Kapitel 20

5.3K 191 96
                                        

𝚃𝚆: 𝙳𝚒𝚎𝚜𝚎𝚜 𝙺𝚊𝚙𝚒𝚝𝚎𝚕 𝚎𝚗𝚝𝚑ä𝚕𝚝 𝙳𝚊𝚛𝚜𝚝𝚎𝚕𝚕𝚞𝚗𝚐𝚎𝚗 𝚑ä𝚞𝚜𝚕𝚒𝚌𝚑𝚎𝚛 𝙶𝚎𝚠𝚊𝚕𝚝

"Der CLE und der GLE Coupé gehören mir, die beiden hinten meinem Vater. Den Oldtimer und den Maserati gibt er niemals ab," sagt er. "CL was? Ich kenn mich mit diesen ganzen Automodellen nicht aus," füge ich hinzu, leicht verlegen. Verdient er als Polizist so gut, dass er sich solche Autos leisten kann? Meine Cousins wollten sogar krumme Geschäfte machen, um sich solche Autos leisten zu können. "Wir fahren mit dem GLE Coupé," erwähnt Kian und öffnet den Beifahrersitz für mich. Oh, was für ein Gentleman, denke ich mir, tut er nur so oder achtet er wirklich auf sowas? "Vielen Dank," sage ich dann laut.

Im Auto fragt er nach meiner genauen Adresse. "Du kannst mich am Bahnhof Lüneburg absetzen." 

"Ich wollte mich, bevor wir losfahren, nochmals bei dir bedanken, dass du mich fährst. Ich meine es wirklich ernst." "Schon in Ordnung, ist doch nichts dabei. Außerdem bin ich lange nicht mehr mit dem Auto hier gefahren." "Oh echt, wieso denn das?" frage ich neugierig. Wir stehen an einer Kreuzung, als er plötzlich sagt: "Genau deswegen," und auf das Auto hinter uns zeigt. Ein ziviles Polizeiauto hat uns herausgezogen. Ohne viel hin und her zu diskutieren, zeigt Kian seinen Dienstausweis und wir fahren weiter. "Ich hasse sowas. Kaum sitzt ein Kanacke in so einer Karre, denkt die Berliner Polizei, man gehört zu den Clans." "Das ist ja echt nicht schön. Wie gehst du mit sowas um? Das geht ja mal gar nicht," sage ich empört.

"Mittlerweile zeige ich nur noch meinen Dienstausweis und fahre weiter. Ich kann mir den ganzen Scheiß nicht mehr geben. Damals habe ich noch mit einigen diskutiert, aber so richtig was dagegen machen kann man nichts," antwortet er. Er scheint so normal zu sein, denke ich, ich kann mir nicht erklären, was damals mit ihm los war. Ist er wirklich dieselbe Person?" "Also wohnst du eigentlich in Lüneburg?" fragt er mich. "Ja, genau. Ist in der Nähe von Hamburg. Kennen nicht so viele."

"In Hamburg hatte ich tatsächlich schon mal einen Einsatz. Hab schlechte Erfahrungen mit dieser Stadt," sagt er. "Was, echt jetzt? Was war denn dein schlimmster Einsatz?" frage ich neugierig. Er weiß schon seit Tag eins, dass ich neugierig bin. Ich bin gespannt, was er zu erzählen hat. "Irgendwie hat ein Psycho in seiner Wohnung Sprengstoff selber hergestellt und es versucht im Darknet zu verkaufen. Für solche Fälle kommt dann die Spezialeinheit der GSG9. Die SEK oder PSK kümmern sich um andere Dinge." Obwohl mir die Abkürzungen nichts sagen, nicke ich und sage: "Ahh, okay. Und wie ging es aus?"

"Gerade als ich die Tür aufbrechen wollte, hat der Typ den Sprengstoff in unsere Richtung geworfen. Ich habe danach eine dicke Narbe bekommen, aber mittlerweile sieht man fast nichts mehr."

"Oh nein, du Armer," sage ich und schaue ihn traurig an. "Schon in Ordnung. Wie gesagt, die Narbe ist kaum zu sehen." Plötzlich zieht er sein T-Shirt hoch. "Hey, was machst du da?" sage ich überrascht. "Ich zeig dir die Narbe."

"Schon okay, ich möchte das nicht sehen," sage ich mit einem falschen Lachen. Eine Hand am Lenkrad und mit der anderen hebt er sein T-Shirt hoch. Ich schaue unauffällig auf die Narbe. Um ehrlich zu sein, finde ich es schon spannend, das zu sehen. "Und, hast du es gesehen?" fragt er. "Die Narbe ist ja wirklich nicht mehr richtig zu sehen," sage ich beeindruckt. "So ist es," sagt er und lässt sein T-Shirt wieder herunter. Ich rüttle an meinem Oberteil. Warum ist mir plötzlich so heiß geworden? Doch nicht etwa, weil ich ein bisschen von seiner Haut gesehen habe. Komm zu dir, Mädel, denke ich mir. "Ist dir warm?" fragt er mich. "Ja, etwas. Kann ich das Fenster öffnen?" "Auf der Autobahn ist das keine gute Idee," sagt er.

"Was sagen deine Eltern eigentlich dazu? Die sorgen sich doch bestimmt um dich. Es ist ja nicht mal klar, wie solche Einsätze ablaufen. Du begibst dich in Gefahr. Hast du keine Angst?" frage ich ihn, die Sorge in meiner Stimme nicht verbergend.

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt