Kapitel 33

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"Warum willst du das wissen?" frage ich, unfähig, ein weiteres Wort herauszubringen. Seine erschöpften Augen durchbohren meine, und er fragt erneut: "Ja oder nein?" Ein leises "Ja" entflieht meinen Lippen. "Ja, ich mache mir Sorgen. Ich mache mir Sorgen, dich so zu sehen." Ein schwaches Lächeln erscheint auf seinen Lippen. Er greift nach einer Strähne meines Haares und steckt sie hinter mein Ohr. "Weißt du, niemand hat sich je Sorgen um mich gemacht. Du bist die Erste." Mein Herz klopft wild. Wie kann es sein, dass niemand sich um ihn sorgt?

Er tut mir so leid, so unfassbar leid. Sein Vater weiß sicherlich nicht einmal, was sein Sohn tut, und seine Mutter lebt nicht mehr. Er hat wirklich niemanden, der sich um ihn sorgt. "Hörst du damit auf, wenn du weißt, dass es jemanden gibt, der sich um dich sorgt?" frage ich ihn.

Ich beobachte ihn, wie er mit seinen Fingern über seine aufgeplatzte Lippe streicht und leise zischt. "Warum machst du das überhaupt?" frage ich. "Irgendwann wirst du es schon erfahren," sagt er und beginnt, sich wieder anzuziehen. Langsam zieht er sein Hemd über, doch seine Schmerzen sind so stark, dass er es kaum schafft, die Knöpfe zu schließen. Ich kann nicht zulassen, dass er in diesem Zustand die Wohnung verlässt.

Er hat so viel für mich getan, und wenn ich ihn jetzt so rausgehen lasse und ihm etwas zustößt, könnte ich mir das nie verzeihen. "Ich glaube, du solltest jetzt nicht rausgehen. Ähm, ich habe deine Hände noch nicht desinfiziert, ja, genau, deine Hände müssen noch sauber gemacht werden," sage ich hastig. Er schaut sich seine Hände an. "Meine Hände? Die sehen doch in Ordnung aus, bis auf ein paar Verletzungen hier," sagt er und zeigt auf seine Wunden.

Ich schaue mir seine Hände genauer an. Abgesehen von den blutigen Stellen sind sie wirklich schön gepflegt. Während ich seine Hände weiter betrachte, bemerke ich nicht, dass er mit halboffenem Hemd vor mir steht. Sein Oberkörper ist deutlich zu sehen. Verdammt, warum sieht das so attraktiv aus, sogar mit den ganzen Wunden und Blutflecken? Ich atme tief durch.

Wie kann ich in so einer Situation daran denken, dass er attraktiv aussieht? Ich schaue hoch zu ihm. In diesem Moment streicht er mit seinem Daumen über seine Unterlippe. Heiß, sehr heiß, so heiß, dass ich das Gefühl habe, zu brennen. "Äh, ich hole dir etwas zum Kühlen, also für die Hände," sage ich und zeige auf seine Hände.

Er gibt mir einen fragenden Blick. "Also, für deine Hände meine ich," korrigiere ich mich nervös. Warum bin ich plötzlich so nervös? Ich sprinte zum Kühlschrank und suche nach etwas zum Kühlen. Ein Kühlpack habe ich nicht, das Einzige, was ich ihm anbieten kann, ist die gefrorene Butter. "Hier, leg das auf deine Faust, dann tut es nicht mehr so weh. Ich weiß, es ist kein Kühlpack, und du fragst dich sicherlich, warum diese Butter gefroren ist. Die war im Angebot, also habe ich mir gleich ein paar Stücke zugelegt. Ich meine, wie kann es sein, dass normale Butter fast drei Euro kostet?" Oh mein Gott, Mädchen, halt einfach den Mund. Warum muss ich jetzt über Butter im Angebot sprechen?

Er nickt und kühlt seine Hand tatsächlich mit der gefrorenen Butter. Ich setze mich zu ihm. "Bist du eigentlich noch sauer wegen der Geschehnisse im Café?" fragt er mich. "Nein, nicht mehr, aber das heißt nicht, dass ich nicht mehr nach einem zweiten Job suche," antworte ich. "Also musst du zusätzlich noch arbeiten, damit du mehr Geld hast?" fragt er in einem ruhigen Ton. "So in etwa. Ich bin auf die 520 Euro angewiesen, mein dreckiger Vermieter hat die Mietpreise erhöht," sage ich genervt. Jetzt schaut er mich wieder an.

"Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der Stipendien vergibt. Du hast mal gesagt, dass du studierst. Wenn du bis übermorgen deine Unterlagen fertig machst, kann ich sie weitergeben. Wer weiß, vielleicht bekommst du dann ein Stipendium und musst nicht noch zusätzlich arbeiten. Ich denke, die Arbeit bei uns im Haus ist schon anstrengend genug." Einen Moment lang bin ich sprachlos. Warum ist er plötzlich so süß? Hat er einen Schlag auf den Kopf bekommen? Wie kann es sein, dass er gerade wie ein Engel wirkt? Abgesehen davon unterhalten wir uns gerade wie zwei normale Menschen. Mit großen Augen schaue ich ihn an. "Meinst du das wirklich ernst?" frage ich voller Neugier.

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt