Ich kann kaum glauben, was hier gerade passiert. Kian hält immer noch meine Hand und zieht mich sanft von der Bank hoch. "Mach einfach mit," wiederholt er, seine Stimme leiser, fast beschwörend. "Okay, aber du schuldest mir eine Erklärung," sage ich schließlich, um die peinliche Situation zu beenden als aus echter Überzeugung, auch weil ich gerade vor Neugier platze.
Wir gehen ein paar Schritte, und ich versuche, nicht auf die neugierigen Blicke der Leute um uns herum zu achten. Kian sieht mich an, ein schiefes Lächeln auf den Lippen. "Alles zu seiner Zeit. Musst du so neugierig sein?", fragt er, während er mich intensiv ansieht.
Was für eine Frage, denke ich bei mir, natürlich bin ich neugierig, spreche es aber nicht aus. "Weißt du was, ich mache aus einem Grund mit, als Dankeschön für die Selbstverteidigungsstunde letztens," erkläre ich und versuche, mein Unbehagen zu verbergen. Es fühlt sich trotzdem komisch an, Hand in Hand mit ihm zu sein. Auch wenn ein anderer meine Hand halten würde, bin ich innerlich froh darüber, dass meine Eltern und Bekannten nicht in Berlin leben.
Wenn mich einer so sehen würde, wäre es mit allem vorbei. Allein schon der Gedanke bringt mich zum Schwitzen. Oh nein, jetzt fangen meine Hände wirklich an zu schwitzen. Ich weiß nicht einmal, ob ich meine Hand zurückziehen kann. Ein Blick in Kians Richtung, um ihm zu signalisieren, dass ich meine Hand zurückziehen möchte.
Er guckt mich an und schüttelt den Kopf, um zu signalisieren, dass ich weiterhin mitgehen soll. Merkt dieser Typ nicht, wie nass meine Hand geworden ist? Ich schaue hinunter auf unsere verbundenen Hände und bemerke, wie riesig seine im Vergleich zu meiner ist. Meine Hand ist kaum zu sehen. "Hältst du es nicht fünf Minuten aus, ruhig zu bleiben?", fragt er plötzlich. "Wie bitte? Nur weil ich dir einen Gefallen tue, heißt das nicht, dass ich auf Kommando, das mache, was du von mir willst," erwidere ich und versuche, meine Hand zurückzuziehen.
"Manchmal möchte ich einfach deine Lippen zusammenpressen, damit du nicht so viel Unsinn redest," sagt er und zeigt mir mit seiner anderen Hand, wie er es machen würde. Plötzlich wird mir bewusst, wie nah er mir ist. Sein Gesicht ist nur wenige Zentimeter von meinem entfernt, und ich kann seinen Atem auf meiner Haut spüren. Ich versuche, ruhig zu bleiben und meine Nervosität zu verbergen, aber sein Blick durchdringt mich förmlich.
"Wage es nicht, meine Lippen anzufassen", flüstere ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch. Er grinst breit und lässt meine Hand los. "Keine Sorge, ich weiß, dass du darauf nicht stehst", erwidert er mit einem Augenzwinkern. Ich kann spüren, wie mein Herz schneller schlägt, während ich versuche, meine Gedanken zu ordnen. Was genau will er von mir? Und warum fällt es mir so schwer, mich gegen ihn zu behaupten?
Plötzlich klingelt mein Handy und reißt mich aus meinen Gedanken und ich greife hastig nach meinem Telefon. Kian beobachtet mich mit einem Ausdruck, den ich nicht ganz deuten kann, während ich die Nachricht lese. "Hey Arin, ich warte hier direkt vor dem Eingang mit meinem Auto, wo bist du?" schreibt Daris. Ein Blick genügt, um zu bemerken, dass Daris unmittelbar in meiner Nähe ist.
Als würde das nicht reichen, steht dieser Typ noch neben mir. "Kann ich jetzt gehen oder ist deine Mission noch nicht vorbei?" sage ich zu Kian, meine Stimme leicht genervt. Er schaut auf seine Uhr und hebt eine Augenbraue. "Du bist befreit, du kannst jetzt gehen, wenn du willst," sagt er mit einem schiefen Lächeln. Ich trete einen Schritt zurück. "Du bist wirklich unglaublich, weißt du das?" "Das höre ich öfter," sagt er mit einem Augenzwinkern.
Ich werfe ihm einen letzten, skeptischen Blick zu, bevor ich mich umdrehe und zu Daris' Auto gehe. Kian bleibt zurück und ich kann seine Augen auf meinem Rücken spüren. Heute sollte ein Kian-freier Tag sein, aber irgendwie hat er es wieder geschafft, sich in meinen Tag zu schleichen. Vielleicht werde ich ihn nie ganz loswerden, denke ich, als ich meinen Weg fortsetze und mich auf den Rest des Tages freue.
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𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭
Romansa𝐁𝐚𝐧𝐝 𝟏 Arin, eine kämpferische Studentin mit einem Kampfgeist, der größer ist als ihr Bankkonto, findet sich plötzlich als Putzkraft in der Kaserne wieder. Ein Job, der ihre finanzielle Misere lindern soll. Doch als sie auf einen furchtlosen Po...
