Ich spüre Kians Atem an meinen Oberschenkel, als sein Kopf noch immer schwer auf meinem Schoß liegt. Doch seine Worte klingen in meinen Ohren nach, wie ein altes, verblichenes Versprechen, das nichts mehr wert ist. Langsam schiebe ich seinen Kopf von mir herunter, meine Bewegungen bedacht, aber fest.
"Geh jetzt, Kian", sage ich, meine Stimme ruhig, fast monoton, obwohl mein Herz unaufhörlich gegen meine Brust schlägt.
Er hebt den Kopf und sieht mich mit diesem verwirrten Blick an, der mich öfters schwach gemacht hat. "Warum?", fragt er und ich kann den Unglauben in seiner Stimme hören.
Ein bitteres Lächeln zuckt über meine Lippen. "Dass du auch noch nach einem Warum fragst?" Ich stehe auf und sehe ihn für einen Moment stumm an. "Du platzt hier einfach rein, als wäre nichts gewesen."
Die Stille dehnt sich zwischen uns, schwer und undurchdringlich. Kian bleibt auf der Couch sitzen, als könne er die Schwere der Situation nicht begreifen. Ich schüttele den Kopf, drehe mich um und gehe in Richtung Flur. Doch ich komme nicht weit, als ich plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk spüre. Sanft, aber bestimmt zieht er mich zu sich um und dreht mich, sodass wir uns wieder direkt gegenüberstehen.
"Rede mit mir", flüstert er. Sein Blick durchbohrt mich und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.
Ich schließe die Augen. "Ich habe nichts mehr zu sagen."
Er lässt meine Hand los, nur um dann vorsichtig eine meiner Strähnen hinter mein Ohr zu legen. Seine Finger wandern sanft über mein Gesicht, und dann hebt er mein Kinn, zwingt mich, ihn anzusehen. Wir stehen so nah beieinander, dass ich seinen Herzschlag hören kann, und mein Atem stockt.
Ein Schauer jagt mir über den Rücken. In einer Mischung aus Wut und Verzweiflung schubse ich ihn von mir weg. "Spinnst du? Was soll das?"
"Was soll was?", fragt er, als wäre das alles ein Spiel.
"Schrei nicht", sage ich, meine Stimme scharf und ich spüre, wie ich meine Kontrolle langsam verliere.
"Ich schreie nicht. Du schreist", kontert er.
"Geh, bevor du noch mein Kind aufweckst", fauche ich, meine Geduld am Ende.
Kians Gesicht verfinstert sich. "Dein Kind? Hast du ihn alleine gezeugt oder was?" Er grinst, und ich spüre, wie meine Fassade fast zerbricht.
Ohne ein weiteres Wort mache ich die Tür auf und gestikuliere mit einer Hand, dass er gehen soll. Kian zögert, aber er sieht, dass es keinen Sinn hat, weiter zu diskutieren. Mit einem letzten Blick, der sowohl Reue als auch Frustration ausdrückt, verlässt er die Wohnung.
Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss, und die Stille ist überwältigend. Ich stehe da, unfähig, mich zu bewegen, während die Ereignisse der letzten Minuten durch meinen Kopf rasen. Erst als ich im Schlafzimmer stehe und einen leisen Atemzug von Araz höre, finde ich zu mir zurück.Ich lege mich zu Araz, doch Kians Worte hallen in meinem Kopf wider.
Wie kann er so tun, als wäre nichts passiert?
Am nächsten Morgen bereite ich mich mental auf den Tag vor. Jede Bewegung ist routiniert, als würde mein Körper auf Autopilot laufen. Ich ziehe mir eine enge Jeans, einen Rollkragenpullover und meine langen Stiefel und Mantel an, die perfekt zum kühlen Wetter passen. Araz kommt in die Babytrage, und wir machen uns auf den Weg. Ich rufe Meran an, um mich abzulenken.
"Guten Morgen, Herr Baumann. Hätten Sie Lust auf einen Kaffee?" Meine Stimme klingt leichter, als ich mich fühle.
"Was für eine Überraschung, azizam. Gerne, da sage ich doch nicht nein", kommt es von der anderen Seite, und ich kann das Lächeln in seiner Stimme hören.
DU LIEST GERADE
𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭
Romantik𝐁𝐚𝐧𝐝 𝟏 Arin, eine kämpferische Studentin mit einem Kampfgeist, der größer ist als ihr Bankkonto, findet sich plötzlich als Putzkraft in der Kaserne wieder. Ein Job, der ihre finanzielle Misere lindern soll. Doch als sie auf einen furchtlosen Po...
