"Nein, tue ich nicht," gebe ich von mir, meine Stimme zittert leicht. Die Situation ist unangenehm, aber ich will mir nichts anmerken lassen. Kian sieht mich direkt an, seine Augen bohren sich in meine, als wolle er etwas in mir lesen. "Hör zu", sagt er schließlich, seine Stimme fest und ernst.
"Die Leute hier sind nicht immer das, was sie vorgeben zu sein. Du musst vorsichtig sein, wem du vertraust."
"Das weiß ich," antworte ich und senke den Blick. "Aber manchmal ist es schwer, wenn man ständig beobachtet wird." Es ist ein Eingeständnis meiner Unsicherheit, etwas, das ich vor ihm nicht zeigen will, aber es bricht einfach aus mir heraus.
"Du solltest dich nicht einschüchtern lassen. Und wenn jemand dich belästigt, komm zu mir. Ich werde dafür sorgen, dass es aufhört." Ich sehe ihn überrascht an. Diese Seite von ihm habe ich nicht erwartet. "Warum tust du das?" frage ich schließlich, immer noch verwirrt über seine plötzliche Fürsorge.
"Vielleicht, weil ich sehe, dass du stark bist, auch wenn du es selbst nicht immer glaubst," sagt er, seine Stimme wird dabei weicher. "Und weil ich finde, dass du es nicht verdienst, so behandelt zu werden."
"Danke," sage ich leise. "Kein Problem," antwortet er und steht auf. "Jetzt geh und mach weiter deine Arbeit. Und denk daran, du bist nicht allein."
Ich verlasse das Zimmer, spüre seinen Blick in meinem Rücken. Es ist seltsam, wie jemand, den man kaum kennt, solche Gefühle in einem auslösen kann. Ich fühle eine Mischung aus Erleichterung und Verwirrung. Seine Worte haben etwas in mir berührt, aber ich will mir nicht anmerken lassen, wie viel sie mir bedeuten. Ich bin fast am Ende des Flurs, als ich seine Stimme hinter mir höre.
"Warte mal," ruft er mir nach, und ich drehe mich um, nur um zu sehen, wie er schnellen Schrittes auf mich zukommt. "Was ist jetzt wieder?" frage ich, die Müdigkeit und der Stress lassen meine Stimme schärfer klingen als beabsichtigt. "Du hast etwas vergessen," sagt er, seine Augen funkelnd vor Zorn. "Was ist mit deinem Freund? Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du jemanden hast?" Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt. "Das geht dich nichts an" sage ich und verschränke die Arme vor der Brust. "Mein Privatleben ist meine Sache."
"Dein Privatleben? Es scheint, als würdest du es genießen, mir etwas vorzuspielen. Du spielst ein falsches Spiel, Arin," schnaubt er. "Und was ist mit dir?" fauche ich zurück. "Du tust so, als wärst du der große Beschützer, aber in Wahrheit weißt du doch gar nichts über mich. Du kennst mich nicht einmal."
"Vielleicht will ich das ja ändern," sagt er, und seine Stimme wird lauter. "Aber du machst es einem verdammt schwer."
"Ach, jetzt bin ich also schuld?" Ich merke, wie meine Wut hochkocht. "Du bist derjenige, der ständig herumschnüffelt und mich überwacht. Was erwartest du? Dass ich dir alles auf dem Silbertablett serviere?"
"Ich erwarte, dass du ehrlich bist," brüllt er zurück.
"Hör auf, dich hinter dieser Fassade zu verstecken" fügt er noch hinzu. "Und du?" entgegne ich, meine Stimme zitternd vor Zorn. "Du versteckst dich doch auch nur hinter deiner Uniform. Du tust so, als wärst du unbesiegbar, aber in Wirklichkeit hast du genauso viele Ängste und Unsicherheiten wie ich."
Er starrt mich an, seine Augen verengen sich. "Was weißt du schon über mich? Du kennst nichts von meiner Vergangenheit, meinen Kämpfen. Also tu nicht so, als würdest du mich durchschauen."
"Vielleicht nicht," antworte ich, meine Stimme leiser, aber nicht weniger fest. "Aber ich weiß, dass du genauso wenig perfekt bist wie jeder andere. Und vielleicht wäre es an der Zeit, das zuzugeben, anstatt ständig diesen harten Kerl zu spielen."
Für einen Moment herrscht Stille zwischen uns, nur unterbrochen von unseren schweren Atemzügen. Kian öffnet den Mund, als wolle er etwas sagen, schließt ihn dann aber wieder und schüttelt den Kopf.
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𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭
Romance𝐁𝐚𝐧𝐝 𝟏 Arin, eine kämpferische Studentin mit einem Kampfgeist, der größer ist als ihr Bankkonto, findet sich plötzlich als Putzkraft in der Kaserne wieder. Ein Job, der ihre finanzielle Misere lindern soll. Doch als sie auf einen furchtlosen Po...
