Ich nehme das Pflaster und klebe es vorsichtig über seine Augenbraue. "Schau dir mal die ganzen Wunden an, unglaublich," murmele ich. "Heilt doch innerhalb von ein paar Tagen, kein Stress," sagt er lässig. "Was wenn Narben entstehen?" frage ich besorgt. "Werden sie nicht. Und wenn doch, dann ist es eben so", sagt er gelassen. "Was wirst du den Leuten in der Kaserne sagen? Dass du die Treppen gestürzt bist, oder was?"
"Oh, gute Idee. Aber keiner wird mich darauf ansprechen, deshalb mache ich mir keine Gedanken darüber," sagt er gelassen. Innerlich brenne ich vor Neugierde, will unbedingt wissen, warum er sich geprügelt hat, doch ich traue mich nicht zu fragen. "Was wenn irgendwelche Leute dich gesehen haben?" "Ich bin nicht so dumm, dass ich Leute auf offener Straße verprügle. Es war eine dunkle Gasse," antwortet er. Ich nehme seine rechte Hand und puste die Überreste seiner demolierten Haut weg.
Wie oft hat er wohl mit dieser Hand zugeschlagen? Ich stehe auf, um eine Wundsalbe zu finden. Plötzlich drückt er auf den Lichtschalter, der direkt hinter ihm ist, und packt mein Handgelenk. Ehe ich mich versehe, zieht er mich auf seinen Schoß.
"Was wird das jetzt?" frage ich überrascht. "Stell einmal nicht so viele Fragen," murmelt er. "Wie wär's damit?" fügt er hinzu. Ich atme laut aus, die Nervosität bringt mich um. Es ist still, er sagt nichts und ich sitze noch immer auf seinem Schoß. "Machst du dir etwa Sorgen um mich?" fragt er plötzlich. Ich weiß nicht, wie ich antworten soll. "Es ist doch nicht schön, sowas zu sehen," sage ich schließlich. "Ah, okay," sagt er. Seine Hand wandert unter mein Schlafoberteil, langsam an meiner Taille hoch. Mein Herz rast, als seine Hand an meinem BH ankommt und er seinen Daumen leicht darunter schiebt.
Mein ganzer Körper pocht. Was ist das nur für ein Gefühl? Warum kann ich mich nicht dagegen wehren? Will ich mich überhaupt wehren? "Du sagst ja gar nichts mehr," murmelt er leise. "Hm," entgegne ich nur. Plötzlich ändern wir die Position. Nun liege ich auf meiner Couch, und er ist über mir. Seine rechte Hand bleibt unter meinem Oberteil, während seine linke meine Haare über die Couchlehne streicht. Ich spüre seinen Atem direkt an meinem Hals. Wenn er so weitermacht, kippe ich vor ihm einfach um. Seine Lippen berühren meine Halsschlagader, sanft und federleicht. Mein Atem stockt, als ich seine Berührungen fühle.
Eine Hitze breitet sich in meinem Körper aus, mein Herzschlag beschleunigt sich noch mehr. Seine Lippen wandern meinen Hals hinauf, hinterlassen ein brennendes Gefühl auf meiner Haut. Ich schließe die Augen und gebe mich dem Moment hin, völlig überwältigt von der Intensität seiner Nähe. Sein Griff an meiner Taille wird fester, und seine Küsse werden drängender. Ich spüre, wie seine Zungenspitze sanft über meine Haut streicht. Ein leises "Stopp" entweicht meinen Lippen. Er hebt den Kopf und sieht mir in die Augen, seine hellen Augen durchdringen mich.
"Du willst es doch auch", sagt er. Wieder bringe ich kein Wort heraus, doch als seine Hand plötzlich kurz vor meinem Unterleib stoppt, greife ich nach seiner Hand. "Nein, hör auf. Ich kann das nicht."
"Wieso nicht?" fragt er. "Weil ich es einfach nicht kann", sage ich, meine Stimme zittert leicht. "Es wäre gut, wenn du jetzt gehst. Er verlässt die Wohnung. Ich liege im Bett und kann nicht aufhören, an das Geschehene zu denken.
Warum habe ich es überhaupt so weit kommen lassen? Ich bin wütend, nicht auf ihn, sondern auf mich. Fühle ich mich nur so, weil ich nach den Werten meiner Eltern lebe? War es falsch, was ich gemacht habe? Diese Fragen schwirren in meinem Kopf herum. Warum wollte ich gleichzeitig nicht, dass er aufhört? So eine Scheiße aber auch. Die ganze Nacht über wälze ich mich im Bett und bekomme kein Auge zu, weil ich ständig an das denke, was passiert ist.
Morgen wird es unangenehm sein, ihn wiederzusehen, natürlich nur für mich. Für ihn ist es nichts Neues oder Besonderes gewesen. Doch für mich ist es eine komplett neue Welt, in der ich mich fremd und unpassend fühle. Irgendwann schlafe ich doch noch ein.
DU LIEST GERADE
𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭
Romance𝐁𝐚𝐧𝐝 𝟏 Arin, eine kämpferische Studentin mit einem Kampfgeist, der größer ist als ihr Bankkonto, findet sich plötzlich als Putzkraft in der Kaserne wieder. Ein Job, der ihre finanzielle Misere lindern soll. Doch als sie auf einen furchtlosen Po...
