen Fall bei meinen Spielen mit Bellatrix hereinfuschen und für sie Partei ergreifen. Ich folterte sie nicht zu Tode. Mehr konnte er nicht verlangen. Mit Psychospielen musste sie leben und sie alleine musste die Konsequenzen für die Folgen tragen.
„Ich überlasse euch die Bestrafung, Basílissa", wurde mir wenig überraschend mitgeteilt. „Denkt aber daran, sie ist eine mächtige Hexe. Für bevorstehende Kämpfe werden wir sie noch brauchen."
Foltern, kein töten. Eine Anweisung, mit der ich gerechnet hatte. Und eigentlich war ich auch ganz froh darüber. Jemanden zu Tode zu foltern, gehörte wirklich nicht mehr zu meinen Hobbys. Bei Bellatrix müsste ich allerdings genau das tun. Stunden- vielleicht sogar tagelang foltern, bevor sie schließlich starb. Schließlich war Tahnea ein sadistisches Miststück gewesen.
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Hexagramm - Phönixruf
FanfictionDreizehn Nymphen, dreizehn Flüche. Sieben Horkruxe, drei zerstörte. Tahnea ist besiegt, Patricias Fluch ist gebrochen. Doch nun bleibt ihr nur kein Jahr, bevor sie stirbt. Kein Jahr, um die Vorgängernymphen und ihren Vater aus der Zwischenwelt zu be...
