Kapitel 1

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𝐀𝐑Î𝐍 𝐀𝐆𝐈𝐑
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Meine Eltern, streng in ihren Überzeugungen, hatten klare Vorstellungen von meiner Zukunft. Sie betonten immer wieder die Bedeutung meines Studiums und drängten mich, mich von jeglichen Ablenkungen fernzuhalten, besonders von Jungs. Für sie stand meine akademische Laufbahn an erster Stelle, und alles andere war nur eine Ablenkung. Die Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen und meinen eigenen Träumen führte oft zu Spannungen in unserer Familie.

Doch trotz ihrer Strenge zeigten meine Eltern auch Verständnis für meine Ambitionen. Sie waren bereit, ein Auge zuzudrücken, solange ich meine Pflichten als Studentin ernst nahm und meine Zukunft nicht aufs Spiel setzte. Ihre Warnungen klangen oft wie ein Echo in meinen Gedanken. "Falls irgendein Junge es wagt, dir auch nur das Geringste anzutun", hatten sie gesagt, "werden wir es dir niemals verzeihen." Die Drohung in ihren Worten spiegelte ihre tiefe Besorgnis um mein Wohlergehen wider, aber sie machte auch deutlich, wie wenig Spielraum für Fehler sie mir zugestehen würden.

Ich packte nervös meine wenigen Habseligkeiten in einen abgenutzten Koffer. Mein Blick fiel auf das kleine Zimmer, das ich die letzten Jahre mein Zuhause genannt hatte - nun war es an der Zeit, mich von der vertrauten Umgebung zu verabschieden. Jeder Gegenstand, den ich in den Koffer legte, fühlte sich an wie ein Teil von mir, der zurückgelassen wurde. Die Wände, die so viele Erinnerungen bargen, schienen mir plötzlich fremd und kalt. Der Umzug in eine neue Stadt war keine leichte Entscheidung gewesen. Als Mädchen mit kurdischen Eltern hatte ich meine Eltern anflehen müssen, um ihre Zustimmung zu bekommen, auszuziehen und mein Studium in einer entfernten Stadt anzutreten.

Die Traditionen und Erwartungen meiner Familie lasteten schwer auf meinen Schultern und der Schritt, mich von ihrem Schutz zu lösen, war von Zweifeln und Ängsten begleitet. Der Abschied von meinen Eltern war nicht leicht gewesen. Doch ich wusste, dass ich diesen Schritt gehen musste, um meinen eigenen Weg zu finden und meine Träume zu verwirklichen.

Das Schicksal hatte andere Pläne für mich. Während ich mich noch mit meinen Gedanken quälte, erreichte mich eine Nachricht von einer alten Bekanntschaft aus meiner Heimatstadt. Karim, ein Freund aus Kindertagen, bot mir einen Job als Kellnerin in einem Café in Berlin an. Es war ein Glücksfall, dass ich bereits einen Job hatte, bevor ich überhaupt in die neue Stadt gezogen war.

Die Wohnungssuche verlief überraschend entspannt, wenn man bedenkt, wie schwer es ist, in Berlin eine Wohnung zu finden. Es war zwar nicht viel, aber es würde mir ein Zuhause bieten, einen Ort, an dem ich meine Träume verfolgen und meine Zukunft gestalten konnte.

Mit einem letzten Blick auf mein altes Zimmer und einem Gefühl der Erleichterung im Herzen verließ ich die Wohnung und machte mich auf den Weg zu meinem neuen Leben in Berlin.


An einem ganz gewöhnlichen Tag balanciere ich mit einem Tablett voller schmutzigem Geschirr durch das geschäftige Café, während ich versuche, mein Lächeln aufrechtzuerhalten. Es sind nun mehr als 12 Monate vergangen, seitdem ich meine Stadt verlassen habe und nach Berlin gezogen bin.

Als Kellnerin habe ich gelernt, die Höhen und Tiefen des Gastronomiealltags zu ertragen, aber an diesem Tag scheint das Universum besonders grausam zu sein. Ein verschütteter Drink hier, eine Beschwerde dort und dann die verheerende Nachricht meines Chefs. "Arin, ich fürchte, wir müssen uns von dir trennen. Das Geschäft läuft nicht so gut wie erhofft, und wir müssen einige Stellen streichen."

"Was?! Aber ich..." beginne ich, aber mein Chef unterbricht mich unerbittlich. "Es tut mir leid, Arin. Es gibt nichts zu diskutieren. Wir müssen unsere Ausgaben kürzen und das bedeutet, dass wir uns von einigen Mitarbeitern verabschieden müssen."

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt