Ungeduldig lief ich hin und her. Noch immer keine Nachricht von Snape und ich hatte alles getan, was ich bis hierher tun konnte. Die Kriegsnymphenfamilie wusste Bescheid und hatte sich kampfbereit gemacht. Das Gleiche galt für Deutschland, Kanada und meine kleine Natasha. Sobald Harry hier auftauchte, würde ich ihn mir schnappen und all die anderen Nymphen herbeten. Als Gegenleistung würde ich ihre Liebsten gehen lassen und in Ruhe lassen, solange sie mir nie wieder auf die Füße treten würden.
Jetzt konnte ich nichts anderes mehr machen, als abzuwarten. Wo blieb Harry nur? Bestimmt würde Voldemort seine Verstecke kontrollieren und bald hier auftauchen, um die Fälschung von mir abzuholen. Ob er wohl bemerken würde, dass nicht mehr das echte Diadem im Raum der Wünsche lag?
„Komm her, Süße. Wir können gerade nichts tun", stellte Finn fest, der gemütlich auf meinem Bett saß und bei meinen Runden zusah. Mir wurden die Arme entgegengestreckt.
„Ich weiß, dass wir nichts tun können. Deshalb ist es ja so schlimm. Ich will endlich kämpfen!" Seit einem Jahr hielt ich nun fast durchgängig meine Füße still. Also abgesehen von meinen kurzen Aufritten als Lyra. Ich wollte endlich meine Klingen zücken und wirklich etwas gegen die Todesser tun. Morgen würde ich wahrscheinlich sterben, allerdings würde ich dabei möglichst viele von ihnen mitnehmen.
„Bald ist es so weit, Süße. Jetzt mache nicht auf den letzten Metern schlapp."
Ich gab ein unzufriedenes Brummen von mir. Doch schließlich hörte ich auf, hin und her zu rennen. Stattdessen lief ich zum Bett, nur um mich an Finn zu kuscheln. Ein letztes Mal wollte ich ins seinen Armen so tun, als wäre alles in Ordnung. Als hätten wir wirklich eine Zukunft.
„Ich weiß, dass ihr euch bereitmacht zum Kampf", schallte in diesem Moment Voldemorts Stimme durch den Raum, weshalb ich erschrocken aufsprang. „Eure Bemühungen sind zwecklos. Ihr könnt mich nicht besiegen. Ich will euch nicht töten. Ich habe Hochachtung vor den Lehrern von Hogwarts. Ich will kein magisches Blut vergießen. Gebt mir Harry Potter und keinem soll ein Leid geschehen. Gebt mir Harry Potter und ich werde die Schule unversehrt lassen. Gebt mir Harry Potter und ihr sollt belohnt werden. – Ihr habt Zeit bis Mitternacht."
Mir blieb die Spucke weg. Voldemort ging davon aus, Harry wäre hier. Aber warum hatte mir Snape nicht Bescheid gesagt? Und wenn sich die Schule kampfbereit machte, um sich gegen Voldemort zu verteidigen, was war dann mit meinem Verbündeten? Was war mit Draco, Adina und Jamie? Hatte man sie gefangen? Waren sie auf dem Weg hierher? Hatten sie es anders vom Schulgelände geschafft? Allerdings waren alle Geheimgänge vom Schulgelände versiegelt worden. Der Einzige, der noch existierte, war meiner.
„Ich muss meine Leute hier herausbringen", verkündete ich Finn und eilte schon in Richtung Ausgang. Mein Freund sprang ebenfalls auf und holte mich an der Wohnungstür wieder ein.
„Dort oben wird gleich eine Schlacht toben, Patricia. Wenn Harry hier ist und man deshalb die Verteidigung von Hogwarts vorbereitet, wird man ihn kaum ausliefern."
„Genau deshalb muss ich sie holen. Ich habe versprochen, Adina, Jamie und Draco zu schützen. Außerdem brauche ich Adina und Harry für den Zauber. Ich kann es mir nicht leisten, dass die Wassernymphe jetzt von der Gegenseite gefangen genommen wird und wir sie erst vor dem Zauber befreien müssen."
Mein Freund nickte verstehend, allerdings wirkte er nicht wirklich glücklich über meine Antwort. Vermutlich machte er sich Sorgen, was mit mir in einem Schloss voller Schüler und Lehrer geschah, die dazu entschlossen waren, die Todesser aufzuhalten. Sie würden mich wohl kaum einfach gehen lassen, wenn sie mich in die Finger bekamen. Aber dafür mussten sich mich erstmal stellen.
„Ich werde auf mich aufpassen, Babe. Ich werde eine Konfrontation mit den Leuten hier vermeiden. Und pass später auch auf dich auf."
„Keine Sorge. Azura hat mich gut trainiert. Und bis der Zauber nicht gesprochen ist, verstecke ich mich hier. Deine Schutzzauber werden schon verhindern, dass ich Besuch kriege. Und falls doch, wedel ich mit dem Ausweis der MACUSA und erzähle von meinem Auftrag, dich umzubringen. Dass er nicht mehr aktuell ist, muss bis zum Ende der Schlacht ja niemand wissen."
„Ich ..." Eigentlich wollte ich endlich Finn sagen, dass ich ihn liebte. Dass ich mir sicher war, ihn schon längst verziehen zu haben und falls ich durch ein Wunder überleben wollte, ein Leben mit ihm haben wollte. Allerdings musste ich daran denken, wie ich Blaise das erste Mal diese Worte gesagt hatte. Bevor ich ins Ministerium gegangen war und mich in Tahnea verwandelte. Ich würde wahrscheinlich sterben. Wollte ich schon wieder mit diesen Worten lebwohl sagen?
Und dann dachte ich an meine Schwangerschaft. War ich bereit für Finn mein Kind aufzugeben? Unser Kind? Nein, eigentlich nicht. Ich hatte Adina nicht grundlos gesagt, dass ich erstmal für mich eine Entscheidung treffen wollte und musste. Unabhängig von meinem Freund. Würde ich es für ihn aufgeben, würde ich mir das selbst und ihn nie verzeihen. Jetzt gerade fühlte ich mich allerdings unter Druck gesetzt: Er oder das Kind.
„Ich weiß. Ich liebe dich auch. Wenn das alles vorbei ist, beenden wir unser Gespräch. Es wird alles gut werden, Süße", wurde mir versprochen.
Ich nickte nur als Antwort. Ja, es würde alles gut werden. Die Frage war nur, ob alles gut auch hieß, dass wir zusammen blieben.
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Hexagramm - Phönixruf
FanfictionDreizehn Nymphen, dreizehn Flüche. Sieben Horkruxe, drei zerstörte. Tahnea ist besiegt, Patricias Fluch ist gebrochen. Doch nun bleibt ihr nur kein Jahr, bevor sie stirbt. Kein Jahr, um die Vorgängernymphen und ihren Vater aus der Zwischenwelt zu be...
