Daris steht auf der anderen Seite der Straße und lächelt mich provokant an. Ein Lächeln, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ich schließe für einen kurzen Moment die Augen, hoffe, dass ich mich täusche, dass das alles nur ein Albtraum ist. Doch als ich die Augen wieder öffne, ist er immer noch da. Nein, das darf nicht sein. Warum ist dieser Hund hier?Nicht einmal Hunde haben es verdient, mit ihm gleichgestellt zu werden.
Die Erinnerungen schlagen über mir zusammen wie eine Welle, die mich zurück in die Dunkelheit zieht. Die Entführung. Seine ekelhaften Berührungen, die mich noch immer schaudern lassen. Und das Schlimmste von allem, als er mich mit dem Messer niedergestochen hat. Mein Körper erinnert sich an den Schmerz, spürt wieder die Gänsehaut, die Angst, das Entsetzen. Doch ich kann jetzt nicht schwach werden, nicht wenn Araz bei mir ist. Mein Blick fällt auf mein Baby, das in der Trage auf meiner Brust schlummert, unschuldig, völlig ahnungslos, welch Gefahr uns gerade gegenübersteht.
Meine Finger zittern, als ich hastig mein Handy aus meiner Tasche ziehe und auf Kians Nummer tippe. "Komm schon, geh ran", flüstere ich hektisch, während mein Blick nicht von Daris weicht. Er steht immer noch da, das gleiche widerliche Lächeln im Gesicht.
"Ja, Arin?" Kians Stimme dringt aus dem Lautsprecher.
"Eh..." Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen, aber mein Herz schlägt so laut in meiner Brust, dass ich kaum klar denken kann. "Kian, du weißt doch noch, Daris, oder?" stammle ich. "Er ist doch eigentlich im Knast, oder nicht?" Meine Stimme klingt brüchig.
"Ja", sagt Kian sofort, seine Stimme wird ernst. "Er hat eine Haftstrafe von fünf Jahren bekommen. Es gab auch keine Kaution."
"Ah, okay", murmele ich, aber die Panik sitzt mir im Nacken.
"Warum fragst du?" Kians Stimme wird schärfer, aufmerksamer.
"Ich stehe hier an der Ampel", sage ich leise, "und Daris ist auf der anderen Seite." Meine Hände fangen an zu zittern, als ich es ausspreche. Der Gedanke, dass er frei ist, dass er so nah bei uns ist, lässt mich beinahe ersticken.
"Was?!" Kians Stimme verändert sich sofort. "Wo ist Araz?" fragt er schnell.
"Bei mir", antworte ich, meine Augen immer noch auf Daris gerichtet, der keinen Moment den Blick von mir abwendet.
"Hör mir zu", sagt Kian eindringlich, "geh sofort in ein Geschäft und warte dort, bis ich komme. Ich bin sofort bei dir."
"Okay", antworte ich leise und versuche, meine Füße in Bewegung zu setzen. Ich schiebe mich durch die Menschenmenge, die auf dem Kudamm an mir vorbeiströmt, und versuche, mich zu beruhigen. Kian wird gleich hier sein, rede ich mir ein. Es wird alles gut. Doch jetzt? Jetzt darf ich nicht in Panik verfallen, nicht wenn Araz bei mir ist.
Endlich finde ich einen kleinen Laden und gehe hinein. Mein Blick wandert immer wieder zur Tür. Jede Sekunde fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Araz schläft tief und fest in der Trage, völlig unberührt von dem Sturm, der in mir tobt. Ich versuche, ruhig zu atmen, doch die Angst sitzt mir wie ein Schatten im Nacken. Was, wenn Daris mir folgt? Was, wenn er uns hier findet?
Nach scheinbar endlosen Minuten sehe ich endlich Kian. Er kommt schnell auf mich zu, und ich spüre die Erleichterung. "Kian!" rufe ich und winke ihm zu.
"Ich hab dich schon gesehen", sagt er ruhig, aber ich sehe die Anspannung in seinem Blick. "Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut? Geht es euch beiden gut?"
Ich nicke und spüre, wie die Tränen der Erleichterung in meine Augen steigen. "Ja, uns geht's gut."
Kian nimmt meine Hand, ich bin etwas überrascht, und wir gehen gemeinsam nach draußen. "Und wo hast du ihn gesehen?" fragt er, während er Araz kurz prüfend ansieht.
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𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭
Romance𝐁𝐚𝐧𝐝 𝟏 Arin, eine kämpferische Studentin mit einem Kampfgeist, der größer ist als ihr Bankkonto, findet sich plötzlich als Putzkraft in der Kaserne wieder. Ein Job, der ihre finanzielle Misere lindern soll. Doch als sie auf einen furchtlosen Po...
