Kapitel 12

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Ich höre, wie einer seiner Kollegen vorschlägt: "Jungs, lasst uns ins 808 gehen. Mit unseren Outfits kommen wir da locker rein. Aber Bruder, du musst dich dringend umziehen. Mit diesen Blutflecken lassen sie dich niemals rein." Leyla schaut mich und Arzo an und sagt: "Mädels, seid ihr dabei? Wir gehen heute feiern."  Doch ich lehne entschieden ab.

"Das kommt überhaupt nicht in Frage." Auch Arzo stimmt mir zu und erwähnt, dass ihr Freund es nicht gutheißen würde. Leyla versucht weiterhin, uns zu überzeugen. "Leute, bitte kommt. Wir machen es nur ein einziges Mal, versprochen. Außerdem waren wir noch nie im Club. Arin, bist du nicht neugierig, wie es da drinnen so aussieht?"

Ihr Argument bringt mich zum Nachdenken. Ich bin tatsächlich neugierig, obwohl ich wegen Arzo nicht ins Club gehen möchte. "Ach, Mädels, ich möchte ungern als Störfaktor dienen", sagt Arzo. "Ich versuche es meinem Freund einfach später zu erklären. Lasst uns einfach die Erfahrung machen." Arzo gibt schließlich nach. "Deshalb seid ihr zwei die Besten", sagt Leyla.

"Ihr helft einer Freundin, ihren Traumtypen zu erobern. Ihr wisst nicht, wie dankbar ich euch zweien dafür bin." Während wir uns auf den Weg zum 808 Club machen, kann ich nicht aufhören, über Kian nachzudenken. Er hat heute den Leuten geholfen, und das spricht für sein Helfersyndrom. Aber gleichzeitig ist er ein Clubgänger, was für mich ein weiterer Grund ist, mich von ihm fernzuhalten.

"Schaut euch die Boys an, wie die mit dieser teuren Karre fahren, und wir müssen mit der Bahn einfach dahin", sagt Leyla frustriert. "Arin will ja nicht, dass ihr Lover Daris uns fährt", gibt Arzo von sich. "Hey, stopp, er ist nicht mein Lover", sage ich schnell, um Missverständnisse zu vermeiden. Nach einer kurzen Bahnfahrt sind wir auch schon an der Station Zoologischer Garten angekommen.

"Hier muss dann wohl dieser Club 808 sein", bemerke ich zu den Mädels. "Leyla, wenn dein Typ von heute nicht da ist, bringe ich dich um. Wir sind nur wegen dir hier", sagt Arzo mit einem Augenzwinkern. Ich frage mich, ob Leyla wirklich etwas von diesem Kian will. Was sieht sie überhaupt in ihm? Nichts ahnend gehen wir weiter zu Fuß und sehen schon eine sehr lange Schlange.

Wofür stellen sich diese Menschen nur an? Nur damit sie mit Hunderten von anderen auf einer Tanzfläche tanzen können? Ein Ort, an dem Männer nur gaffen und Frauen anmachen, natürlich auch umgekehrt. Ein Ort voller Begierde, Alkohol, Drogen und vielem mehr. Ein Ort, den ich um jeden Preis vermeiden werde. Natürlich wird dieser Besuch der erste und letzte sein.

Während wir uns in der Schlange drängen, fällt mir auf, dass Leyla immer noch von Kian schwärmt. "Er ist zu 100 Prozent ein Libanese. Allein schon, dass er aus Berlin kommt, sagt schon, dass er Libanese ist. Obwohl, wenn ich ihn mir nochmal vorstelle, glaube ich sogar, er könnte ein Kurde sein," verkündet Leyla. Innerlich schüttle ich den Kopf. Kein Kurde würde seinen Sohn Kian nennen. Und ganz ehrlich, kein Kurde würde sich so verhalten wie dieser Psycho. Schließlich stehen wir ganz vorne, und durch einen glücklichen Zufall lässt uns der Security durch. Arzo bemerkt etwas und sagt: "Habt ihr gesehen, wie er Arin zugezwinkert hat?"

"Mir ist das gar nicht aufgefallen", gebe ich von mir, während wir uns Richtung Eingang bewegen. Die dröhnende Musik durchdringt die Luft. Es ist schon erstaunlich, wofür sich Menschen fertig machen.

Drinnen angekommen, sucht Leyla bereits mit ihren Augen nach ihrem, wie sie so schön sagt, Traumtypen. Ich sehe eher einen Albtraumtypen, sobald sie ihn näher kennenlernt, wird sie es schon wissen. "Ich habe ihn gefunden! Schaut euch diesen Charisma an, diese Größe, diese Schultern. Wie perfekt kann ein Mensch nur sein?", schwärmt Leyla voller Begeisterung. Er ist genau der Typ von Kerl, der selbst feiern geht, aber ausrastet, wenn seine Freundin es tut. Ich kann solche Typen wirklich nicht ausstehen, und das sieht man ihm direkt an.

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt