Kapitel 18

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"Hast du mich jetzt ernsthaft hierher gerufen, um mir zu sagen, dass das Kleid zu kurz ist?" frage ich, mein Atem geht schnell und ich versuche, die Situation zu begreifen. "Ja," kommt es stumpf von ihm. Ich fange an zu lachen, ein scharfes, bitteres Lachen, das aus meiner Verzweiflung und Ungläubigkeit geboren ist. "Du meinst es doch nicht ernst, oder? Was ist dein Problem, Kian?" Er lässt mich los, und ich reibe mein schmerzendes Oberschenkel, während ich ihn wütend anstarre.

"Mein Problem ist, dass du deinem Kollegen nicht so vertrauen solltest", sagt er. "Ach wirklich? Und was weißt du darüber?" fauche ich zurück. "Du ignorierst mich einfach und dann redest du wieder mit mir, als wäre nichts gewesen. Und jetzt willst du mir sagen, wem ich vertrauen soll?" Er tritt näher, seine Augen sind hart und unerbittlich. "Ja, genau das will ich dir sagen. Du bist so naiv, Arin. Du denkst, nur weil jemand nett zu dir ist, dass du ihm vertrauen kannst."

"Und du bist derjenige, dem ich vertrauen soll? Du, der mich hier festhält und mich so behandelt? Vergiss es. Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen." Er schüttelt den Kopf, ein bitteres Lächeln auf seinen Lippen. "Du verstehst es einfach nicht, oder? Die Welt da draußen ist nicht so einfach, wie du denkst. Nicht jeder hat gute Absichten."

"Bist du jetzt mein Beschützer oder was?" spucke ich zurück, mein Herz schlägt wild vor Aufregung und Wut. "Du kannst mir nicht vorschreiben, wem ich vertrauen soll und wem nicht."

"Vielleicht nicht," sagt er ruhig, "aber ich kann dich davor warnen, Fehler zu machen." Ich verschränke die Arme vor der Brust und sehe ihn herausfordernd an. "Vielleicht sollte ich meine eigenen Fehler machen. Das ist mein Leben, Kian. Nicht deins." Er sieht mich eine Weile schweigend an, dann nickt er langsam. "Vielleicht hast du recht. Aber pass auf dich auf, Arin. Du weißt nicht, wie gefährlich die Menschen sein können."

"Abgesehen davon, frage ich dich doch auch nicht, was du hier machst oder mit wem du hier bist," sage ich. "Frag mich doch einfach", kommt von ihm. "Tue ich nicht, weil es mich nicht interessiert!" antworte ich scharf. "Ein Wunder, dass sich überhaupt ein Mädchen freiwillig mit dir trifft."

"Ach, so ist es also?" Er grinst selbstgefällig. "Warst du nicht diejenige, die mich als gutaussehend betrachtet, oder erinnere ich mich falsch?" Oh mein Gott, wie peinlich. Hat er das also doch gehört? Ich möchte am liebsten im Boden versinken, genauso wie ich es mir schon vorgestellt habe, als ich dachte, er hätte es nicht mitbekommen.

Er war doch so betrunken, wie kann das sein? Wenn ich könnte, würde ich mich jetzt sofort wegteleportieren und mich irgendwo in Australien aussetzen, weit weg von dieser peinlichen Situation. Ich fange an zu stottern, "Äh, ähm, wann hab ich denn sowas gesagt?" frage ich nervös. "Tue nicht so, als würdest du es nicht wissen. Du weißt ganz genau, wann und wo du es gesagt hast," kontert er. "Ich glaube eher, dass du es geträumt hast. Sowas würde ich niemals sagen," versuche ich, mich rauszureden, und drehe mich um, um wegzugehen, aber er hält mich davon ab. "Ich bin noch nicht fertig," sagt er und drückt mit seinem Zeigefinger auf meine Schläfe.

"Ich hoffe, du hast all das, was ich gesagt habe, hier oben gespeichert." Warum werde ich so nervös, wenn er in meiner Nähe ist? Ich muss gestehen, dass er gut aussieht, aber mehr ist da auch nicht. Bevor ich überhaupt noch etwas sagen kann, nimmt er meine Haare und platziert sie auf meine Schulter, sodass mein Dekolleté nicht mehr so stark betont wird. "Hey, was soll das?" protestiere ich. "Sei einfach ruhig," kommt es von ihm, seine Stimme tief und befehlend.

Mein Herz schlägt schneller, und ein Kribbeln durchläuft meinen ganzen Körper. Seine Nähe, sein Duft, seine Berührung, alles daran verwirrt mich. Ich stehe da, unfähig, mich zu bewegen oder zu sprechen, während er mich mit seinen Augen fixiert.  Ich weiß nicht, ob es die Nähe ist oder die Intensität seiner Berührung, aber etwas an diesem Moment lässt mich erzittern. Er ist so nah, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren kann, und sein Blick, so durchdringend und ernst, lässt mich fast den Verstand verlieren. Was ist es nur an ihm, das mich so durcheinanderbringt?

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt